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17.02.2010
 

Mord an Hamas-Funktionär

Killervideo bringt Israels Geheimdienst in Bedrängnis

Von Matthias Gebauer

Foto: DPA/ Dubai Police

Die Täter trugen Tennisschläger, nutzten europäische Pässe - und wurden während ihrer Mission gefilmt: Immer neue Details der Kommandoaktion in Dubai belasten den Mossad. Die mutmaßliche Ermordung eines wichtigen Hamas-Funktionärs droht zum Debakel für den israelischen Geheimdienst zu werden.

Berlin - Der Mossad gerät nach der Ermordung eines hochrangigen Hamas-Funktionärs in Dubai massiv in die Kritik. In israelischen Medien wird wegen der Aktion am 20. Januar bereits der Rücktritt des Chefs des weltweit berüchtigten Geheimdienstes gefordert. Doch der Mossad wird nicht wegen des mutmaßlichen Mords an Mahmud Abdel Rauf al-Mabhuh kritisiert. Es wird nur angeprangert, dass das Killerkommando nicht sorgfältig genug seine Spuren verwischte.

Die Kritik in den Zeitungen, die wegen der strengen Militärzensur in Israel nur eingeschränkt über den spektakulären Fall berichten können, ist heftig. Die Zeitung "Haaretz" forderte auf der Titelseite den Rücktritt von Mossad-Chef Meir. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird massiv kritisiert, weil er Dagans Amtszeit trotz expliziter Warnungen verlängert habe. Offiziell äußert sich die Regierung Israels nicht zu Aktionen des Mossad, der in der Vergangenheit bereits mehrere palästinensische Aktivisten der Hamas und der libanesischen Hisbollah ermordet haben soll - Außenminister Avigdor Lieberman sagte zu der Sache nur, Beweise für eine Beteiligung des Landes gebe es nicht. Er verwies auf die Politik der Zweideutigkeit, die jede Regierung seit Gründung Israels in Sicherheitsfragen vertritt: "Es gibt keinen Grund, warum der Mossad dahinterstecken sollte und kein anderer Geheimdienst oder ein Land, welches Schaden anrichten will."

Hintergrund der peinlichen Affäre für den Geheimdienst sind die Ermittlungen zum Mord an Hamas-Funktionär Mabhuh. Dieser war nach israelischen Erkenntnissen auf einer Reise zur Beschaffung von Waffen, die später gegen Israel eingesetzt werden sollten. In Dubai wurde er am 20. Januar in seinem Hotelzimmer unter mysteriösen Umständen getötet. Am Montag teilte die Polizei in Dubai mit, dass sie elf Personen mit europäischen Pässen als Täter verdächtige.


Die Ermittlungsdetails sind erstaunlich. So präsentierte der Polizeichef von Dubai Bilder von Überwachungskameras, die das Killerkommando bei der Einreise zeigen sollen. Die mutmaßlichen Mossad-Agenten reisten teilweise mit Perücken und Sonnenbrillen getarnt mit verschiedenen Maschinen in Dubai an. Sie checkten den Ermittlungen zufolge in unterschiedliche Hotels ein und trafen sich am Tag des Mords im Hotel des Opfers. Dort wurden sie vor und nach der Tat gefilmt. Ihre mutmaßliche Tarnung als Touristen mit Tennisschlägern unter dem Arm wirkt auf den Bildern der Polizei wie in einem schlechten Agenten-Thriller.

Dass der Mossad sich bei einer mutmaßlichen Kommandoaktion filmen lässt, dürfte für Israel zu einer diplomatischen Belastungsprobe werden. Denn alle mutmaßlichen Todesagenten sollen europäische Pässe zur Einreise genutzt haben, darunter auch einen deutschen Reiseausweis. Schmallippig heißt es dazu offiziell aus deutschen Behörden unisono, man habe "keine eigenen Erkenntnisse" zu dem Fall. Intern wurde allerdings sehr schnell geklärt, dass es den Deutschen Passinhaber Michael Bodenheimer, geboren im Jahr 1967, schlicht nicht gibt. Die Behörden sind sich mittlerweile sicher, dass der Mossad die Identität des Deutschen nur als Tarnung benutzte.

Die Geheimhaltung der Agenten lief offenbar nach einem eingespielten Mossad-Muster ab. So nutzte der Dienst hauptsächlich die Namen und teilweise auch die Geburtsdaten von nach Israel eingewanderten Europäern als Tarnidentitäten für seine Agenten. Mindestens acht der echten Personen hinter den Namen haben israelische Medien bereits aufgespürt. Alle sind empört - nicht über den eiskalten Mord des Geheimdienstes, sondern über den Missbrauch ihrer Personalien durch den Mossad. Manche sorgen sich, dass sie nun bei Auslandsreisen Probleme bekommen könnten.

"Das ist mein Pass"

Das Hantieren mit gefälschten Pässen und Identitäten von unbescholtenen Ausländern erinnert an einen anderen Fehlschlag des Mossad. In Jordanien versuchte ein Mossad-Team 1997, den Hamas-Führer Khaled Maschal zu ermorden. Die Operation endete im Fiasko: Die Agenten scheiterten nicht nur bei ihrem Mordkomplott. Auch die Beziehungen zum Nachbarland wurden fast bis zum Bruch strapaziert. Kanada zog wegen der erneuten Benutzung von gefälschten kanadischen Pässen durch den Mossad sogar kurzzeitig seinen Botschafter ab.

Im jetzigen Fall reagierte als erstes das britische Außenministerium mit einer ähnlichen Maßnahme. Es bestellte den israelischen Botschafter ein, und Premier Gordon Brown kündigte eine vollständige Untersuchung der Sache an.

Die echten Passinhaber jedenfalls sind entrüstet. "Das ist mein Pass, aber ich habe Israel nicht verlassen", sagte der Israeli Paul Kelly, der auch die britische Staatsangehörigkeit hat. Kelly kündigte an, die britischen Konsularbehörden einzuschalten. Der ebenfalls betroffene Stephen Daniel Hodes sagte, er fürchte um sein Leben, wenn er künftig ins Ausland reise. Daher werde er einen Anwalt einschalten, um Klage gegen die Verantwortlichen zu erheben. Alle Betroffenen werden seit Montag von Kamerateams und Reportern belagert.

Dass die betroffenen Staaten - Großbritannien, Irland, Frankreich und Deutschland - die israelische Regierung wegen der mutmaßlichen dreisten Benutzung der fremden Reisepässe zur Verantwortung ziehen werden, ist unwahrscheinlich. Die Briten verlangten zwar Aufklärung, doch einen Streit mit Israel und erst recht mit dessen Geheimdienst will in der Regel niemand. Der Mossad könnte die Pässe zudem womöglich auf einem halboffiziellen Weg von den Diensten der europäischen Länder bekommen haben, jeder westliche Geheimdienst kooperiert mit den Israelis.

Für Israel wird die Geschichte ein langes Nachspiel haben. Skandale wie dieser werden meist von einer Kommission der Regierung penibel untersucht. Selbst in einem Land wie Israel, in dem gezielte Tötungen von Israels Feinden durch den Mossad überall auf der Welt als Normalität akzeptiert werden, sorgen Enthüllungen über die Mordmissionen trotzdem für Schlagzeilen. Die Fehlschläge gelten als peinliche Patzer des eingebildeten Dienstes. Außenminister Lieberman wünschte sich deshalb schonmal, der Mossad solle weiter mit einer "Politik der Unklarheit" behandelt werden.

Für den hehren Wunsch nach einem nebeligen Graubereich für den Mossad sind die Bilder der Überwachungskameras aus Dubai allerdings viel zu scharf.

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insgesamt 144 Beiträge zum Forum...
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18.02.2010 von ein schelm ...: Titel

Aber nur unter der Prämisse dass man sich nicht erwischen lassen will! mehr...

18.02.2010 von no reason for a name: naja

Es sind zwar Mossad-Methoden, alles Hollywood reif, aber das mit den Pässen kann der Mossad doch nicht gewesen sein. Zu unprofessionell. Vielmehr scheint mir, dass jemand Israel gern ins Bedrängnis bringen will. mehr...

18.02.2010 von medienquadrat: ...

Da müssen Sie aber gar nicht so tief in die Antisemitismuskiste greifen. Jeder Geheimdienst dieser Welt bedient sich Methoden, die genau dem entsprechen, wie sie nun einmal heißen, wie sie sich benennen, [...] mehr...

18.02.2010 von no reason for a name: Wieder nur Spekulationen

wo sind aber die Beweise, dass es der Mossad war? Gerade weil es mit den Pässen nicht prof. gehandelt worden ist, schließe ich den Mossad völlig aus. In dem letzten Hamas-Fatah-Krieg starben über 250 Hamas-Aktivisten.Der getötete [...] mehr...

18.02.2010 von freqnasty: ....

yep, und daß die haaretz in dem zusammenhang den rücktritt des mossad-chefs gefordert hat, und der isrealische botschafter von den briten einbestellt wurde, bekommen sie bestimmt auch noch irgendwie in ihr konstrukt verwurstet [...] mehr...

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Die Hamas

Name: Abkürzung für "Harakat al-Mukawma al-Islamija", "Islamische Widerstandsbewegung"

Gründung: 1987 im Zuge der ersten Intifada durch Scheich Ahmed Jassin (getötet von israelischen Sicherheitskräften im März 2004)

Wurzeln: Entstanden aus dem palästinensischen Zweig der Muslimbruderschaft

Ziel: Errichtung eines islamischen Gottesstaates Palästina - die Charta von 1988 proklamiert die Vernichtung Israels

Einfluss: Größte islamische Bewegung im Gaza-Streifen

Selbstverständnis: Gemeinnützige religiöse Organisation mit vielfältigen sozialen Einrichtungen; bewaffnete Widerstandsbewegung mit zahlreichen Selbstmordattentaten und Raketenangriffe gegen Israel; seit einiger Zeit auch politische Partei mit Parlamentsmehrheit nach der Wahl 2006

Militärischer Arm: Kassam-Brigaden mit Hunderten Mitgliedern; 2006 gründete die Hamas außerdem eine 3000 Mann starke Polizeitruppe in Konkurrenz zu den Fatah-dominierten Sicherheitskräften

Internationale Anerkennung: EU, Israel und die USA stufen die Hamas als terroristische Organisation ein

Politische Entwicklung: Gewinn der absoluten Mehrheit bei der Parlamentswahl im Januar 2006; Bildung einer Einheitsregierung mit der Fatah im März 2007. Diese scheitert Wochen später






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