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07.03.2010
 

Hungerstreiks in Kuba

Kampf der Kerkeropfer

Von Katharina Peters

Kuba: Tod eines Dissidenten
Fotos
REUTERS

Kubas Opposition begehrt auf. Nach dem Hungertod eines Gefangenen verweigern weitere Dissidenten die Nahrung, die Wut im Volk wächst. Die kommunistische Führung reagiert mit Härte - und setzt sogar die zaghafte Annäherung an EU und USA aufs Spiel.

Hamburg - Ein Wasserhahn tropft, im Hintergrund dröhnen Fernsehstimmen. Guillermo Fariñas spricht vom Tod. Er sitzt in einem halbdunklen Raum vor einer wackeligen Kamera. Fariñas ist geschwächt vom Hungerstreik, er trinkt nicht, er isst nicht. Er setzt sich für die vielen politischen Gefangenen in Kubas Kerkern ein, sagt er. Die Welt solle wahrnehmen, wie grausam seine Regierung sei.

Wenige Tage später wird Fariñas in ein Krankenhaus in Santa Clara eingeliefert, er ist in Ohnmacht gefallen, kann nicht mehr sprechen. Hier in Santa Clara liegt Ché Guevara in einem Mausoleum begraben. "Hasta La Victoria Siempre", frohlockt eine Inschrift. Doch das Motto der Revolution ist schal geworden für Fariñas, der einst für Fidel Castro kämpfte und jetzt gegen seine Politik. Es ist nicht sein erster Hungerstreik.

Sieben Tage hat er dieses Mal die Nahrung verweigert, bis er ins Krankenhaus gebracht wurde. Seinen Hungerprotest will er trotzdem fortführen und so an den Tod eines anderen Dissidenten, Orlando Zapata Tamayo, erinnern. Ein Tod, der viel Aufsehen erregt hat, nicht nur auf Kuba.

Die Nachricht verbreitete sich schnell über Blogs und Twitter. "Mein Sohn ist die ganze Zeit im Gefängnis gefoltert worden", sagte die Mutter Zapatas der kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez. Die Welt solle sich für die verbliebenen politischen Gefangenen einsetzen. "Ihnen soll nicht das passieren, was meinem Sohn passiert ist."

Doch die Welt reagierte langsam. Zu langsam, meinen einige. Eine "europäische Schande", donnerte ein Journalist in der spanischen Zeitung "El Mundo". Die Regierung in Madrid, die zurzeit den EU-Ratsvorsitz leitet, schwieg lange, bevor sie dann doch den Tod Zapatas bedauerte und forderte, alle politischen Gefangenen freizulassen und die Menschenrechte als "grundlegende Forderung der internationalen Gemeinschaft" einzuhalten. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva besuchte Kuba wenige Stunden nach dem Todesfall und sagte kein Wort dazu.

"Die Repression hat sich verschärft"

Von der Hoffnung, dass Kubas Staatschef Raúl Castro den Menschen mehr Freiheiten gewährt, ist wenig geblieben. Vor vier Jahren übernahm er die Amtsgeschäfte von seinem Bruder Fidel. Doch Raúl habe den Unterdrückungsapparat aufrechterhalten, statt ihn aufzulösen, meinen Menschenrechtler wie die Organisation Human Rights Watch. In einem mehr als 100 Seiten langen Bericht kommt sie zu dem Schluss: "Kubaner, die es wagen, Kritik an der Regierung zu üben, leben in ständiger Angst."

"Es gibt keine Anzeichen für einen demokratischen Wandel, die Repression hat sich verschärft", sagt auch der kubanische Dissident Oscar Espinosa Chepe vergangene Woche dem SPIEGEL. Oppositionelle werden schikaniert und wegen Gefährdung öffentlicher Ordnung eingesperrt. Nun ist einer nach dem Hungerstreik in Haft gestorben. "Mord in juristischer Verkleidung", sagen seine Anhänger.

Dass die EU nach dem Tod Zapatas so zurückhaltend agierte, überrascht jedoch nicht. Spanien hat sich zum Ziel gesetzt, während seiner Ratspräsidentschaft den Dialog mit Havanna zu verstärken. Madrid will den "Gemeinsamen Standpunkt" der EU aufgeben - eine Vereinbarung von 1996, die die Kuba-Politik der Europäer mit Fortschritten bei der Demokratisierung und bei Menschenrechten verknüpft.

200 inhaftierte Oppositionelle auf Kuba

Auch US-Präsident Barack Obama lockerte im vergangenen Jahr die Blockadepolitik gegenüber Kuba. US-Bürger kubanischer Abstammung sollen künftig unbegrenzt in den Inselstaat reisen und unbegrenzt Geld überweisen.

Doch mit dem Hungertod des Dissidenten könnte auch das Entgegenkommen der USA erlahmen. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich "zutiefst bestürzt" und forderte, alle etwa 200 auf Kuba inhaftierten Oppositionellen freizulassen.

Doch damit verhärten sich die Fronten auf beiden Seiten. "Je mehr Druck aufgebaut wird, desto mehr führt das bei der kubanischen Führung zum genauen Gegenteil", sagt Bernd Wulffen, früherer deutscher Botschafter in Havanna. "Die Regierung lässt sich nicht unter Druck setzen. Nach außen wird dann Stärke und Geschlossenheit demonstriert."

Dabei hatte sich auch die kubanische Führung um eine Öffnung bemüht. Doch diese Politik stockt jetzt, ebenso wie die wirtschaftlichen Reformen. Sozialleistungen sollen herabgesetzt werden. Das Land leidet unter einem Versorgungsengpass, die Importe sind im vergangenen Jahr um 37,4 Prozent im Vergleich zu 2008 zurückgegangen. Sogar staatliche Medien berichten über marode Straßen und Wassermangel.

Die Wut wächst im kubanischen Volk. Doch für eine neue Revolution reicht der Zorn wohl noch nicht.

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insgesamt 70 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.03.2010 von papo de Cuba: viel, viel Stroh im Kopf

Hallo verehrter alfonsoraul, eigentlich müssten Sie es als gebürtiger Kubaner doch viel besser wissen, dass kubanische Staatsorgane wie Innenministerium mit Polizei (PNR), alle Sicherheitsorgane und die Emigration niemals, [...] mehr...

10.03.2010 von Comandante.Tatú: Argumentieren funktioniert anders

Sehr geehrte raulalonso und Peterldw, Argumente, Anmerkungen oder Korrekturen zu dem von papo de Cuba Verfassten haben Sie nicht? mehr...

10.03.2010 von raulalonso: Unserer Mann in Havanna

Sehr geehrter papo von cuba: da Sie nicht auf meinen privaten Nachricht reagieren, sonder wieder mit der rote Kanone schießen, bleibt mir nichts anderes: sollten Sie ein deutscher sein - was ich wirklich verzweifele - sind Sie [...] mehr...

10.03.2010 von Peterldw: Nichts als rote Propaganda

Bla, bla wer bezahlt sie für ihre Lügen. Aber so eine demokratische Presse wie der Spon ist doch was feines, da kann man seinen Müll abladen. Eines muss ich ihnen zugestehen, sie sind sehr gut von den Kommunisten geschult [...] mehr...

10.03.2010 von papo de Cuba:

Teil 2: - Es sind die USA und ihre Verbündeten, deren jetzt von dem Rest der Welt Verletzung von fundamentalen Menschenrechten vorgeworfen werden. (Die Beispiele habe ich in einem vorherigen Kommentar aufgezählt und setze sie [...] mehr...

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