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11.03.2010
 

US-Israel-Konflikt

Gute Worte, böse Freunde

Von Gregor Peter Schmitz und Christoph Schult, Washington und Jerusalem

US-Vize Biden, israelischer Premier Netanjahu: Beziehungen auf dem TiefpunktZur Großansicht
REUTERS

US-Vize Biden, israelischer Premier Netanjahu: Beziehungen auf dem Tiefpunkt

Es ist ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Israel und den USA: die Ankündigung, jüdische Siedlungen im annektierten Teil Jerusalems auszubauen. Nun versichern sich beide Seiten Respekt - doch die alte Freundschaft ist schwer beschädigt.

Zuerst schien alles nach dem diplomatischen Lehrbuch zu laufen. Pünktlich zum lang erwarteten Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in Israel hatten die Palästinenser ihren Widerstand gegen neue Friedensverhandlungen aufgegeben. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu begrüßte "meinen alten Freund Joe", Biden nannte den Israeli bei seinem Spitznamen "Bibi".

Doch dann passierte es. Netanjahu wollte Biden ein Geschenk überreichen: ein Bild von jenem Baum, den Biden zuvor zu Ehren seiner Mutter in Israel gepflanzt hatte. Netanjahu hielt eine kleine Ansprache - und stützte sich dabei auf den Holzrahmen. Das Glas zersplitterte.

Mit einem zerbrochenem Glas beweinen die Juden bei jeder Hochzeit die Zerstörung des Jerusalemer Tempels; Netanjahu lieferte mit seinem Scherbengericht das passende Bild zu den zerrütteten israelisch-amerikanischen Beziehungen. Denn kurz zuvor hatte das israelische Innenministerium verkündet, dass in der jüdischen Siedlung Ramat Shlomo im annektierten Ostteil Jerusalems 1600 neue Wohneinheiten genehmigt wurden. Biden verurteilte den Beschluss scharf, ebenso Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.

Netanjahu musste sich nun Biden gegenüber für das "unglückliche Timing" entschuldigen. Er hatte bereits im November seinen Innenminister Eli Jischai von der ultraorthodoxen Schas-Partei aufgefordert, ihn mit derartigen Beschlüssen nicht zu überraschen. Damals hatte die Ankündigung, 900 zusätzliche Wohnungen in der Siedlung Gilo im Süden Jerusalems zu bauen, die Amerikaner verärgert. Jischai entschuldigte sich öffentlich, man habe Biden nicht reizen wollen.

Der US-Vizepräsident tat daraufhin das Seinige, um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Israel habe keinen besseren Freund in der Völkergemeinschaft als die USA, sagte Biden an diesem Donnerstag während einer Grundsatzrede in Tel Aviv. Beide Länder verbinde eine unzerbrechliche Verbindung. US-Präsident Barack Obama und er fühlten eine tiefe Freundschaft und Seelenverwandtschaft. Aber er mahnte auch: "Frieden mit den Palästinensern ist im ureigensten Interesse Israels."

Die US-Regierung trägt eine Mitschuld an der verfahrenen Situation

Eine Fortsetzung des umstrittenen Siedlungsbaus bewirkt das Gegenteil, und darüber hilft der Regierung auch das übliche Rollenspiel - der Innenminister als Sündenbock, Netanjahu der Friedensengel - nicht hinweg, es funktioniert einfach nicht mehr.

Als Benjamin Netanjahu im Herbst verkündete, den Siedlungsbau in den Palästinensergebeten einzuschränken, hatte er Jerusalem lautstark davon ausgenommen. Insofern war die Ankündigung des Innenministers während des Biden-Besuchs nur konsequent.

Ohnehin trägt die US-Regierung eine Mitschuld an der verfahrenen Situation. Nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr hatte Barack Obama zunächst einen harten Kurs gegenüber Israel angekündigt. In seiner Kairoer Rede an die muslimische Welt forderte er einen vollständigen Siedlungsstopp und wiederholte später, das gelte "einschließlich Ost-Jerusalems". Im Herbst dann rückte Obama plötzlich von der Forderung ab, Außenministerin Hillary Clinton lobte sogar ausdrücklich den halbherzigen Baustopp der Israelis als "beispiellos". Die Amerikaner dürfen sich daher nicht wundern, dass die Israelis sie nicht mehr wirklich ernst nehmen.

Trotzdem merkt Netanjahu, dass er einen schweren Fehler gemacht hat. Denn eigentlich wollte er seinen Freund Joe für schärfere Sanktionen gegen Iran gewinnen. Und, wenn möglich, erreichen, dass die Amerikaner einem Militärschlag zumindest gelbes Licht geben.

Zwar versicherte Biden bereits vor seiner Ankunft, dass "zwischen die USA und Israel kein Blatt passt, wenn es um die Sicherheit Israels geht". Trotzdem wollte er auf Fragen nach einem möglichen Militärschlag gegen Teheran nicht eingehen. "Das sind hypothetische Fragen, die ich nicht beantworten kann."

Israel arbeitet "intensiv wie nie zuvor" an einem Militärschlag gegen Iran

Israel hingegen arbeitet laut einem Insider "so intensiv wie nie zuvor" an einem Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen. "Wir entwickeln fortgeschrittene Waffen und Technologien und erhöhen die Zahl der militärischen Übungen", bestätigte Israels Generalstabschef Gabi Aschkenasi am Dienstag bei einer Rede im New Yorker Waldorf-Astoria-Hotel. "Alle Optionen sollten auf dem Tisch bleiben."

Die Regierung Netanjahu hält den derzeitigen Plan, die Iran-Sanktionen zu verschärfen, für zu zaghaft. Jerusalem würde es begrüßen, wenn der Uno-Sicherheitsrat "lähmende Sanktionen" beschlösse, sagte die israelische Uno-Botschafterin Gabriela Schalev. Doch da sich China und Russland dazu nicht durchringen können, "sehen die Chancen schlecht aus", so Schalev.

Die Mitglieder des US-Kongresses erhielten dieser Tage Post vom American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), der aggressivsten israelischen Lobbyorganisation Washingtons. "Die USA müssen bestehende Sanktionen umsetzen und neue lähmende Einschränkungen gegen Iran erlassen", hieß es in dem Brief - außerdem müsse es ein klares Verbot von Regierungsaufträgen an Firmen geben, die trotz Sanktionen Geschäfte mit Iran machten. Die "New York Times" hatte diese milliardenschwere Praxis kürzlich aufgedeckt.

Nach der Brüskierung Bidens stellt sich Amerika taub

Der Vize-Außenminister Daniel Ayalon, gerade zu Gast in den USA, machte seinem Frust über den langsamen Sanktionsfahrplan Luft. "Uns wurde gesagt, sie würden bis zum Ende des Monats kommen", klagt einer seiner Vertrauten. Nun seien sie schon wieder verschoben worden.

Doch nach der Biden-Brüskierung stellen sich die Amerikaner fürs erste taub. "Ihr habt unsere Aufmerksamkeit für die nächste Zeit verloren", sagte ein hochrangiger US-Beamter in einem vertraulichen Gespräch zu den Israelis. "Die Erniedrigung, die Biden hier erleiden musste, hat unsere Bereitschaft, Euch zuzuhören extrem gesenkt."

Israels Regierung scheint das egal zu sein. Wie die Tageszeitung "Haaretz" am Donnerstag berichtet, plant die Jerusalemer Stadtverwaltung in den kommenden Jahren fast 50.000 weitere neue Wohnungen im palästinensischen Ostteil der Stadt.

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insgesamt 83 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.03.2010 von ubietorbi: ...

Hm, ist es vertrauenswürdig einen Freund mit der Ankündigung des Baus der Wohnungen auf einem Gebiet, das einem völkerrechtlich nicht gehört, just in dem Moment zu konfrontieren, als dieser die Lage beruhigen will und sich als [...] mehr...

16.03.2010 von alfredoneuman: o

Tatsache ist, dass Sie Ihre Sündenbock-Behauptung nicht belegen können. ---Zitat--- Schauen Sie sich mal die Einzelnachweise an. ---Zitatende--- Das von mir verwendete Zitat stammt von Charles Enderlin, darauf weisen zwei [...] mehr...

15.03.2010 von elandy: Einzel

Das sind Tatsachen. Schauen Sie sich mal die Einzelnachweise an. mehr...

15.03.2010 von alfredoneuman: ooo

Erklären Sie nun Ihrer Vorurteile zu Belegen? ---Zitat--- Die Autoren des Wiki-Eintrags haben ihre "Quellen" aus Werken von Eprahim Karsh und Alan Dershowitz. Damit ist ihre Objektivität hinfällig. [...] mehr...

15.03.2010 von elandy: Quellen

Israel ist für Washington strategisch wichtig, die amerikanischen Juden eine wichtge Wählerquelle, in der Vertgangenheit besonders für die Demokraten. Oder nicht? Die Autoren des Wiki-Eintrags haben ihre [...] mehr...

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Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

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Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

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