Von Katharina Peters
Hamburg - Cecilia Morel ist eine gute Ehefrau. Im Wahlkampf winkte sie, stets elegant gekleidet, lächelnd in den Konfettiregen. Dass ihr Mann Sebastián Piñera nun Chiles Präsident ist, löst bei ihr "Euphorie" aus. Nur diese eine Sache war etwas unglücklich. Da hatte sie gesagt, dass ihre Familie in der Wirtschaftskrise keine Coca Cola mehr kauft, um zu sparen. Das hat ihr keiner abgenommen, weil Piñera Milliardär ist. Aber ausgerechnet jetzt, nach dem Wahlsieg, muss er tatsächlich umsichtig wirtschaften.
Vor nicht einmal zwei Wochen bebte in Chile der Boden, mit einer Stärke von 8,8. Häuser zerbarsten, Tsunamiwellen überschwemmten Küstendörfer, Nachbeben erschütterten die Region. Menschen plünderten Supermärkte, andere warteten verzweifelt auf Hilfe. Die Bürger machen sich nun an den Wiederaufbau, selbst wenn es Nachbeben gibt - auch bei der Amtseinführung von Sebastián Piñera. Er muss sich enormen Herausforderungen stellen.
Piñera hatte seinen wirtschaftsliberalen Kurs gepriesen, neue Arbeitsplätze und ein Wachstum von sechs Prozent pro Jahr versprochen. Das war schon vor dem Beben ein ehrgeiziges Ziel, auch wenn Chile sich erfolgreich durch die Rezession manövriert hat und als erstes südamerikanisches Land der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehört. Nun muss Piñera sich als Aufbauhelfer profilieren. Er hat bereits ein Wiederaufbauprogramm angekündigt - und will sein Budget für 2010 nun anpassen.
Das Erdbeben in Chile hat viel verändert. Es hat einen ganzen Kontinent und die innenpolitischen Prioritäten verschoben. Mit dem Wahlsieg von Piñera haben sich auch die Kräfteverhältnisse in der Region verändert.
In den vergangenen Jahren schwappte eine "rosarote" Welle über Südamerika, linke oder linkspopulistische Regierungen kamen an die Macht. Am lautesten poltert Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der sich seit mehr als zehn Jahren für den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" einsetzt - und das gerne mit umfassenden Reformen, dröhnenden Parolen oder absurden Vorschlägen.
Auch in anderen Ländern treiben Regierungschefs mit unorthodoxen Biografien sozialistische Reformen voran. Da ist Evo Morales in Bolivien, der Lamahirte und Kokabauer war und nun die Rechte der benachteiligten indigenen Mehrheit stärkt. Oder Brasiliens Luiz Ignacio Lula da Silva, der vom Schuhputzer zum Gewerkschaftsführer und schließlich zu einem beliebten Präsidenten aufstieg.
"Piñera soll sich nicht mit uns anlegen"
Und dann kommt Sebastián Piñera in Chile an die Macht, ein liberaler Rechter. Ein Mann, der in Harvard studiert hat und Anteile an Luxuskliniken, einer Fluggesellschaft und einer Fernsehstation hielt. Ein "Berlusconi Lateinamerikas", spotten seine Kritiker. An Piñeras Kabinettstisch sitzen künftig Technokraten statt Ideologen, ehemalige Geschäftspartner, Ingenieure, Anwälte. Beobachter haben die Nähe seines Kabinetts zur Wirtschaft scharf kritisiert.
Im Wahlkampf erklärte Piñera den "lateinamerikanischen Populismus" für gescheitert. Kuba sei eine Diktatur und Venezuela "keine Demokratie". Entsprechend unwirsch reagierte der Regierungschef in Caracas. "Piñera soll sich nicht mit uns anlegen", knurrte Chávez. Der Chilene solle gar nicht erst versuchen, Venezuela verbal zu attackieren.
"Piñera wird in der Region wenige Alliierte finden", glaubt Cristóbal Rovira Kaltwasser vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin. Reibereien könnte es besonders deswegen geben, weil Piñera noch keine guten Kontakte, etwa in den Botschaften, etabliert hat. "Kein gutes Zeichen" sei zudem die Berufung von Alfredo Moreno zum Außenminister, eines Großinvestors ohne Erfahrungen in der Diplomatie, dem somit auch das Gefühl für die Empfindlichkeiten der lateinamerikanischen Nachbarn fehlen könnte.
Marcelo Mella, Politikwissenschaftler an der Universität Santiago, warnt Piñera vor einer Konfrontationshaltung: "Nationalistische und chauvinistische Erklärungen werden kein gutes Klima für die Lösung von Konflikten bereiten." Er erwartet aber, dass Piñera sich künftig versöhnlicher als im Wahlkampf zeigen werde: "Ich habe keinen Zweifel, dass es eine Art Pragmatismus geben wird, sobald er im Amt ist." Auch Rovira Kaltwasser glaubt, dass Piñera zunächst zurückhaltend in der Region agieren und versuchen wird, Verbündete zu finden.
Fußball gegen Feindseligkeiten
Ein wichtiger Partner könnte der brasilianische Präsident Lula sein. Das US-Magazin "Newsweek" lobt Brasilien als "kraftvolle Supermacht", Bundesaußenminister Guido Westerwelle preist gerade den "aufsteigenden Stern" und die "strategische" Bedeutung des Landes. Präsident Lula vermittelt in Konflikten in der Region, nur er nennt Kubas Staatschef "Bruder" und gleichzeitig den amerikanischen Präsidenten "my man".
Ausgerechnet Lula hat nun seine Teilnahme an Piñeras Vereidigung abgesagt und Spekulationen über Spannungen verstärkt. Die Zeitung "O Estado de Sao Paulo" berichtet jedoch mit Verweis auf Regierungsquellen, der Grund für Lulas Abwesenheit seien nicht "ideologischen Differenzen". Vielmehr sei er Piñera bereits bei einem Gipfeltreffen in Mexiko begegnet und kurz nach dem Beben in Chile gewesen.
Piñera nimmt's sportlich. Einen Tag vor seiner Vereidigung kickte er mit Boliviens linkem Präsidenten Evo Morales. Auch mit Bolivien drohen Spannungen, denn Chile schnitt dem Land im Salpeterkrieg im 19. Jahrhundert den Zugang zum Pazifischen Ozean ab. Doch bei dem Freundschaftsturnier am Mittwoch spielten sie in einem Team - und hielten nach dem 2:0 gegen eine Mannschaft aus Ex-Fußballstars grinsend den Cup in die Kameras.
Der peruanische Präsident Alan Garcia blieb bei der Amtseinführung Piñeras am Donnerstag ebenfalls gelassen. Als die Erde vor der Zeremonie bebte, sagte er, das gebe den anwesenden Würdenträgern eine "Gelegenheit zu tanzen".
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Soweit ich weiß, sind alle sozialdemokratischen Parteien Mitglied in der "Sozialistischen Internationale" und ihre Jugendorganisationen, also Jusos in Deutschland und SSU in Schweden, in der IUSY, der International [...] mehr...
Logisch. Chile hat mit seinem wirtschaftsliberalen Kurs natürlich Erfolg. Venezuela mit seinem Sozialismus werden bald untergehen, ohne Öl kann dieses linke Land nicht überleben. Die müssen auch sich nach wirtschaftsliberalen [...] mehr...
Anscheinend haben sie die Aussage meines Beitrages nicht verstanden. Wie soll das den Belegen das die Militärdiktaktur gut für chiles Witschaft war?! Für eine gute Wirtschaft wäre keine Diktaktur nötig gewesen. Ich denke sogar [...] mehr...
Wenn ich von links rede meine ich den Sozialismus, der sich selbst als Diktatur definiert. Palme war Sozialdemokrat hat also mit Sozialismus nichts am Hut gehabt. Alle sozialistischen Diktaturen haben eines gemeinsam, keine [...] mehr...
Bevölkerung Venezuela: 28,5 Millionen Bevölkerung Chile: 17.09 Millionen Nach neuer Methode berechneten Armutsgrenze in Venezuela: 2000 Kcalorien am Tag. In Chile: 250 US Dollar pro Kopf im Monat Armut in Venezuela: 24% [...] mehr...
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