Karatschi - Adam Gadahn ist der erste US-Bürger, gegen den seit dem Zweiten Weltkrieg wegen Hochverrats ermittelt wird. Der Propagandist des Netzwerks al-Qaida, besser bekannt als "Azzam, the American", drohte immer wieder im Internet mit Terror. Seine Festnahme wäre ein Coup gewesen - doch entsprechende Berichte haben sich offenbar nicht bestätigt.
Pakistan hat am Montag Meldungen über seine Verhaftung dementiert. Es habe sich um eine Verwechslung gehandelt, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter. Auch zwei Geheimdienstmitarbeiter sprachen von einem Irrtum. Bei einem in der pakistanischen Metropole Karatschi festgenommenen Verdächtigen handele es sich nicht wie ursprünglich angenommen um den zum Islam konvertierten Kalifornier.
US-amerikanische und pakistanische Geheimdienstquellen hatten verbreitet, Gadahn sei bereits vor einigen Tagen von lokalen Geheimdienstmitarbeitern verhaftet worden. Nachrichtenagenturen und der US-Nachrichtensender CNN beriefen sich dabei auf hochrangige, aber anonyme Quellen.
Schon am Sonntagabend wurde die Festnahme allerdings wieder in Frage gestellt - SPIEGEL ONLINE berichtete. "Wir dachten, dass wir möglicherweise einen großen Fang gemacht haben", zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen pakistanischen Sicherheitsbeamten. "Aber es stellte sich heraus, dass es nicht um Gadahn handelt." Diesem Bericht zufolge ging ein Mann namens Adam Jahija ins Netz - diese beiden Namen benutzt auch Gadahn.
Kopfgeld von einer Million Dollar
Der Wert Gadahns besteht vor allem in seinen Fähigkeiten als Propagandist - und darin, dass er möglicherweise erhebliches Wissen über die internen Abläufe bei al-Qaida hat. Die Vermutungen in westlichen Geheimdiensten gehen dahin, dass er eine Führungsposition bei der Propagandaabteilung al-Sahab innehat. Er tritt seit 2004 regelmäßig in Videos auf, die al-Sahab produziert. Mal führt er als eine Art Moderator durch aufwendige Filme, die den bevorstehenden Untergang aller Ungläubigen und den Sieg der Mudschahidin prophezeien. Mal taucht er als einziger Redner auf, vergleichbar dem Qaida-Chef Osama Bin Laden oder dessen Vize Aiman al-Sawahiri. Dass er sich stets auf Englisch an sein Publikum wandte, sicherte dem 31-Jährigen überproportionale Aufmerksamkeit.
In einem 25 Minuten langen Video, das ausgerechnet am Sonntag veröffentlicht wurde und das SPIEGEL ONLINE vorliegt, rief er die Muslime in den USA, in Großbritannien und Israel dazu auf, sich dem bewaffneten Dschihad anzuschließen.
Death-Metal-Szene und jüdische Großeltern
Adam Gadahn, der als Adam Pearlman geboren wurde, ist eine schillernde Figur. Er wuchs in Kalifornien auf. Bis zum Alter von 17 Jahren wurde er in seinem Elternhaus beschult, kurz danach zog er bei seinen säkularen, jüdischen Großeltern ein, über die er sich in einem seiner Videos später lustig machte.
Kurzzeitig war er sehr aktives Mitglied der Death-Metal-Szene und hatte eine One-Man-Band namens Aphosia. Er bekannte später, er habe zu dieser Zeit eine spirituelle Leere empfunden. Das Christentum, mit dem er sich kurzzeitig intensiv beschäftige, konnte sie offenbar nicht füllen. Wohl aber der Islam. Als 17-Jähriger konvertierte er, noch in den USA. Er geriet ins Umfeld einer islamischen Wohlfahrtsorganisationen, der Terrorverbindungen nachgesagt wurden. 1998 zog er nach Pakistan, wo er anscheinend später eine afghanische Flüchtlingsfrau heiratete, mit der er wohl auch mindestens ein Kind hat.
Zuletzt hörte seine Familie in den USA 2002 von ihm. Bald darauf wurde klar, dass er sich al-Qaida angeschlossen hatte. Die USA haben ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf ihn ausgesetzt.
Zuletzt hatte er sich im Dezember 2009 zu Wort gemeldet, in einem Video, das deutlich unter den gewohnten Standards von al-Sahab lag. Al-Qaida töte keine Zivilisten, war da seine Botschaft. Hinter Anschlägen, bei denen zahlreiche Muslime starben, hätten Geheimdienste und US-Söldnerfirmen gestanden. Noch nie hatte Gadahn so fahrig gewirkt - das Video heizte seinerzeit Spekulationen an, der Amerikaner sei offenbar einem großen Verfolgungsdruck ausgesetzt.
kgp/Reuters/AP
Auf anderen Social Networks posten:
Sie verwechseln da etwas: Es liegt Krieg vor und nicht ein Gerichtsverfahren. Kombattanten schießen auf Kombattanten. Daher gilt die Haager Landkriegsordnung und nicht die deutsche Strafprozessordnung. mehr...
Das CIA Factbook ist das größte statistische Nachschlagswerk auf der Welt. Er wird in unzähligen wissenschaftlichen Arbeiten in Europa zitiert und ist als z.B. Referenz bei Diplomarbeiten und Dissertationen in Österreich [...] mehr...
Zustimmung zu allem. Nur dass die amerikanische Regierung ihre Fehler immer wiederholt, ist ein Ärgernis. Jetzt wird für zig Milliarden Kriegsmaterial an Saudi-Arabien verkauft - wie weiland beim Schah. "Errare humanum est, [...] mehr...
Ich kann nicht anders. Aber ich habe auch konkreten Anlaß für meinen Optimismus: Die Angst und Ratlosigkeit der Macht-Elite angesichts des "Global Political Awakening" [...] mehr...
Wobei die USA aufpassen sollten, dass sie von Pakistan nicht an der Nase herumgeführt werden. Nach allem was wir wissen (nicht erst seit WikiLeaks) treibt der ISI ein doppeltes Spiel. Statt die Taliban zu bekämpfen, wie man es [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Islamistischer Terrorismus | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH