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11.02.2010
 

Nein zu Swift

Deutsche Politiker loben Veto der EU-Parlamentarier

Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger: "Hohe Messlatte für den Datenschutz in Europa"Zur Großansicht
Getty Images

Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger: "Hohe Messlatte für den Datenschutz in Europa"

Das Europaparlament hat das Bankdatenabkommen mit den USA gekippt - Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger begrüßt die Entscheidung als "Sieg der Bürger". Washington reagiert verstimmt.

Straßburg/ Berlin - Mit dem deutlichen Nein zum Swift-Abkommen ist nach Ansicht von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Demokratie in ganz Europa gestärkt worden. Die FDP-Politikerin begrüßte das Votum des EU-Parlaments, mit dem die Weitergabe von Bankverbindungsdaten in die USA gestoppt wurde. Für Leutheusser-Schnarrenberger ist die Entscheidung vom Donnerstag ein Sieg für die Bürger in Europa, sie hätten "gewonnen".

Die Justizministerin hatte stets auf Mängel beim Datenschutz verwiesen. Sie betonte am Donnerstag, das Abkommen enthalte "erhebliche Lücken beim Datenschutz und den zugehörigen Rechtsschutzmöglichkeiten". Das Europaparlament setze nun eine "hohe Messlatte für den Datenschutz in Europa, auch für die Bundesregierung". Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach von einem guten Tag für die Grundrechte in Europa. "Sicherheit gewinnen wir nicht durch immer mehr Daten, sondern durch die intelligente Auswertung der relevanten Informationen."

Leutheusser-Schnarrenberger hatte sich im Gegensatz zu ihrem Kabinettskollegen, Innenminister Thomas de Maizière (CDU), früh gegen das Abkommen zur Weitergabe von europäischen Bankdaten an US-Geheimdienste gesträubt. De Maizière hätte die fragwürdige Vereinbarung mit einem deutschen Veto in Brüssel blockieren können, verzichtete aber darauf. Grünen-Chefin Claudia Roth sprach am Donnerstag denn auch von einer "schweren Niederlage für die schwarz-gelbe Bundesregierung", die es versäumt habe, ihr Veto einzulegen.

Nun stoppte das EU-Parlament das Abkommen vorerst. Mit 378 zu 196 Stimmen lehnten die Abgeordneten am Donnerstag die Vereinbarung ab. Der Entschluss erklärt das bereits seit 1. Februar geltende Interimsabkommen mit den USA für ungültig, das im vergangenen Jahr ausgehandelt worden war. Nach den Regeln des Lissabon-Vertrags war aber die Zustimmung der EU-Parlamentarier erforderlich.

Datenschutz stärken, Bedenken zerstreuen

Das Abkommen hätte US-Terrorfahndern Zugriff auf die Daten von Millionen Bürgern gegeben. Nach dem Veto müssen die Regierungen der 27 EU-Staaten nun eine neue Vereinbarung aushandeln. Parlamentspräsident Jerzy Buzek sagte, die Abgeordneten wollten mehr Garantien für die Wahrung der Bürgerrechte. Außerdem würden Menschenrechte im Namen der Sicherheit aufs Spiel gesetzt. Die EU-Parlamentarier forderten Kommission und Rat auf, die Ausarbeitung eines langfristigen Abkommens mit den USA einzuleiten.

Der stellvertretende Fraktionschef der Europäischen Volkspartei und CSU-Politiker Manfred Weber verwies darauf, dass die Kommission und der Ministerrat nun mit den USA in einer "selbstbewussten europäischen Position" verhandeln müssten. Die Europaabgeordnete der Linken, Cornelia Ernst, sprach von einer "klaren Absage an die Aufweichung europäischer Daten- und Rechtsschutzstandards".

Die EU-Kommission kündigte in einem Brief an Parlamentspräsident Buzek an, "in den kommenden Wochen" Leitlinien für die Verhandlungen über ein langfristiges Abkommen vorzuschlagen. Die Leitlinien würden "die Bedenken des Europäischen Parlaments und des Rats ansprechen" und die "größtmögliche Achtung von Privatsphäre und Datenschutz" gewährleisten.

Allerdings ließ die Brüsseler Behörde Zweifel daran durchblicken, ob die US-Regierung dazu bereit ist. "Ich hoffe, dass wir ein neues Abkommen mit ambitionierten Sicherheitsstandards für die Privatsphäre und den Datenschutz erreichen können", sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström in einer ersten Reaktion am Donnerstag in Brüssel. Man werde gemeinsam mit den USA den Handlungsspielraum ausloten.

USA "enttäuscht" über das Veto

Washington hat sich "enttäuscht" über das Veto des Europaparlaments zum Bankdatenabkommen geäußert. Dies sei ein "Rückschlag" für die Zusammenarbeit zwischen den USA und der EU im Kampf gegen den Terrorismus, stellte die US-Vertretung in Brüssel am Donnerstag fest. Vor der Abstimmung im Parlament hatten die USA gedroht, im Fall eines Neins die Gespräche auf der EU-Ebene abzubrechen und bilateral mit einzelnen Staaten zu verhandeln. Mit dem Aussetzen des Vertrags werde ein "wichtiges Anti-Terror-Programm" unterbrochen.

Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz (SPD), sieht nach dem Veto dagegen keine Sicherheitslücke. Ein multilaterales Rechtshilfeabkommen sehe bereits den Transfer von Bankdaten vor, wenn es einen "begründeten Terror-Verdacht" gebe. Dieses Abkommen gelte weltweit und damit auch für die USA.

Um die Bedenken des Europaparlaments zu zerstreuen, sagte EU-Justizkommissarin Viviane Reding zu, mit den USA auch über ein Abkommen zum Datenschutz zu sprechen. "Eine solche Vereinbarung wäre die andere Seite der Münze", sagte Reding.

kgp/dpa/AFP

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Die neuesten Beiträge:
10.03.2011 von frank_lloyd_right: und jetzt kontrollieren sie ja auch

die frankfurter boerse - die usas sind dabei, ihr imperium physisch zu verlieren, wollen es durch internetkontrolle (internet ohne usa ist ja icht moeglich - und das stoert scheints keinen) und finanzkontrolle behalten. [...] mehr...

10.03.2011 von JürgenWerner: Offenbar

sind Sie nicht mit der Sachlage vertraut. Es geht nicht um Zahlungen in die USA, da haben US-Behörden sicher auf manchem legalen und illegalen Weg, wen kratzt das da schon, Zugang. Es geht um Zahlngen innerhalb der EU, wenn [...] mehr...

10.03.2011 von distributer: Wire Transfer

ich hatte mir im Januar ein Laptop aus den USA bestellt (zwei Monate Wartezeit, weil Intel ihre Sandy Bridge Chips zurueckrief). Als ich die Ueberweisung gemacht hatte (meine Visa-Karte ist bei Paypal gebannt, weil ich meinen [...] mehr...

10.03.2011 von Bollerwuddn: War doch zu erwarten - oder ?

POlitiker sind Hauptteil der Probleme, nicht deren Lösung ! Ich bin mir da völlig sicher: Viele dieser Bankdaten werden zum ökonomischen Informationsvorsprung, zur Eigenbevorteilung missbraucht - im Namen einer [...] mehr...

10.03.2011 von rama-6: Datenschutz?

Deutschland gibt alle seine Daten über Auslandsrentner an die USA weiter! Rentennummer,Wohnanschrift,Bankverbindung und Höhe der Rente! Das ist eigentlich verboten nach § 35 des SGB I. Aber das kümmert weder die [...] mehr...

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Swift-Abkommen: Die wichtigsten Fragen

Um welche Daten geht es?

Bei den Plänen geht es um Daten, die der Finanzdienstleister Swift (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) mit Sitz in Belgien verwaltet. Swift wickelt täglich rund 15 Millionen Transaktionen zwischen mehr als 8300 Banken weltweit ab. Darunter sind auch Standardüberweisungen in der EU. Bankkunden kennen den Dienstleister von dem SWIFT/BIC-Code, der die internationale Bankleitzahl kennzeichnet. Seit Januar jedoch können die USA nicht mehr auf die Daten zugreifen, weil der Betreiber die Server in die Schweiz verlegt hat.

Wer ist im Visier der Fahnder?

Was können Bürger zum Schutz ihrer Daten tun?

Werden Bankdaten zum ersten Mal ausgespäht?

Was bringen die Bankdaten den Terrorfahndern?

Wie lange soll das Abkommen mit den USA gelten?

Die Kritik der Datenschützer an SWIFT

USA-Bezug fehlt

Die vorgesehene Weitergabe der Bankdaten aus Europa an die USA wäre ohne Beispiel. Denn, so Datenschützer Peter Schaar: "Die hier weitergegebenen Informationen haben ganz überwiegend keinen Bezug zu den USA. Es handelt sich nicht um Daten von US-Bürgern und auch nicht um Transaktionen in die oder aus den Vereinigten Staaten." Betroffen wären zum großen Teil rein innereuropäische oder sogar innerstaatliche Überweisungen.

Masse

US-Kontrolle über Daten

Keine unabhängige US-Kontrolle

Bisherige Rechtshilfe-Abkommen genügen






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