• Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.03.2010
 

Debatte in den USA

Obama verschiebt Asien-Reise wegen Gesundheitsreform

US-Präsident Obama: Alle Kräfte aufs Gelingen der Gesundheitsreform gerichtetZur Großansicht
AFP

US-Präsident Obama: Alle Kräfte aufs Gelingen der Gesundheitsreform gerichtet

Der Streit um die Gesundheitsreform wirbelt Obamas Terminkalender durcheinander. Wegen der bevorstehenden Debatte verschiebt der US-Präsident seine Asien-Reise. Stattdessen will er die Eckpunkte festzurren und sich seine Mehrheit sichern - mit einem Verzicht auf ein Kernanliegen.

Washington - Die Zeit wird knapp für US-Präsident Barack Obama und seine Gesundheitsreform. So knapp, dass Obama seine für nächste Woche geplante Asien-Reise verschiebt, um erst einmal die Reform unter Dach und Fach zu bringen. Das Weiße Haus bestätigte am Freitag in Washington, dass Obama die Reise drei Tage später als geplant, am 21. März, antreten wird.

Zusätzlich setzten die Demokraten im Abgeordnetenhaus alles daran, um dort im Budget-Ausschuss möglichst schon am kommenden Montag über Obamas Vorstoß abzustimmen. Die Abgeordneten wollen nach Informationen von Regierungsvertretern noch am Freitag zusammenkommen, um strittige Fragen des vorliegenden Gesetzentwurfs auszuräumen und so zu garantieren, dass das Gesetz die Kongresskammer passiert.

Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erklärte, die endgültige Verabschiedung des billionenschweren Reformwerks im Parlament sei nur noch eine Sache von Tagen. Pelosi zeigte sich nach Beratungen von Politikern ihrer Partei aus beiden Kongresskammern zuversichtlich, dass die Regierungspartei genug Stimmen zusammenbekommt, um die Gesundheitsreform auch ohne Zustimmung der oppositionellen Republikaner verabschieden zu können. Möglich machen soll das der Verzicht auf ein zentrales Anliegen in Obamas Papier, die sogenannte public option, eine staatlich finanzierte Krankenversicherung, die einspringt, wenn alle anderen Möglichkeiten ausscheiden.

Die Demokraten scheinen jetzt entschlossen, die Reform noch vor Beginn der parlamentarischen Osterpause Ende kommender Woche durch den Kongress bringen zu wollen. Notfalls könnte die Osterpause sogar verschoben werden. "Wir sind bereit, bis zum Ende auszuharren", sagte Pelosi.

Nach Obamas Vorstellungen soll die Reform dann mit Hilfe eines Verfahrenstricks endgültig grünes Licht im Senat bekommen. Sie könnte dort dann mit der einfachen Mehrheit von 51 Stimmen verabschiedet werden.

Sowohl der Senat als auch das Abgeordnetenhaus hatten ihren jeweiligen Entwürfen der Gesundheitsreform bereits im vergangenen Jahr zugestimmt. Durch eine Nachwahl im Senat hat sich dort in der Zwischenzeit allerdings das Mehrheitsverhältnis geändert, und das steht nun einem abschließenden Votum im Weg. Die Demokraten verloren bei der Wahl im Januar im US-Bundesstaat Massachusetts ihre nötige Mehrheit von 60 Stimmen.

Obamas Demokraten und die oppositionellen Republikaner streiten seit einem Jahr über das Mammutprojekt zum Umbau des 2,5 Billionen Dollar teuren Gesundheitswesens. Die Republikaner haben dagegen entschiedenen Widerstand angekündigt und auch in den Reihen der Demokraten gibt es Gegner des Vorhabens. Die Reform ist Obamas wichtigstes innenpolitisches Vorhaben. Sie soll Millionen US-Bürgern den Schutz einer Krankenversicherung bringen, die bislang keine Versicherung haben. Die Republikaner lehnen die geplante Gesundheitsversicherung für alle als zu teuer und als staatlichen Eingriff in die Privatwirtschaft ab.

Beobachter äußerten sich am Freitag skeptisch darüber, ob es den demokratischen Abgeordneten gelingt, Streitfragen - etwa über die Finanzierung von Abtreibungen - auszuräumen, bevor Obama seine erste Auslandsreise in diesem Jahr antritt. Sie soll ihn nach Indonesien und Australien führen sowie auf die Pazifikinsel Guam, die US-Territorium ist. Dort unterhalten die USA einen wichtigen Militärstützpunkt.

Und auch Michelle Obamas Reisepläne ändern sich. Sie bricht im April zu ihrer ersten Auslandsreise als First Lady der USA ohne Begleitung ihres Mannes Barack auf. Sie besucht vom 13. bis 15. April Mexiko-Stadt. Bei der Reise soll es vor allem um die Themen Bildung und wirtschaftlichen Fortschritt gehen, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte. Michelle Obama hat ihren Mann bereits auf zahlreichen Auslandsreisen begleitet. Eigentlich sollte sie mit ihm in der kommenden Woche nach Indonesien und Australien reisen.

ffr/dpa/Reuters/apn

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1766 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.04.2010 von Montanabear: Was halten Sie von der US-Gesundheitsreform ?

40,000 pro Jahr ist ziemlich billig. Dann gibt es aber die verschiedenen Stipendien, basierend auf wirtschaftlichen und akademischen Gegebenheiten. Gerade in den Wissenschaften gibt es viele kreative Lösungen. Ich kenne Eine, [...] mehr...

26.03.2010 von agora: Ein sehr gutes Gesundheitssystem

hatten wir bis vor wenigen Jahren in Deutschland. Unter der Ideologie alles gleich für alle, und das umsonst und nicht vergeblich und kombiniert mit der Verlogenheit der Politik, wir können uns alles leisten, wurden zuerst die [...] mehr...

25.03.2010 von Willie:

Wer klagt darueber in Kanada? mehr...

25.03.2010 von der_sachse:

Bei Jura würd ich auch eine amerikanische bevorzugen, da die Studenten von Anfang an das freie Argumentieren lernen, was bei uns ein wenig zu kurz kommt. Weiß das aus leidvoller Erfahrung. ;-) mehr...

25.03.2010 von agora: Das Medizinstudium ist in Deutschland eine Ausnahme

Ich glaube Sie haben beide recht. Excellenzuniversitäten sind stark verschult und haben eine Zulassungsbeschränkungen und ein starke Eingangsselektion. Dies trifft in Deutschland nur für wenige Fächer z.B. Medizin und [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Obamas Gesundheitsreform

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Die bisherigen Gesundheitsreformen

1977: Die Kürzungen beginnen

Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.

1983: Auch die Rentner müssen zahlen

1989: Der erste Rundumschlag

1993: Die Leistungen werden budgetiert

1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen

1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau

2004: SPD und Union bitten zur Kasse

2005: Paritätische Finanzierung am Ende

2009: Der Gesundheitsfonds kommt



So funktioniert US-Politik

Die Macht des Präsidenten

Welche Rolle hat der Präsident genau?
Was macht der Vizepräsident ?
Was versteht man unter dem Weißen Haus ?
Was beinhaltet die State of the Union Address ?
Was ist das Plum Book ?
Der Präsident frühzeitig gefeuert - geht das?
Was bedeutet Impeachment ?

Parteien und Institutionen

Das Wahlsystem

Der Wahlkampf




TOP



TOP