Teheran - Die Tageszeitung "Etemad" wurde wegen "wiederholter Verstöße" bis auf weiteres geschlossen. Das meldete die Nachrichtenagentur Isna am Montag, ohne die gegen das Blatt erhobenen Vorwürfe zu benennen. Mit dem Fall beschäftige sich nun die Justiz, hieß es lediglich. Die vor acht Jahren gegründete Zeitung war eines der wenigen Reformblätter, die nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni vergangenen Jahres nicht geschlossen wurde.
Ebenfalls verboten wurde am Montag die Wochenzeitung "Iran Docht", die der Familie von Oppositionsführer Mehdi Karubi gehört. Sie habe "Vorschriften des Presserechts" nicht erfüllt, meldete Isna. Seit den Straßenprotesten gegen die Wiederwahl Ahmadinedschads sind noch Dutzende Journalisten im Gefängnis.
Im August hatten die Behörden auch Karubis Zeitung "Etemad-i-Melli" geschlossen. Websites der moderaten Kräfte in Iran hatten die Zahl der in Haft sitzenden Journalisten Anfang Februar mit mindestens 55 angegeben. Darunter war auch der stellvertretende Chefredakteur von "Iran Docht". Am Montag berichteten Medien, dass sechs Pressevertreter gegen Kaution aus dem Teheraner Ewin-Gefängnis freigelassen worden seien.
Die Opposition unter Hossein Mussawi und Karubi hatte der Führung in Teheran Wahlfälschung zugunsten des Ultrakonservativen Ahmadinedschad vorgeworfen. Seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni sind auch die ausländischen Medien von der direkten Berichterstattung, etwa über Proteste der Opposition, ausgeschlossen.
Neue Generation von Bomben
Am Montag kündigte Iran an, in Kürze mit Tests einer neuen Generation von selbststeuernden Bomben zu beginnen. Die Kassed-2 habe eine höhere Reichweite, eine bessere Zielgenauigkeit und eine größere Sprengkraft als die Vorgängerversion, sagte Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hassan Schahsafi der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars.
Iran rüstet seine Streitkräfte seit Jahren mit neuen Raketen und anderen Waffen auf und begründet dies mit der US-Militärpräsenz in den Nachbarländern Irak und Afghanistan. Das Land, das wegen seines Atomprogramms international in der Kritik steht, hat aber auch wiederholt Drohungen gegen Israel ausgesprochen. Am Sonntag hatte ein hochrangiger Vertreter der Revolutionswächter zudem gedroht, Iran könne jedes beliebige Ziel treffen.
ler/AFP/apn
Auf anderen Social Networks posten:
Dieser "Gottesstaat" ist wirklich ein großes Übel. Er geht gegen Andersdenkende und demokratisch gesinnte Kräfte rigoros und brutal vor und bedroht sie mit der Todesstrafe. Und das alles im Namen der höchsten Instanz, [...] mehr...
Noch immer rätselt der geneigte Beobachter sei es nun bei der Lektüre der Zeitung oder beim Betrachten der Mattscheibe, ob es im Lande Persien nur eine herbei geredete Medienkrise oder eine echte politische Krise gibt: Sind diese [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Iran | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH