Am 5. August 2009 - im 16. Anlauf - gelang es, Baitullah Mehsud zu töten.
An jenem Tag schwebte eine Drohne vom Typ Predator gut drei Kilometer über dem Haus von Mehsuds Schwiegervater in der pakistanischen Provinz Südwaziristan. Ihre Infrarotkamera sandte in Echtzeit gestochen scharfe Bilder an die CIA-Zentrale in Langley im US-Bundesstaat Virginia. Der Top-Talib saß auf dem Dach des Hauses. Seine Ehefrau, sein Onkel und ein Arzt leisteten ihm Gesellschaft.
In diesem Moment wurde Tausende Kilometer entfernt, in den USA, ein Auslöser betätigt. Zwei Hellfire-Raketen schossen aus der Drohne - und trafen ihr Ziel. Am Ende waren Baitullah Mehsud und elf weitere Menschen tot.
Dass dieser Vorgang so gut dokumentiert ist, ist das Verdienst des US-Magazins "New Yorker", das den Angriff genau nachzeichnete. Doch die Jagd auf Mehsud kostete weit mehr als elf Menschen das Leben: Insgesamt, so die Schätzungen, starben bei den 16 Angriffsversuchen zwischen 207 und 321 Personen - und nicht alle waren Taliban, das ist gewiss.
Obama, Friedensfürst und Drohnenkönig
Wie viel also ist es wert, einen Terroristen ein für alle Mal auszuschalten? Klar ist: Die USA haben den Drohnen-Krieg (siehe Fotostrecke unten) in den vergangenen Jahren dramatisch ausgeweitet. Die Eskalation begann noch unter US-Präsident George W. Bush. Doch sein Nachfolger, der Friedensnobelpreisträger Barack Obama, übernahm das Programm nicht nur - er erhob es zur bevorzugten Methode, al-Qaida und Co. zu bekämpfen.
Tatsächlich kann das CIA-Programm einige Erfolge für sich verbuchen:
Die Liste ließe sich fortsetzen (siehe Fotostrecke unten). Nur noch 50 wirklich entscheidende Qaida-Kader seien am Leben, wird vermutet. Die Drohnen gelten als effektivste Waffe gegen sie.
Die Drohnen der CIA haben dem "Global War on Terror" im Wortsinn Flügel verliehen.
Ist es nachhaltig, Terroristen zu töten?
Doch der Drohnen-Krieg schafft neue Probleme: Darf ein demokratischer Rechtsstaat per Mausklick töten? Wer kontrolliert die CIA-Agenten und die privaten Unternehmen, an die ein Teil der schmutzigen Arbeit vergeben wird? Mit welchem Mandat werden die Todeslisten erstellt, auf denen sich mittlerweile 367 Namen von Terroristen befinden sollen - und zusätzlich die von rund 50 afghanischen Drogenlords, die offenbar ebenfalls zum Abschuss freigegeben sind?
Die Kritik am US-Präsidenten wächst: Obama, der Friedensfürst? Der linke Flügel der Demokraten sieht das längst anders. Juristen und Menschenrechtler ebenfalls. Niemand kann außerdem präzise sagen, wie viele Zivilisten bei den Attacken neben den Terroristen sterben. Oder auch an Stelle der Zielpersonen, wenn diese ihren Aufenthaltsort gewechselt haben.
Die Schätzungen darüber, wie hoch der Anteil ziviler Opfer bei den Angriffen ist, gehen weit auseinander: Von zehn Prozent bis 90 Prozent reichen die Angaben. Peter Bergen, Analyst der New America Foundation, taxiert den Anteil auf etwa ein Drittel. Aber ist das akzeptabel? Bergens unbefriedigendes Fazit lautet: Das Drohnen-Programm sei die "die am wenigsten schlechte Option" der USA.
Die Option ist auch deshalb problematisch, weil sie einen hohen politischen Preis fordert. Die USA zwingen die Regierung Pakistans zu einem Drahtseilakt. Heimlich der CIA helfen, öffentlich die Amerikaner kritisieren - dieser Spagat wird immer unglaubwürdiger. Und die Terroristen tun alles dafür, Islamabad weiter in Misskredit zu bringen.
Und schließlich: Wie nachhaltig ist es überhaupt, Terroristen zu ermorden? Sind sie tot, kommt man nicht mehr an ihre Informationen. Sie werden bald ersetzt. Die Nachfolger sind nicht zwangsläufig weniger erfahren, kompromissbereiter oder einfacher zu finden.
Krieg der schnellen Erfolge
Vor knapp acht Jahren, im Jahr 2002, töteten die USA das erste Mal einen Terroristen mit Hilfe einer Drohne: Ali Kaid Sinjan al-Harithi, genannt Abu Ali, ein Qaida-Mann, wurde im Jemen bombardiert. Mit ihm starben fünf terrorverdächtige Gefährten.
Was damals eine Sensation war, ist mittlerweile Alltag. Das CIA-Drohnen-Programm ist eine feste Größe geworden neben jenem, das die US-Armee schon seit Jahren etwa im Irak oder in Afghanistan betreibt, allerdings vornehmlich zu Aufklärungszwecken. Barack Obama scheint fest entschlossen, dieses Mittel weiter zu nutzen. Er ist im Übrigen nicht allein: Auch die Briten nutzen in Afghanistan Drohnen, und selbst die Bundeswehr verlässt sich auf die Dienste der US-Drohnen-Piloten.
Was sich derzeit beobachten lässt, ist die massive Ausweitung einer neuen Methode der Kriegsführung unter Führung der USA. Es ist ein Krieg der schnellen Erfolge und der Entscheidungen im Halbdunkel. Ein Krieg, der scheinbar sauber ist und doch auf staatlich angeordneten Mord hinausläuft. Von dem es kaum Bilder gibt, der aber in den kommenden Jahren mit Gewissheit noch weiter eskalieren dürfte.
SPIEGEL-ONLINE-Reporter und -Korrespondenten haben die neue Kriegsstrategie der USA in vier Ländern recherchiert und dokumentiert: in den USA, Pakistan und Afghanistan und von Deutschland aus. Lesen Sie im Dossier die Hintergründe und Fakten über Obamas Drohnen-Feldzug gegen den Terror:
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Ich teile Ihre Sichtweise. Allerdings ist es eine Frage des Standpunktes und der Macht: was für den einen ein Terrorist ist, ist für den anderen ein Freiheitskämpfer. Terror als Kriegstaktik ist meist ein Ausdruck des [...] mehr...
Das sehe ich differenziert. Ein Bündnisfall liegt vor, wenn ein Natopartner von einem Staat angegriffen wird. Dies ist nicht passiert. Sie sagen es, es war eine militante Gruppe, die überstaatlich agiert. Es handelt sich [...] mehr...
Drohnen sind Kriegswaffen, daher ist der Mordvorwurf erst einmal unangebracht. Eine Drohne ist eine Weiterentwicklung der Distanzwaffe. Die moralisch ethischen Implikationen von Distanzwaffen wurden längst beantwortet. Eine [...] mehr...
Hier möchte ich noch einen Schritt weiter gehen. Jemand, der mordet, ist in jedem Fall ein Mörder. In dubio pro reo. Die Tatsache, ob jemand ein Terrorist ist, gehört m.E. in das Strafrecht, nicht in das Kriegsrecht. Somit [...] mehr...
Woher nehmen Sie die Behauptung, es wären "in den USA ausgebildeten Terroristen" gewesen? So viel bekannt ist, fanden die Vorbereitungen dieser Terroristen u.a. in Deutschland statt. Und der Bündnispartner wurde [...] mehr...
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