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08.04.2010
 

Tote nach Taliban-Angriff

Merkel sagt kurzfristig für Soldaten-Trauerfeier zu

Gefallen in Kunduz: Trauerfeier für getötete Soldaten
Fotos
ddp

Es ist das erste Mal, dass die Kanzlerin zu einer Bundeswehr-Trauerfeier kommt: Angela Merkel wird den drei gefallenen Soldaten die letzte Ehre erweisen. Sie reist dafür am Freitag nach Selsingen und unterbricht ihren Urlaub. Mehrere Politiker hatten vorher offensiv ihre Teilnahme gefordert.

Berlin - Der Alarm schrillte am Karfreitag. Extremisten hatten die Bundeswehr beschossen, wenig später war klar: Drei deutsche Soldaten wurden bei den Kämpfen getötet, acht weitere Männer verletzt. Bereits am Sonntag fand im Feldlager der Bundeswehr in Kunduz eine Trauerfeier statt. Zu der Gedenkstunde in Deutschland wird neben weiteren Spitzenpolitikern auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen.

Sie hat am Donnerstag ihre Teilnahme an der Trauerfeier angekündigt. Dies sei für Merkel ein "persönliches Anliegen", sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Die Trauerfeier findet am Freitag in der St.-Lamberti-Kirche im niedersächsischen Selsingen nahe des Heimatstandorts der getöteten Fallschirmjäger statt. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) werden teilnehmen.

Mehrere Koalitions- und Oppositionspolitiker hatten zuvor eine Teilnahme Merkels gefordert. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz sagte der "Bild"-Zeitung, es wäre "gesellschaftlich ein schönes Signal, wenn die Bundeskanzlerin jetzt darüber nachdenkt, persönlich an der Trauerfeier teilzunehmen". Der FDP-Verteidigungsexperte Burkhardt Müller-Sönksen sagte dem Blatt, alle Abgeordneten, die dem Afghanistan-Einsatz zugestimmt hätten, sollten über eine Teilnahme an der Trauerfeier nachdenken.

Ähnlich äußerten sich SPD-Politiker, allesamt auch in der "Bild"-Zeitung, die auf Seite zwei an diesem Donnerstag die Frage stellt: "Warum gibt die Kanzlerin den toten Soldaten nicht das letzte Geleit?" Die Boulevardzeitung hatte damit Druck auf Merkel aufgebaut. Die Zusage der Kanzlerin, an der Trauerfeier teilzunehmen, verbuchte "Bild" als Erfolg der eigenen Berichterstattung.

Die Bundeskanzlerin hat bislang noch nie an einer Bundeswehr-Trauerfeier teilgenommen. Sie kam aber im August 2007 zu einer Gedenkstunde für in Afghanistan ermordete deutsche Polizisten. Unter den Toten war auch ihr ehemaliger Leibwächter, der einige Jahre zu ihrem persönlichen Schutzkommando gehört hatte.

Ab Donnerstagmittag sollte die St.-Lamberti-Kirche für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben. Zuvor war hier ein Kondolenzbuch ausgelegt worden. Für die Trauerfeier rechnet die Bundeswehr mit mehr als tausend Teilnehmern. Nach Angaben eines Sprechers der Luftlandebrigade 31 werden allein 900 Kameraden der getöteten Soldaten anwesend sein.

Schwerste Gefechte der Bundeswehr mit Taliban-Kämpfern

Die Soldaten wurden am Karfreitag bei den bisher schwersten Gefechten der Bundeswehr mit Taliban-Kämpfern in Afghanistan in der Region Kunduz getötet. Die Getöteten im Alter von 25, 28 und 35 Jahren waren erst vor einigen Wochen aus Seedorf nach Afghanistan abkommandiert worden. Berichten zufolge lebten sie in Selsingen, Hannover und Sachsen.

Von den vier schwer verletzten Soldaten, die im Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhaus behandelt werden, sind zwei weiter auf dem Weg der Besserung. Die beiden anderen befinden sich immer noch auf der Intensivstation, wie der Presseoffizier des Sanitätsführungskommandos auf Anfrage sagte. Ihr Zustand sei unverändert stabil.

Nach dem Angriff war eine Diskussion um schlechte Ausbildung und mangelnde Ausrüstung bei der Bundeswehr im Kampf gegen die Taliban entbrannt. Der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe hatte eine mangelhafte Ausbildung der Soldaten angeprangert und griff auch die Bundeswehrführung an. Er habe den Eindruck, "dass die Realitäten wie jetzt in Kunduz zu wenig von der militärischen Führung wahrgenommen werden".

Außenminister Guido Westerwelle hatte daraufhin vor einem überhasteten Abzug aus dem Land am Hindukusch gewarnt. "Wenn wir jetzt Hals über Kopf abziehen würden, wäre das Land in ganz kurzer Zeit wieder Rückzugsgebiet des Weltterrorismus", sagte der FDP-Chef der "Bild"-Zeitung. Dann werde die Anschlagsgefahr auch in Europa erheblich größer.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, dass Angela Merkel bereits ein Mal an einer Bundeswehrtrauerfeier teilgenommen habe. Richtig ist, dass sie eine Feier für einen in Afghanistan getöteten Polizisten besuchte. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

kgp/dpa/ddpAFP/Reuters

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12.04.2010 von nachthai:

Nach dem deutschen Versagen im Norden, einen solchen Beitrag abzudrücken ist deutlich mehr als Realitätsignorant! mehr...

12.04.2010 von archelys: Das Verbrechen ist aus der Sicht der Verbrecher nicht unsinnig

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Der schwarze Karfreitag von Kunduz

Drei tote Bundeswehrsoldaten, sechs versehentlich erschossene Afghanen - der Karfreitag war einer der schlimmsten Tage der deutschen Mission am Hindukusch. Wie es dazu kam, ist in einer Chronologie zu sehen - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren

Quelle: Bundeswehr; alle Angaben in afghanischer Ortszeit

13.04 Uhr: Der Hinterhalt der Taliban

14.50 Uhr: Panzerfahrzeug gerät in Sprengfalle

15.35 Uhr: Taliban-Attacke auf die Polizei

19.42 Uhr: Die versehentlichen Todesschüsse

21 Uhr: Die Ablösung trifft ein

21.50 Uhr: Die erste Einheit kehrt zurück ins Camp


Der Bundeswehreinsatz in Kunduz

Die Mission der Bundeswehr

AP
Die Bundeswehr engagiert sich seit 2003 in der nordafghanischen Provinz Kunduz. Im Rahmen der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf soll sie für ein stabiles Umfeld sorgen.

Kunduz war der erste Einsatzort der Bundeswehr in Nordafghanistan, wo inzwischen der deutsche Einsatzschwerpunkt liegt. Im Vergleich zum umkämpften Süden des Landes galt die Region lange als eher ruhig. Mittlerweile kommt es aber auch dort immer wieder zu schweren Anschlägen der radikal-islamischen Taliban.

Die Provinz Kunduz

Die Unruhe-Region Chahar Darreh

Die Kunduz-Affäre

Tod afghanischer Zivilisten





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