Mardscha/Laschkarga - Der Kampf um die Taliban-Hochburg Mardscha dauert bereits drei Tage - jetzt melden afghanische Truppen erste Erfolge: Die Bezirke Mardscha und Nad Ali in der Unruheprovinz Helmand habe man nahezu gänzlich unter Kontrolle, sagte der afghanische General Aminullah Patiani am Montag vor Journalisten. Die radikalislamischen Taliban hätten die Gegend verlassen. Es gebe jedoch weiterhin die Gefahr von versteckten Sprengsätzen. Patiani leitet auf afghanischer Seite den Einsatz der einheimischen und internationalen Truppen.
Erfolge bei der Operation "Muschtarak" ("Gemeinsam") melden auch die US-Militärs: "Wir machen stetig Fortschritte. Aber die Gegend strotzt vor Sprengfallen, so dass wir die Straßen systematisch absuchen und sichern müssen", sagte Marine-Hauptmann Abraham Sipe der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.
Sipe wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Aufständische bisher getötet oder gefangen wurden. Die Provinzregierung von Helmand sprach von zwölf toten Taliban-Kämpfern. Brigadegeneral Lawrence Nicholson von der US-Marineinfanterie erklärte, es könne noch einige Wochen dauern, bis die Truppen die 80.000-Einwohner-Stadt völlig unter Kontrolle hätten. Größere Gefechte erwarte er aber nicht.
Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmad erklärte dagegen, die Koalitionstruppen hätten keine Gebiete in der Region Mardscha von den Aufständischen eingenommen.
"Sie haben keine Chance"
An der Operation "Muschtarak" sind rund 15.000 Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf beteiligt, darunter 4400 aus Afghanistan. Ziel der größten Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor neun Jahren ist es, die Aufständischen aus der Region Mardscha, einem der größten Opium-Anbaugebiete der Welt, zu vertreiben. Der Bezirk stand jahrelang unter der Kontrolle von Taliban und Drogenhändlern, die dort gemeinsame Sache machten. Opium gehört zu den Haupteinnahmequellen der Aufständischen.
Angesichts der Erfolgsmeldungen hat die afghanische Regierung die Taliban erneut zu einem Ende der Gewalt aufgefordert. "Sie sollten das afghanische Friedens- und Versöhnungsprogramm nutzen", sagte Innenminister Mohammad Hanif Atmar am Montag in der Provinzhauptstadt Laschkarga. "Sie haben keine Chance, hier zu gewinnen." Sollten die Taliban sich zu einer Teilnahme an dem Versöhnungsprogramm entschließen, "werden wir definitiv positiv reagieren".
Isaf-Truppen unter Beschuss
Während die Militärs erste Erfolge präsentieren, berichten US-Zeitungen und Agenturen über Probleme der Schutztruppe. Amerikanische und afghanische Soldaten sind laut der Nachrichtenagentur DAPD am Montag tiefer in die Stadt Mardscha eingedrungen und haben Häuser und Straßen nach Aufständischen durchsucht. Immer wieder wurden sie dabei von Heckenschützen beschossen. An mehreren Orten gab es Feuergefechte. Im Norden wurde eine Kolonne mit gepanzerten Fahrzeugen von mindestens drei verschiedenen Gruppen beschossen.
Bereits am Sonntag hatten US-Zeitungen von großen Schwierigkeiten der Isaf-Truppen berichtet: Die starke Gegenwehr der Taliban hätte US-Marineinfanteristen dazu gezwungen, nur sehr vorsichtig vorzurücken, berichtete die "Washington Post". Manchmal habe es Stunden gedauert, um einige hundert Meter weiterzukommen. Die "New York Times" schrieb von heftigen Kämpfen in der Gegend um Mardscha.
Isaf setzt nach Tod von Zivilisten Raketenwerfer aus
Nach dem Tod von zwölf Zivilisten bei der Großoffensive setzt die Internationale Schutztruppe Isaf die Nutzung des betroffenen Raketenwerfers aus. Bis zur Klärung des Vorfalls werde das HIMARS-System nicht mehr verwendet, teilte die Isaf am Montag mit. Am Sonntag hatten zwei Raketen Stellungen der Taliban um mehrere hundert Meter verfehlt und stattdessen ein Haus mit Zivilisten getroffen. Mindestens zwölf Unbeteiligte wurden getötet.
Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal entschuldigte sich bei Präsident Hamid Karzai für den Vorfall. Karzai hatte die Truppen zu Beginn der Operation "Muschtarak" dazu aufgefordert, die Zivilbevölkerung zu schützen. Auch die Vereinten Nationen hatten einen entsprechenden Appell an die Konfliktparteien gerichtet.
US-Außenministerin Hillary Clinton hat dem Land am Hindukusch unterdessen langfristige Unterstützung zugesagt. "Die USA werden Afghanistan nicht im Stich lassen", sagte Clinton am Sonntag beim "US-Islamic World Forum" in Doha. Auch nach dem Abzug der US-Truppen werde Washington mit einer "zivilen Präsenz" eine "langfristige Partnerschaft" mit Kabul sichern. Zugleich machte Clinton deutlich, dass die USA kein Interesse daran hätten, Afghanistan zu "besetzen".
anr/AFP/Reuters/dpa/apn
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