SPIEGEL ONLINE: Herr Jamann, 8,5 Milliarden Euro sind der Internationalen Entwicklungsbank zufolge für den Wiederaufbau Haitis nach dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar nötig. Manche sprechen bereits von einem Marshall-Plan für Haiti. Ein realistisches Szenario?
Jamann: Haiti wird sogar noch mehr Geld benötigen, wenn wir das Land auch ein Stück weit nach vorn bringen und nicht nur die Verhältnisse wiederherstellen wollen, die dort vor dem Beben herrschten. Den Vergleich mit dem Marshall-Plan zum Wiederaufbau Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg halte ich für schwierig: In Europa gab es damals trotz der Kriegszerstörungen noch funktionierende Strukturen. In Haiti ist das überhaupt nicht der Fall.
SPIEGEL ONLINE: Auf einer Geberkonferenz für Darfur wurde zuletzt deutlich weniger Geld gesammelt, als sich die Organisatoren erhofft hatten - viele Länder lehnten konkrete Zusagen ab, weil sie die Lage in Darfur noch als zu unsicher und instabil einschätzen. Sehen Sie diese Gefahr auch für Haiti?
Jamann: Man kann den Darfur-Konflikt kaum mit Haiti vergleichen. Die sudanesische Regierung hat kein Interesse daran, dass sich Darfur weiterentwickelt. Die Lage in Haiti ist eine andere. Die dortige Regierung sieht die augenblickliche Situation auch als Chance.
SPIEGEL ONLINE: Die Welthungerhilfe arbeitet eng mit der Bundesregierung zusammen, Sie erhalten von ihr Finanzmittel. Wie sieht bislang der Beitrag Deutschlands aus?
Jamann: Die Welthungerhilfe hat noch kein Geld von der Bundesregierung für Haiti bekommen, wir arbeiten bislang ausschließlich mit privaten Spenden. Allerdings haben wir eine EU-Finanzierung für die Hilfe für Erdbebenopfer in Jacmel im Süden des Landes. Wir sind besorgt, dass die Bundesregierung sich bislang mit finanziellen Zusagen im internationalen Vergleich sehr zurückhält.
SPIEGEL ONLINE: Wie sehen die Zusagen Deutschlands denn aus?
Jamann: Nach dem Beben hat Deutschland 17 Millionen Euro an unmittelbarer Hilfe gewährt, die USA als größter Geldgeber wollen den Karibikstaat mit rund 2,1 Milliarden Euro unterstützen. Im internationalen Vergleich steht Deutschland sehr schwach da. Gudrun Kopp, Staatssekretärin im Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit, hat zuletzt von 39 Millionen Euro Hilfe gesprochen. Haiti ist zwar kein Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands, trotzdem sollte die Bundesregierung mehr Verantwortung für Haiti zeigen. Sie könnte viel bieten, etwa auch technische Kompetenz für Aufforstungsprogramme. Es würde Haiti weiterbringen.
SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie eine Möglichkeit, dass Deutschland sein Angebot erhöht bis zum 31. März?
Jamann: Ich hoffe, dass Deutschland auch als Geber auftritt, wenn es zu einer Geberkonferenz anreist - und sich nicht nur anhört, was die anderen Länder zusätzlich auf den Tisch legen.
SPIEGEL ONLINE: Wie viel Spendengeld hat die Welthungerhilfe für Haiti eingenommen?
Jamann: Cirka 20 Millionen Euro. Das ist mehr als die Bundesregierung in den ersten beiden Monaten nach dem Beben bereitgestellt hat. Natürlich sind wir glücklich über die Spendenbereitschaft der Bürger. Das sollte aber nicht dazu führen, dass staatliche Anstrengungen erlahmen.
SPIEGEL ONLINE: Kritiker sagen, dass Haiti schon vor dem Beben jahrelang internationale Unterstützung erhalten und keine nennenswerten Fortschritte erzielt hat. Ein Mangel an Verantwortungssinn der Haitianer?
Jamann: Ein Großteil der mangelnden Erfolge hat mit schlechter Regierungsführung zu tun. Sie hat das Land über Jahrzehnte geprägt. Dadurch hat sich möglicherweise eine Mentalität gebildet nach dem Motto: "Die da Oben werden uns ohnehin nicht helfen." So verlieren die Menschen den Glauben an langfristige positive Entwicklungen. Aber wir erleben auch viel Bereitschaft der Haitianer, nach dem Erdbebenschock beim Wiederaufbau mitanzupacken. Die internationale Gemeinschaft hat jetzt die Chance, einen gescheiterten Staat wieder auf die Beine zu stellen. Die sollte man nicht verstreichen lassen.
SPIEGEL ONLINE: Derzeit ist Haiti noch auf internationale Lebensmittelhilfe angewiesen. Es gibt Stimmen, die ein baldiges Ende dieser Maßnahmen fordern, damit die heimische Landwirtschaft wieder in Gang kommt.
Jamann: Es ist nicht so einfach, wie das teilweise dargestellt wird. Die Menschen können noch nicht von landwirtschaftlichen Erträgen leben. Man sollte die Nahrungsmittelhilfe deshalb nicht über Nacht einstellen. Es ist jetzt Pflanzzeit, dann dauert es mindestens noch zwei Monate bis zur ersten Ernte.
SPIEGEL ONLINE: Sind die Hilfsorganisationen im Zeitplan mit ihren Maßnahmen zum Schutz der Erdbebenopfer? Die Regenzeit bereitet vielen große Sorge.
Jamann: Die Organisationen tun, was sie können. Aber die Problemlage ist riesig. Wir können deshalb nicht davon ausgehen, dass alles gut genug auf dem Weg ist. Die Regenzeit wird Schmutz in die Camps der Obdachlosen spülen. Ich rechne zwar nicht mit dem Ausbruch von Epidemien, trotzdem droht eine Zunahme von Krankheiten. Sorge bereitet mir auch die Hurrikan-Saison. Die Zelte werden den Stürmen nicht standhalten - und ich weiß nicht, ob wir schnell genug sind mit dem Aufbau von stabileren Unterkünften. Die Regierung hat immer noch keine dafür geeigneten Plätze ausgewiesen. Es gibt kaum Land in kommunaler Hand, es müsste also Land zur Verfügung gestellt werden, das in Privatbesitz ist - bislang ist in dieser Frage noch nichts geschehen.
Das Interview führte Björn Hengst
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Jaha, das ist ja genau das Problem! Die würden wirklich wieder auferstehen. Und wohlmöglich keine weitere Hilfe mehr benötigen.... mehr...
Sind die bisherigen Spenden etwa schon aufgebraucht für die Verwaltung derselbigen? Oder muss sich etwa die wellthilfsgeneralfunktionärselite vielleicht in ihrem verwaltungluxus beschränken? Oder braucht die Haititianisch [...] mehr...
doch den Präsidenten der WH, ob er bereit ist, Hlozklasse zu fliegen und die Differenz zur FC nach Haiti zu spenden, oder fragen wir ihn, ob er bereit ist , in einem 1 Stern Hotel abzusteigen und die Hotelrechnungdifferenz zum [...] mehr...
Dem ist nichts hinzuzufügen. Die internationalen Organisationen (mehrere tausend Mitarbeiter) sind so bürokratisiert und politisiert dass keine greifbaren Ergebnisse rauskommen können. Gute Wille reicht leider nicht. Am besten [...] mehr...
Ja und? Dann steht Deutschland halt sehr schwach da. Es ist schon klar, dass dieser Jamann mehr Geld braucht, damit auch seine Organisation etwas davon abbekommt und damit ihre Bedeutung noch ein bisschen mehr herausstreichen [...] mehr...
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