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09.02.2010
 

Atomstreit

Warum Teheran keine Angst vor Sanktionen hat

Von Ulrike Putz, Beirut

Irans Präsident Ahmadinedschad: Keine Furcht vor wirtschaftlichen SanktionenZur Großansicht
dpa

Irans Präsident Ahmadinedschad: Keine Furcht vor wirtschaftlichen Sanktionen

Der Westen verschärft im Atomstreit die Drohungen gegen Iran - Teheran gibt sich unbeeindruckt und hat mit der Urananreicherung begonnen. Neue Sanktionen werden dem Regime von Präsident Ahmadinedschad nicht schaden, weil sie genauso wirkungslos sind wie die alten.

Es ist wieder einmal so weit: Die USA und Frankreich, Kanzlerin Angela Merkel und ihr Außenminister Guido Westerwelle, alle fordern, den "Druck" auf Teheran zu erhöhen . Neue Sanktionen müssten her, um Iran zum Einlenken im Atomstreit zu zwingen. Notfalls soll das auch ohne Resolution im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen geschehen. Denn dort weigert sich China hartnäckig, weitere Strafmaßnahmen gegen das Regime abzusegnen.

Iran reagiert auf die Drohungen mehr als gelassen, nämlich gar nicht. Stattdessen beginnt das Land mit der umstrittenen Urananreicherung .

Die Regierung in Teheran lassen die internationalen Sanktionsdrohungen wieder einmal kalt. Schon im vergangenen Jahr hatte die Staatengemeinschaft dem Land am Persischen Golf Fristen gesetzt, in ernsthafte Verhandlungen über sein Nuklearprogramm einzusteigen. Das Regime von Präsident Mahmud Ahmadinedschad ließ jedoch alle Ultimaten verstreichen und kam ungeschoren davon.

Die Taktik der Iraner ist immer gleich: Zuerst deuten sie ein Einlenken an, agieren dann aber doch unbeeindruckt weiter. Was Iran so selbstbewusst agieren lässt: Solange die westliche Allianz einen Militärschlag gegen das Atomprogramm ausschließt, sind Sanktionen das einzige Druckmittel, das sie gegen Teheran einsetzten kann. Doch die Islamische Republik scheint weitere wirtschaftliche Einschränkungen nicht zu fürchten - zu Recht, wie Iran-Experten analysieren.

Das zeigen jahrzehntelange Erfahrungen: Die ersten Sanktionen gegen die gerade ausgerufene Islamische Republik Iran verhängten die USA 1979, nachdem Revolutionäre die US-Botschaft in Teheran besetzt haben. 1995 weitete Washington seine Maßnahmen zu einem kompletten Wirtschaftsembargo aus. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte 2006 erste Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm und erweiterte diese 2007 und 2008. Demnach dürfen Mitgliedstaaten kein Material für nukleare Aktivitäten an Iran verkaufen oder liefern. Der Handel mit der staatlichen Bank Sepah und verdächtigen Organisationen und Personen soll genauso "eingeschränkt" werden wie der Verkauf großer Waffensysteme an Teheran. Die EU hat außerdem zuletzt 2008 Guthaben von iranischen Personen und Firmen eingefroren und ein Einreiseverbot gegenüber iranischen Nuklear- und Raketentechnik-Experten verhängt.

Verbot von Benzinlieferungen ist kaum durchsetzbar

Doch weder früher noch jetzt zeigten solche Repressalien Wirkung, sagt Djavad Salehi-Isfahani, der für das renommierte Brookings Institute in Washington eine Studie zu den Sanktionen gegen Iran verfasst hat. Zwar sei die iranische Wirtschaft tatsächlich schwach. Dies aber sei nicht auf den Boykott, sondern auf die internationale Finanzkrise zurückzuführen, rechnet Salehi-Isfahani vor: So habe Iran noch 2007 eine Wachstumsrate von sieben Prozent verzeichnet, in den vergangenen zehn Jahren gar das Pro-Kopf-Einkommen verdoppelt und die Grundversorgung mit Wasser und Strom auf 95 Prozent der Bevölkerung ausgeweitet. Eine solide Bildungs- und Gesundheitspolitik habe die Mittelschicht über diesen Zeitraum zahlenmäßig verdoppelt. Erst mit der Wirtschaftskrise habe Iran 2008 einen Rückgang der Durchschnittseinkommen von 20 Prozent in den ländlichen Gebieten und zehn Prozent in den Städten verzeichnet.

Wenn in Washington davon ausgegangen werde, eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen der iranischen Bevölkerung werde die Protestbewegung dort stärken und einen Politikwechsel bringen, sei das ein Irrtum, so Salehi-Isfahani. "Sanktionen sind dann ein nützliches Mittel der Außenpolitik, wenn es in dem betreffenden Land auf Grund von jahrelanger Stagnation und sinkendem Lebensstandard brodelt." Wenn eine bestehende Misere durch Sanktionen verschlimmert würde, könne das die Regierung zu einer politischen Kehrtwende zwingen. Aber: "Das ist nicht die Situation in Iran", schreibt Salehi-Isfahani.

Als neues Druckmittel wurde auch ein Verbot von Benzinlieferungen an Iran diskutiert. Obwohl das frühere Persien der viertgrößte Erdölproduzent weltweit ist, muss es 40 Prozent seines Treibstoffsbedarfs durch Importe decken, weil ihm die Verarbeitungsmöglichkeiten für sein Rohöl fehlen. Die amerikanischen Iran-Experten Hossein Askari und Trita Parsi halten einen Benzin-Boykott jedoch für nicht praktikabel. "Ein effektives Treibstoffembargo kann nur durch eine Seeblockade umgesetzt werden", schrieben sie im August 2009 in der "New York Times". Eine solche Blockade jedoch würde eine Resolution des Uno-Sicherheitsrats voraussetzen. Doch Chinas Außenminister Yang Jiechi bekräftigte erneut, dass Peking als ständiges Mitglied des Uno-Sicherheitsrats nicht bereit ist, neue Strafmaßnahmen gegen Iran mitzutragen.

Größtes Problem bestehender und künftiger Sanktionen bleibt also ihre Durchsetzung. Auch wenn sich ein Konsens für härtere Maßnahmen fände, würden diese vermutlich nichts bewirken, prophezeien Experten. Im Fall eines Benzin-Embargos "werden sich genügend Mittelsmänner finden, die Iran weitermachen lassen wie bisher", sagte Olivier Jakob von der Schweizer Beraterfirma Petromatrix der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Ein Beispiel für die Durchlässigkeit verhängter Sperren: Eine niederländische Fluggesellschaft stand in den USA vor Gericht, weil sie trotz des Verbots jahrelang iranische Kunden mit amerikanischer Flugzeugtechnik und Ersatzteilen beliefert hatte. Als Tarnung diente eine europäische Firma, die die Wünsche der Kunden weitergab. Geliefert wurde nach Dubai, von da aus ging die Fracht weiter nach Iran.

Dass die Iraner inzwischen Meister darin sind, über solche Umwege Handelshindernisse zu umgehen, weiß auch Washington. US-Außenministerin Hillary Clinton gab selbst zu, dass das amerikanische Wirtschaftsembargo undicht sei und "lecke".

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23.02.2010 von Michael Schnarch:

Das Geschäft wird derzeit nicht realisiert. Weder steht die Finanzierung noch will Österreich Konflikte mit den USA. mehr...

23.02.2010 von thesprotios: USA neue Fronten für den Weltfrieden

Das szenario ist schon längst auf Papier gedruckt meine Damen und Herren mit einem Militär Schlag der USA is in den Kommenden Jahren zu rechnen deshalb beeilt sich Iran mit der anreicherung der gantze Prozess geht darauf hinaus.. [...] mehr...

23.02.2010 von guylux: Österreich

Aber , aber , Herr Schnarch , das ist doch Peanuts gegenüber dem Riesenprojekt Österreichs ( 22 Billionen Euro ) mit dem Iran zwecks Öl-und Gasförderung . mehr...

23.02.2010 von Michael Schnarch:

Wer auf dem Misthaufen der eigenen unsäglich furchtbaren Geschichte sitzt, sollte bei der Beurteilung der Geschichte anderer Völker weniger arrogant sein. mehr...

23.02.2010 von Ben Yona Franklin:

Obama hat es verstanden ; es gibt nur eine Alternative fuer seine Presidentschaft.... "The United States warned Iran on Tuesday that "time and patience is running out" with its nuclear program, saying Tehran had [...] mehr...

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Uran und Atomwaffen

Uran

Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.

Anreicherung

Einsatz in Atomwaffen


Irans Atomprogramm

Streit

AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

Geschichte

Sanktionen

Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung





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