Hamburg - Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe fordert die Aufnahme Russlands in das transatlantische Bündnis der Nato. Es gehe in einer multipolaren Welt darum, eine Balance zur politisch-ökonomisch-strategischen Dynamik der großen asiatischen Mächte zu finden, schreibt der CDU-Politiker in einem Beitrag für den SPIEGEL, den er zusammen mit dem früheren Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses, Klaus Naumann, dem früheren Spitzendiplomaten Frank Elbe, und dem vormaligen Planungsstabschef im Verteidigungsministerium, Ulrich Weisser, verfasst hat.
Für diese neue Balance muss Russland nach Ansicht der Autoren integraler Bestandteil des westlichen Bündnisses werden: "Russland sollte die Tür der Nato zum Beitritt geöffnet werden", schreiben sie im SPIEGEL. Die Nato sei ihren "Aufgaben, so, wie sie jetzt beschaffen ist, nicht gewachsen", begründen die transatlantisch orientierten Autoren ihren strategischen Vorstoß. Das Bündnis sollte sich daher "künftig als strategische Klammer der drei Mächtegruppierungen Nordamerika, Europa, Russland verstehen". Diese Dreiergruppierung habe gemeinsame Interessen, die durch dieselben Herausforderungen gefährdet seien.
Dabei geht es nach Ansicht der Autoren auch um ein existentielles Interesse der Nato. Wenn das Bündnis dem Anspruch genügen wolle, "Primärforum" zu sein, "dann muss es jetzt die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen und institutionelle Konsequenzen ziehen". Im Gegenzug müsste Russland bereit sein, die Pflichten und Rechte eines Nato-Mitglieds "als Gleicher unter Gleichen" wahrzunehmen.
Bisher gibt es lediglich den Nato-Russland-Rat. Rühe, Naumann, Elbe und Weisser gehen von einem längeren Prozess der Annäherung aus, der im beiderseitigen Interesse liege und vom Washingtoner Nato-Vertrag gedeckt sei.
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