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13.03.2010
 

Nato-Einsatz in Afghanistan

Wer tötete Bibi Shirin und Bibi Saleha?

Afghanische und Isaf-Soldaten sollen bei einer Razzia versehentlich fünf Menschen getötet haben, darunter zwei Schwangere - und das Ganze wie die Tat Dritter ausgesehen lassen haben. Das zumindest behauptet die britische "Times. Die Nato dementiert, spricht von einem Missverständnis.

Berlin - Gegen drei Uhr früh am Morgen des 12. Februar stürmten afghanische und US-amerikanische Nato-Soldaten in dem Ort Khataba in der ostafghanischen Provinz Paktia ein Wohnhaus auf der Suche nach einem Verdächtigen. Doch die Operation lief schief: Mehrere Zivilisten wurden von den Soldaten getötet, darunter ein hochrangiger afghanischer Polizist. Keiner von ihnen war Zielperson der Razzia.

Was genau geschah, ist umstritten. Denn insgesamt gab es fünf Tote an jenem Tag, darunter zwei schwangere Frauen. Aber wer tötete sie?

In einer ersten Pressemitteilung nach der Razzia hatte die Nato berichtet, dass die Soldaten "eine grausame Entdeckung" gemacht hätten, nämlich zwei getötete Frauen, "gefesselt und geknebelt". Damit klang es so, als seien die beiden Frauen von Dritten getötet worden.

Die Londoner "Times", die nach eigenen Angaben mit mehr als einem Dutzend Überlebender, Beamter und Polizisten gesprochen hat, behauptet jedoch, dass das aus afghanischen und Nato-Soldaten zusammengesetzte Razzia-Team die beiden Frauen tötete. Ihrer Rekonstruktion zufolge starben die beiden Schwangeren, Bibi Shirin, 22 Jahre alt, und Bibi Saleha, 37 Jahre alt, im Kugelhagel, in dem auch der Polizist getötet wurde. Sie hatten, so die "Times", im Flur hinter ihm gesessen.

Nato bedauert "Verwirrung", die sie ausgelöst hat

Weil davon in der ersten Pressemitteilung der Nato aber keine Rede gewesen war, kommt die "Times" in ihrer Ausgabe vom Samstag zu dem Schluss, die Nato habe entweder wissentlich gelogen oder sich zumindest irreführend geäußert.

Die Nato reagierte Stunden nach der "Times"-Veröffentlichung mit einem scharfen Dementi. Sprecherin Jane Campbell vom Joint Command für den Isaf-Einsatz der Nato in Afghanistan erklärte am Samstag, es habe keinerlei Vertuschung gegeben. Allerdings bedauere man die "Verwirrung", die das erste Statement ausgelöst habe. Es habe auf "frühen Erkenntnissen" und einer Fehleinschätzung basiert.

So seien den beiden Frauenleichen tatsächlich die Fußgelenke zusammen gebunden gewesen, und sie hätten auch Stoffstreifen um den Kiefer gehabt, so Campbell am Samstag - aber das seien bereits Vorbereitungen für das Begräbnis gewesen, und eben dies sei dem Untersuchungsteam entgangen, das nach dem Vorfall am Tatort eintraf. Es habe ein "Mangel an Verständnis für lokale Begräbnisbräuche" bestanden.

Es bleiben Unklarheiten

Deshalb, so geht es implizit aus dem zweiten Statement hervor, wurden die Leichen als "grausame Entdeckung" eingestuft. Diese Formulierung fand Eingang in das erste Nato-Statement - und damit auch die Suggestion, die Frauen seien nicht bei der Razzia umgekommen, sondern zuvor von Dritten ermordet worden.

Doch während das zweite Statement dieses Missverständnis zwar aufklärt, enthält es zugleich keine Bestätigung dafür, dass auch die beiden Schwangeren von den Soldaten getötet wurden. Allerdings wird dieser Teil der "Times"-Story auch nicht dementiert. Laut "Times" wurde den Angehörigen von den USA mittlerweile zudem eine Entschädigung von 2000 Dollar pro getöteter Person angeboten.

Es gibt aber noch weitere Unklarheiten.

In dem ersten Statement hatte es laut "Times" geheißen, dass bei dem Vorfall "mehrere Aufständische die Soldaten in ein Feuergefecht verwickelten und getötet wurden". Aber die von der "Times" befragten Zeugen beharren laut dem Blatt darauf, dass nicht einmal ein Stein geworfen worden sei. Der "Times" sagte ein Nato-Sprecher, dass die Männer, die getötet wurden, nicht Ziel der Razzia gewesen waren.

In dem zweiten Isaf-Statement vom Samstag heißt es lediglich, dass die Ergebnisse einer "umfassenden Untersuchung" des Vorfalls nunmehr vorlägen und "nach Durchsicht" an Isaf weitergeleitet werden würden.

Ob sie auch der Öffentlichkeit mitgeteilt werden, geht aus der Erklärung nicht hervor.

yas

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