ThemaRadovan KaradzicRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
01.03.2010
 

Prozess in Den Haag

Karadzic macht bosnische Muslime für Krieg verantwortlich

Radovan Karadzic hat sich erstmals vor dem Uno-Tribunal geäußert: Der wegen Völkermordes angeklagte ehemalige Serbenführer gab den bosnischen Muslimen die Schuld am Balkankrieg und am Tod Zehntausender Menschen. Auch Deutschland sei verantwortlich für den Konflikt.

Den Haag - Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat die Rolle der Serben im Bosnienkonflikt vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als Selbstverteidigung dargestellt - und den bosnischen Muslimen die Schuld für den Krieg gegeben: "Es gab niemals die Absicht, die Idee oder noch weniger einen Plan, um die Muslime und Kroaten zu vertreiben", sagte Karadzic am Montag bei der Wiederaufnahme des Prozesses. Bei dem Krieg sei es einzig um den Schutz "unserer Köpfe, unseres Eigentums und unserer Gebiete" gegangen. Die bosnischen Serben hätten "500 Jahre gelitten".

Die bosnischen Muslime "wollten 100 Prozent Kontrolle über Bosnien und das war die Hauptursache des Konflikts", sagte Karadzic. Muslimführer hätten die Serben in Bosnien-Herzegowina provoziert und zu deren Ermordung aufgerufen. Angesichts dessen hätten die Westmächte und auch der US-Sonderbeauftragte für den Balkan, Richard Holbrooke, versagt. Mehreren westlichen Staaten, darunter Deutschland und den USA, wies Karadzic eine Mitschuld an den Bürgerkriegen auf dem Balkan zu. Der Angeklagte äußerte sich nach monatelangen Verzögerungen seines Prozesses erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

Karadzic ist vor dem Uno-Tribunal wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in elf Fällen angeklagt. Er soll einer der Hauptverantwortlichen für den gewaltsamen Tod Zehntausender und für die Vertreibung von etwa zwei Millionen Menschen während des Bosnienkrieges sein. Vor allem wird ihm das Massaker an etwa 8000 Muslimen in der Uno-Schutzzone Srebrenica 1995 zur Last gelegt.

"Ich werde unsere Nation und ihre gerechte und heilige Sache verteidigen"

Neben vielen anderen westlichen Politikern habe damals auch US-Außenminister James Baker öffentlich eingeräumt, dass Bürgerkriege in Jugoslawien kaum vermeidbar seien, sagte Karadzic am Montag. Dieser Situation hätten sich die bosnischen Serben im Interesse ihrer eigenen Verteidigung stellen müssen, erklärte der frühere Präsident der bosnischen Serbenrepublik.

Als folgenschwer habe sich in diesem Zusammenhang die maßgeblich von Deutschland unterstützte "voreilige" Anerkennung der einst zu Jugoslawien gehörenden Teilrepubliken Slowenien, Kroatien und Bosnien erwiesen. Das habe unter anderem der damalige niederländische Ministerpräsident Ruud Lubbers öffentlich eingeräumt. Einer der Beweggründe für Deutschland sei gewesen, dass es im Zweiten Weltkrieg mit den Kroaten verbündet war, behauptete Karadzic.

Zum Verhandlungsauftakt verkündete der ehemalige bosnische Serbenführer: "Ich werde unsere Nation und ihre gerechte und heilige Sache verteidigen", sagte der 64-Jährige, der auf nicht schuldig plädiert. "Auf diese Weise werde ich im Stande sein, mich ebenfalls zu verteidigen."

Festnahme nach 13 Jahren

Karadzic war im Juli 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad gefasst worden. Den Beginn seines Prozesses im vergangenen Oktober hatte er boykottiert und dies unter anderem damit begründet, dass ihm nicht genug Zeit für das Aktenstudium gegeben worden sei. Karadzic wollte sich ursprünglich selbst verteidigen. Wegen des Boykotts entschied das Tribunal Anfang November, den Briten Richard Harvey zum Pflichtverteidiger zu berufen. Dagegen legte Karadzic vergeblich Widerspruch ein.

Staatsanwalt Alan Tieger hatte Karadzic bei der Eröffnung des Prozesses im Oktober vergangenen Jahres vorgeworfen, er habe "die Kräfte des Nationalismus, des Hasses und der Angst zielgerichtet eingesetzt, um seine Vision eines ethnisch geteilten Bosnien zu verwirklichen".

anr/dpa/AFP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 910 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.03.2010 von spontanous:

Sie sollten nicht immer ablenken. Karadzic steht vor Gericht und sofern ihm die Schuld nachgewiesen werden kann, wird er verurteilt werden. Dies kann man von Thaci & Co. nicht behaupten. Also: wie stehen Sie dazu? Und [...] mehr...

12.03.2010 von spontanous:

Nein, tut es nicht. Es soll aufzeigen, dass die einen (Karadzic & Co.) vor Gericht stehen und Leute wie Thaci, die ebenso das Blut tausender Unschuldiger an den Händen kleben haben, dürfen Staatsmänner spielen. Diese Leute [...] mehr...

12.03.2010 von sysiphus: konkreter

Solche Pauschalaburteilungen sind wenig hilfreich. In welchen Punkten hat der Forist maskeu denn nun konkret Unrecht, wo verdreht er denn die Geschichte? Eine Meinung ersetzt kein Wissen. mehr...

10.03.2010 von semir:

Ich habe nur behauptet das Thaci rein der Ablenkung von der Verantwortung Karadzics dient. Auch hier das gleiche Ablenkungsspiel.Arkan & Co? Was solls.Vuk Draskovic wurde von der EU zur großen Hoffnung erklärt [...] mehr...

10.03.2010 von ddorfer:

Sie sind in diesem Forum Geschichtsverdreher NR.1.Herzlichen Glückwunsch. Ich frage mich immer wieder wie Ihre Beiträge durchkommen können. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Radovan Karadzic

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien

Völkermord

DPA
Völkermord ist der Rechtsbegriff für das schlimmste denkbare Verbrechen - Handlungen mit dem Ziel, ein Volk, eine Ethnie oder auch eine Glaubensgemeinschaft zu vernichten. Das Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden, wird von internationalen Strafrechtlern als ein solches Verbrechen eingestuft. Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gilt zusammen mit seinem noch flüchtigen einstigen Militärchef Ratko Mladic als Hauptverantwortlicher für das Massaker.

Die Definition

Die Straftatbestände

Verurteilungen

Das Tribunal

Die Anklage gegen Karadzic

Die Gesuchten


Die Anklage gegen Karadzic

Völkermord

40 Seiten umfasst die Anklageschrift gegen Karadzic, hinzu kommen rund 1,2 Millionen Seiten mit Dokumenten zur Beweisführung. Karadzic droht lebenslange Haft. Er soll gemeinsam mit anderen Tätern in zwei großen Fällen Völkermord an Teilen der muslimischen sowie der kroatischen Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina geplant und befohlen haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, zu derartigen Verbrechen angestiftet und sie begünstigt zu haben. Ziel sei es gewesen, bosnische Muslime und Kroaten zu vernichten oder für immer aus Gebieten zu vertreiben, die die bosnischen Serben beanspruchten.

Die Staatsanwaltschaft fasst zum einen zahlreiche Orte zusammen, in denen Völkermord verübt worden sei. Darüber hinaus lastet sie Karadzic eines der grausamsten Verbrechen des Bosnienkrieges an: Er soll das Massaker an bis zu 8000 muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica im Juli 1995 geplant und angeordnet haben.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Kriegsverbrechen





TOP



TOP