Aus Athen berichtet Manfred Ertel
Antonis ist Chef einer mittelständischen Firma für Landschaftsbau mit rund 50 Mitarbeitern, je nach Saison und Auftragslage. Damals hat er sich als Subunternehmer gegen große nationale Konkurrenz behauptet und den Auftrag für den Bau der Grünanlagen um die olympischen Sportstätten in Athen wie in Piräus für sein Unternehmen an Land gezogen. Darauf ist der Unternehmer bis heute "besonders stolz". Damals schien die Welt vielen Griechen noch in Ordnung.
Heute ist Antonis immer noch auf Großanlagen von nationaler Bedeutung spezialisiert. Nur ist sein Stolz großen finanziellen Sorgen gewichen. "Ich weiß manchmal nicht mehr, wie es weitergehen soll", sagt er.
Er kämpft nach eigenen Angaben mit rund vier Millionen Euro Außenständen - Geld, das öffentliche Auftraggeber ihm schulden. Aus Thessaloniki erwartet er zum Beispiel 780.000 Euro. Und wartet. Und wartet.
Offene Rechnungen von öffentlichen Auftraggebern
Im Jahr 2006 hat er in der zweitgrößten Stadt des Landes das Grün um die Sportstätten für das Internationale Leichtathletik-Meeting "Bruno Sauli" angelegt, Auftraggeber war das Generalsekretariat für Sport, das dem Kultusministerium unterstand. Auf seinem Konto angekommen ist bis heute: nichts. "Das nervt und macht mich manchmal ganz schön fertig", sagt der Unternehmer.
Offene Rechnungen sind für ihn inzwischen beinahe die Regel, wenn es um öffentliche Auftraggeber geht. So wie bei den 180.000 Euro für die Begrünung der Hauptverkehrsachsen in der Athener Innenstadt, die er im vergangenen Jahr anlegte. Das Haushaltsjahr ist längst vorbei, ein neues angebrochen, doch das Geld steht aus. "Es waren ja Parlamentswahlen", heißt es offiziell, was immer das bedeuten soll.
Wenn es gut für ihn geht, bekommt er seine Außenstände von Banken zwischenfinanziert. Die abgezeichneten Rechnungen der öffentlichen Auftraggeber gelten als "anerkannte Schuld des Staates". Aber er ist auf die Geldinstitute angewiesen - das ist in Krisenzeiten wie jetzt kein gutes Gefühl. Außerdem muss er die Zinsen vorstrecken und wiederum mühsam versuchen, sie beim Staat wieder einzutreiben. "Ganz ehrlich, es gibt Momente, in denen ich denke, einfach das Handtuch zu werfen", sagt Antonis, "so kann es nicht weitergehen".
Angst vor einem Staatsbankrott
Die Lage von Mittelständler Antonis ist symptomatisch für die Stimmung im Land.
Angst geht um, Angst vor einem Staatsbankrott oder zumindest um die nackte Existenz. Niemand weiß genau, was er sich unter einer Staatspleite vorzustellen hat. Aber jeder ahnt, dass es für ihn nur schlechter kommen kann. Oder sogar ganz schlimm.
Neu ist allerdings, dass viele Griechen auch wieder ein bisschen Hoffnung schöpfen, mehr Griechen jedenfalls als die, die mit Generalsstreiks und Demonstrationen die Straße und die Schlagzeilen beherrschen.
Ihre Hoffnung hat einen Namen: Georgios Papandreou, 57, im Oktober neu gewählter Premier und oberster Krisenmanager, der mit bemerkenswerter Klarheit und Zielstrebigkeit an die Komplettsanierung seines Landes geht. Am Freitag ist Papandreou zu einem Krisengespräch bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin zu Gast. Vorher hat er in einem Interview die Bundesregierung um politische Unterstützung gebeten. Berlin solle helfen, dass sein Land an den Finanzmärkten bessere Kreditraten bekommt.
"Die neue Regierung zeigt den Willen, Ordnung zu schaffen und den Laden in Ordnung zu bringen", lobt Unternehmer Antonis. Er ist überzeugt, dass endlich "den Worten auch Taten folgen".
Auch wenn die weh tun. Die drastischen Sparmaßnahmen, die Papandreou am Mittwoch verkündete und am Freitag wegen der besonderen Eilbedürftigkeit bereits im Parlament verabschieden lassen will, fallen noch dramatischer aus, als ursprünglich geplant. Um ein Sparvolumen von 4,8 Milliarden Euro zu erreichen, werden Steuern erhöht, Renten und Pensionen eingefroren, Gehälter von Beamten und Bediensteten im öffentlichen Dienst gekürzt, und manches mehr. "Die Tage, Wochen und Monate, die kommen werden, werden nicht leicht sein," sagte Papandreou, die Republik sei in einer Art "Kriegszustand". Das sehen viele Griechen genauso, wenn auch in ganz anderem Sinne. Die Gewerkschaften jedenfalls reagierten prompt und drohen mit "Krieg": Demonstrationen, neue Generalstreiks, Besetzungen von Ämtern und Behörden.
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Das mag sein, dass der Gipfel des Wohlstandes überschritten wurde. Im kalten Krieg gabs auch noch Frontzulage. Allerdings war auch klar, das mit der EU die Armen reicher und die Reichen ärmer werden, weil die Lebensverhältnisse [...] mehr...
Nein eben nicht. Das höchste Niveau hatten wir bevor Schröder und Merkel den deutschen Wohlstand mit Steuersenkungen, Privatisierungen und Sozialabbau verheizten. Jetzt haben wir nur noch das höchste Schuldeniveau und das [...] mehr...
Jammern auf höchstem Niveau. mehr...
Haben nicht eher die Deutschen ihren Untergang beschleunigt - durch Nicht-Streiks? Wir haben es Schröder, Merkel & Co. durchgehen lassen, die Sozialsysteme zu schleifen, in 12 Jahren die Staatsverschuldung um 50% zu [...] mehr...
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