Ein Kommentar von Susanne Koelbl
Ist Hamid Karzai verrückt geworden, wie es langjährige Weggefährten des afghanischen Präsidenten in diesen Tagen fürchten?
Zweimal in nur drei Tagen verstörte der afghanische Präsident seine westlichen Verbündeten mit provozierenden Kommentaren. Erst behauptete er, "Ausländer" steckten hinter dem massiven Wahlbetrug bei den Präsidentschafts- und Provinzratswahlen im September. Dann kündigte er an, zu den Taliban überzulaufen, wenn er weiter international politisch unter Druck gesetzt werde.
Was ist passiert mit dem charmanten Staatschef, dem ehemaligen Liebling des Westens im schicken Seidenmantel und mit dem eleganten Englisch?
Hamid Karzai ist zuallererst ein typischer Paschtune: stolz, machtbewusst, aber auch empfindlich. Die Amerikaner haben ihn beleidigt, immer wieder, und das ist für ihn unverzeihlich. "Wir sind arm, aber wir sind eine stolze Nation. Ich bin kein Knecht eines Kolonialregimes, kein Marionetten-Präsident, lieber sterbe ich." So redet Karzai, wenn er mit Freunden sitzt. So sieht er die Welt.
Verhalten sich so Freunde?
Zuletzt fühlte sich der 52-Jährige von US-Präsident Barack Obama durch dessen Blitzbesuch vor zwei Wochen in Kabul öffentlich desavouiert. Nach Obamas Abreise stand in der von Karzai wenig geschätzten "New York Times", der US-Präsident sei nur gekommen, um dem afghanischen Regierungschef Vorhaltungen wegen seiner schlechten Regierungsführung zu machen. Im Weißen Haus denke man schon darüber nach, den lange geplanten Staatsbesuch des Afghanen im Mai in Washington abzusagen.
Verhalten sich so Freunde? Die Beziehung zwischen den USA und dem Paschtunen ist zerrüttet - und wohl nicht mehr zu kitten.
Es kriselt schon seit dem Ende der Amtszeit von George W. Bush. Da drohte die damalige Außenministerin Condoleezza Rice Karzai telefonisch, man werde den Afghanen nicht mehr unterstützen, wenn er weiter die USA wegen getöteter Zivilisten kritisiere, die im Kampf gegen die Taliban zwischen Fronten geraten waren.
Karzai kritisierte weiter.
Es gab die Wahlkrise, und anstatt als Wahlfälscher Abbitte zu leisten, glaubt sich der zornige Karzai bis heute um den klaren Sieg betrogen. Die ständige und nie aufgelöste Affäre um seinen Bruder Ahmad Wali, der des Drogenhandels verdächtigt wird, betrachtet er als persönlichen Angriff auf die eigene Familie und die anhaltenden Anschuldigungen gegen seine korrupte Regierung als Attacke auf seine Integrität.
Auf den Tisch geworfene Servietten und laute Töne
Schon mehrfach endeten Dinner und Lunch-Meetings im Kabuler Palast mit höchsten Vertretern der neuen US-Regierung abrupt - mit auf den Tisch geworfenen Servietten und lauten Tönen. Nur zu Außenministerin Hillary Clinton pflegt Karzai noch ein einigermaßen herzliches Verhältnis.
Vertraute meinen, Karzai sei von Rachegelüsten gegen die USA getrieben und inzwischen womöglich sogar bereit, für seine Genugtuung das Land ins Chaos zu stürzen. Er selbst beabsichtigt aber sicher etwas anderes.
Seit immerhin mehr als acht Jahren regiert er und hat viele politische Feinde und Fehden überlebt. Und auch jetzt organisiert er sein politisches Überleben für die Zeiten des Übergangs.
Der Staatschef weiß: Die westlichen Verbündeten wollen ihre Truppen möglichst bald aus seinem Land abziehen. Die fremden Soldaten jedoch garantieren seine Macht. Deshalb muss sich der afghanische Präsident rechtzeitig neue Verbündete suchen - und zwar diejenigen, die auch dann noch da sind, wenn der Westen mit seinen Schutztruppen fort ist.
Er will nicht in Bedeutungslosigkeit enden oder tragisch wie der einst von der Sowjetunion gestützte und dann grausam von den Taliban massakrierte Präsident Nadschibullah.
Andere Optionen sind nicht in Sicht
Die Taliban werden weiter da sein und auch die schwierigen Nachbarn Afghanistans - Iran, Pakistan, China. Mit ihnen baut Karzai derzeit neue Verbindungen auf - ausdrücklich an den USA vorbei.
Wie hätte Karzai seine politische Unabhängigkeit besser demonstrieren können als mit der Vergabe der Abbaurechte für die größte Kupfermine der Region an die Chinesen - gegen den massiven Widerstand der USA? Oder mit der ehrenvollen Verabschiedung seines Staatsgasts aus Iran, Präsident Mahmud Ahmadinedschad, während Obama gerade in Kabul einflog?
Sie mögen sich nicht mehr, der ehemals so umgarnte Paschtune und die USA. Aber die kommenden paar Jahre sind sie noch angewiesen aufeinander, auf Gedeih und Verderb. Karzai wird weiter durch seinen Flirt mit den Taliban provozieren, und die USA werden ihm mit dem Ende ihrer Unterstützung drohen.
Das Bündnis bleibt bestehen, bis sich für den einen oder anderen eine neue politische Option auftut. Aber die ist nicht in Sicht. Noch lange nicht.
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Hallo Herr Smith, Bei Ihrer feurigen Argumentation kann ich nur empfehlen, dass Sie sich schnellstens im Kreiswehrersatzamt melden. Oder wollen Sie nur reden und lieber fremde Ärsche riskieren. Hoffenlich sehen irgendwann [...] mehr...
Die Waffengewalt jenseits des Mittelalters bezog sich auf die Taliban. Im Übrigen ganz Ihrer Meinung, ibs. dass uns der 2. WK nach wie vor zu sehr in den Knochen steckt, um wieder ins Feld zu ziehen. mehr...
Was ein Gelaber in diesem Forum. Die Taliban ,die armen müssen sich gegen Eindringlinge wehren...der Westen der Böse will Kolonien erschaffen,die armen Afgahnen wollen doch nur zur Schule gehen(wenn die Taliban sie lassen [...] mehr...
Ob es sinnvoll ist, Karzai zu desavouieren, indem man ihn in die Ecke eines Drogensüchtigen schiebt, bleibt dahin gestellt. Zumindest spricht aus dieser US-Reaktion beispiellose Hilflosigkeit und Ohnmacht, waren sich doch die [...] mehr...
Sie haben recht, ich vergesse immer, weil Schröder uns immerhin aus dem Irakkrieg herausgehalten hat, dass er sich nicht gegen den Afghanistankrieg gewehrt hat. Dennoch, die Physikerin hätte genug Zeit gehabt uns da wieder [...] mehr...
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