Hamburg, Jerusalem - Im Fall des in Dubai getöteten Hamas-Führers Mahmud al-Mabhuh ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen jetzt auch wegen des Verdachts auf Mord. Zudem ermittelt auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Der Bundesnachrichtendienst vermutet den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem tödlichen Attentat.
Einer der mutmaßlichen Agenten beantragte unter dem Namen Michael Bodenheimer im Frühjahr 2009 einen deutschen Pass beim Bundesverwaltungsamt in Köln. Er berief sich auf die Verfolgung seiner Eltern in der Nazi-Zeit.
Den Einbürgerungsantrag ließ Bodenheimer nach SPIEGEL-Informationen über eine deutsche Rechtsanwaltskanzlei stellen. Bodenheimer benutzte den Pass demnach bereits am 8. November 2009, als er schon einmal von Frankfurt am Main nach Dubai flog. Die deutschen Ermittler vermuten, dass es sich dabei entweder um einen Probelauf handelte oder um einen fehlgeschlagenen Versuch, den Hamas-Führer zu töten.
Israel macht den am 20. Januar tot in einem Hotel in Dubai aufgefundenen Mabhuh für die Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten Palästinenseraufstands Intifada (1987-1993) verantwortlich. Die Hamas sieht nach den Enthüllungen von Dubai offenbar wenig Veranlassung für eine Freilassung des von ihr verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Der Führer der Hamas im Gaza-Streifen, Mahmud al-Sahar, erklärte im SPIEGEL-Interview die Verhandlungen für gescheitert. "Ich stehe als Unterhändler nicht mehr zur Verfügung", sagte Sahar.
Britischer Sonderermittler in Israel
Doch nicht nur die deutschen Behörden untersuchen den Fall. Ein Sonderermittler aus dem Vereinigten Königreich ist am Samstag nach Israel geflogen. Ein Sprecher der britischen Botschaft in Jerusalem sagte, der Ermittler wolle mit den in Israel lebenden Briten sprechen, deren Identitäten für das Attentat auf Mahmud al-Mabhuh gestohlen wurden. Nach Erkenntnissen der Polizei in Dubai benutzten die Täter nachgemachte Pässe real existierender Personen. Darunter sollen mindestens sechs Israelis britischer Herkunft sein, die die Staatsbürgerschaften beider Länder besitzen.
Der Polizeichef von Dubai hat unterdessen eine klare Stellungnahme des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad gefordert. Mossad-Chef Meir Dagan müsse die Verantwortung für das Verbrechen übernehmen oder eine Beteiligung eindeutig bestreiten, sagte Dahi Chalfan der Zeitung "Emarat El Jum".
Fest stehe, dass sich die meisten mutmaßlichen Täter in Israel aufhielten, sagte Polizeichef Chalfan "El Chaleesch", einer anderen Zeitung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sollte die Täterschaft des Mossad bewiesen werden, stünden dessen Chef sowie der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ganz oben auf der Liste der mit internationalen Haftbefehlen gesuchten Personen, fügte er hinzu. Die Polizei in Dubai plane die Einrichtung einer Sonderkommission "im Kampf gegen den Mossad".
Derzeit fahnden die Ermittler in Dubai nach 26 Verdächtigen, die mit Pässen westlicher Staaten in das Emirat eingereist sein sollen. Laut Chalfan verfügt die Polizei über DNA-Spuren und Fingerabdrücke von Verdächtigen. Die Affäre um die Verwendung westlicher Pässe, darunter auch ein deutscher, hat weltweit für Aufsehen gesorgt.
otr/AFP/apn
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