Bis zu 16 Menschen starben heute in der pakistanischen Provinz Nordwaziristan - wieder einmal durch US-Drohnen. Wie viele der Opfer militante Dschihadisten waren und wie viele Zivilisten, wird sich wahrscheinlich wie meistens nicht feststellen lassen. Man darf aber davon ausgehen, dass das Ziel erneut vermutete Positionen der Kämpfer des Haqqani-Netzwerks waren.
+++Siraj al-Din Haqqani bittet zum Online-Interview+++
Der Haqqani-Clan ist für einige der verheerenderen Anschläge auf Nato- und US-Soldaten in Afghanistan verantwortlich, operiert aber aus Nordwaziristan heraus. Nominell an der Spitze steht der gebrechliche und schon mehrfach totgesagte Dschalaluddin Haqqani, ein Veteran des afghanischen Dschihads gegen die Sowjets und ehemaliger Provinzgoverneur von Paktia zu Zeiten der Taliban-Herrschaft.
Sein Sohn Siraj al-Din gilt aber als wahrscheinlicher De-facto-Chef. Auf einer einschlägigen dschihadistischen Internetseite wird nun angekündigt, dass der Junior-Anführer seinen Anhängern und Sympathisanten demnächst ihre dringlichsten Fragen beantworten wird - online natürlich. In Bälde soll es möglich sein, so die Ankündigung, die Fragen einzureichen.
Das könnte interessant werden. Als Aiman al-Sawahiri, al-Qaidas Vize-Chef, vor einiger Zeit dasselbe Angebot machte, erreichten ihn nämlich durchaus auch unangenehme Fragen, etwa nach unschuldigen Opfern bei Anschlägen.
Bei Haqqani könnte es sich lohnen, wegen des Verhältnisses zur pakistanischen Armee nachzuhaken. Denn unter der Hand gilt es als offenes Geheimnis, dass die Haqqanis als eine Art verlängerter Arm Islamabads in Afghanistan angesehen werden. Pakistan will nach einem Nato-Abzug indirekten Einfluss in Afghanistan behalten, die Haqqanis könnten den gewährleisten. Weil sie außerdem die mutmaßlichen Gastgeber der Qaida-Führung sind, fällt ihnen unter Umständen, nämlich bei politischen Verhandlungen, eine Schlüsselrolle zu.
Freilich ist die Allianz für Pakistans Regierung ebenso pikant wie für die Taliban, die Islamabad offiziell zum Feind erklärt haben. Dass Siraj al-Din ehrlich antwortet, würde ich angesichts dessen aber nicht erwarten.
+++Neues Video von der Islamischen Bewegung Usbekistan+++
Die Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) versucht derweil seit Wochen, Gerüchte zu zerstreuen, ihr Anführer Tahir Joldaschew sei bei einem Drohnen-Angriff ums Leben gekommen. Ständig werden neue Videos gezeigt, in denen er präsentiert wird - leider ist keines überzeugend datiert.
In dem neuesten Film, eine dreiviertel Stunde lang, sind hunderte Zuhörer und mögliche Mitglieder oder gar Kämpfer zu sehen, darunter auch wieder ein paar schon sattsam bekannte Dschihadisten aus Deutschland - Abu Ibrahim und sein Bruder Abu Adam aus Bonn zum Beispiel.
Unter anderem verabreicht der Amir Joldaschew höchstpersönlich einigen Männern Prügel mit einem Gürtel oder etwas ähnlichem. Leider verstehe ich kein Usbekisch, kann also den Grund nicht nennen.
+++Deutsche Taliban veröffentlichen Audiobotschaft+++
Andere Kämpfer aus Deutschland haben sich unter dem Label "Deutsche Taliban Mudschahidin" zusammengetan und sind bereits mehrfach mit Drohungen und Solidaritätsadressen in Erscheinung getreten. Zuletzt hatten sie sich über die Burka-Verbotsdebatte in Frankreich empört.
Jetzt haben sie eine Audiobotschaft veröffentlicht, der Titel "Die vergessene Pflicht" bezieht sich dabei auf den bewaffneten Kampf. Sie versprechen den Adressaten, die Botschaft könne "dein Leben" verändern.
Der Inhalt sprengt aber kaum den Rahmen des Bekannten: Den Islam kann man in Deutschland nicht praktizieren. Der Dschihad ist der Gipfel des Islam. Er ist Pflicht für jeden, "auch für dich".
+++Deutscher bei al-Qaida im Jemen war vermutlich Amerikaner+++
Am vergangenen Sonntag versuchte ein angebliches Qaida-Mitglied im Jemen, aus einem Krankenhaus zu flüchten. Dabei erschoss der Mann, der in den ersten Berichten "Scharif Mobayli" genannt wurde, einen Wächter. Es hieß, er sei deutscher Staatsbürger somalischer Herkunft.
Das ist nicht richtig. Jedenfalls ziemlich sicher nicht. Mittlerweile gehen auch deutsche Behörden davon aus, dass der Mann US-Amerikaner war, wahrscheinlich jemenitischer Herkunft.
Bis jetzt gibt es keinen bekannten Fall eines deutschen Staatsbürgers, der sich im Jemen al-Qaida angeschlossen hätte.
+++Dschihad-Jane wird schon vermisst+++
Am Dienstag wurde bekannt, dass US-Behörden bereits im vergangenen Herbst eine Frau aus Pennsylvania verhaftet hatten, die, so die Anklage, geplant hatte, einen schwedischen Zeichner wegen einer Mohammed-Karikatur zu ermorden.
Colleen LaRose alias "Dschihad-Jane" war dabei offensichtlich sehr aktiv in englischsprachigen Dschihadisten-Foren im Internet.
Wer die in Frage kommenden Seiten absurft, findet dafür schnell Bestätigung. Denn ihre Verhaftung ist dort eine viel diskutierte Nachricht. "Ich hatte mich schon gefragt, warum sie nichts mehr gepostet hat", schrieb ein User ins Forum. Ein zweiter veröffentlichte derweil die Adresse des Gefängnisses, in dem sie sich angeblich aufhält. "Sie wird eine Menge Unterstützung brauchen", postete er dazu.
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