Berlin - "Qaida-Gruppe warnt vor Anschlägen auf Fußball-Weltmeisterschaft": So lautete am Mittwoch die Überschrift eines Artikels auf der US-Nachrichtenseite cbsnews.com. Grundlage des Beitrags war eine angeblich von der Qaida-Filiale in Nordafrika stammende Ankündigung, dass Turnier in Südafrika anzugreifen. Insbesondere das Spiel am 12. Juni in der Gruppe C, in dem England und die USA aufeinandertreffen, sei als Ziel genannt worden.
Die Drohung klingt martialisch: "Wie es wohl wäre, wenn in dem vollbesetzten Stadion… plötzlich der Lärm einer Explosion die Ränge erfüllt und das Stadion zusammenstürzt", zitierte cbsnews.com aus dem Papier.
Das Zitat stimmt; der Rest des Artikels ist leider ziemlich unscharf geraten. Einige Fakten, die nicht erwähnt werden, nehmen der angeblich glasklaren Ankündigung eines Anschlags jedenfalls einen Teil der Brisanz.
Terrorsympathisanten melden sich zu Wort
So ist der Text, den cbsnews zitiert, bereits im Februar erschienen. Es handelt sich um einen zweiseitigen Beitrag innerhalb eines fast hundert Seiten starken dschihadistischen Online-Magazins mit dem programmatischen Namen "Die sich nach dem Paradies sehnen".
Außerdem stammt der Text nicht von al-Qaida, auch nicht von der Filiale in Nordafrika. Das Magazin wird von einem Verbund von Terrorsympathisanten gemacht, das sich "Medienbrigade al-Sumud" nennt. Eine klare Nähe zu al-Qaidas Nordafrika-Filiale ist zwar unverkennbar, zum Beispiel, weil in dem Magazin Kommuniqués der Qaida-Filiale abgedruckt werden. Aber es ist nicht das "offizielle" Organ der Filiale. Und auch der Verfasser des in Frage stehenden Textes stellt an dessen Ende klar: "Der Autor ist nicht der Sprecher al-Qaidas, er ist lediglich einer der Unterstützer der Mudschahidin".
Und schließlich wird nicht einmal gesagt, der gewünschte Anschlag werde zwangsläufig auch von al-Qaida in Nordafrika durchgeführt werden. Vielmehr schreibt der Autor, man möge bedenken, dass Südafrika sich in räumlicher Nähe sowohl der Nordafrika-Filiale als auch der Filiale auf der Arabischen Halbinsel sowie der Schabab-Milizen in Somalia befinde. Was nur umso klarer macht, dass es sich bei dem Text um einen schriftlich fixierten Wunschtraum handelt.
Der Absender macht den Unterschied
Sicher, das ausgemalte Szenario wird durch diese Relativierungen nicht weniger bedrückend. Aber es ist dennoch ein großer Unterschied, ob al-Qaida einen Anschlag ankündigt oder irgendwelche Sympathisanten, die niemand kennt, sich das lediglich wünschen.
Kein verantwortungsbewusster Terroranalyst wird ein Blutbad bei der WM ausschließen; aber sein Kerngeschäft ist die Gewichtung von Hinweisen - und da macht der Absender den Unterschied. In etwa so, wie es mehr Gewicht hat, wenn Joachim Löw ankündigt, dass Deutschland bestimmt Weltmeister wird, als wenn diese Ankündigung aus der Fankurve kommt. Löw hat bessere Informationen; und er ist es, der sich lächerlich macht, wenn das Resultat meilenweit hinter seiner Ankündigung zurückbleibt. Ein Fan aber ist ein Fan ist ein Fan: Er hält sein Team auch nach der Niederlage für das beste.
Noch etwas kommt hinzu: Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass Sportveranstaltungen nicht zu den bevorzugten Zielen von al-Qaida zählen. Das Netzwerk hat seit Jahren das Problem, dass sich Sympathisanten von ihm abwenden, weil bei Anschlägen zu viele Muslime und Zivilisten getötet werden. Solche Terrorakte lassen sich der eigenen Anhängerschaft nicht gut verkaufen, und einige von al-Qaidas Verlautbarungen der vergangenen Monate lassen deutlich erkennen, dass Osama Bin Ladens Vordenker in diesem selbst erworbenen schlechten Ruf eine echte Schwierigkeit sehen.
Das bedeutet nicht, dass ein solcher Anschlag in Südafrika ausgeschlossen ist; angeblich haben die Südafrikaner mindestens einen islamistischen Plot gegen das Turnier bereits gestoppt. Aber es ist ein Fakt, der in jede seriöse Einschätzung der tatsächlichen Bedrohungslage bei der WM einfließen muss.
Terror ist eben nicht nur die Bombe, sondern auch die Angst davor. Al-Qaidas Hardcore-Sympathisanten haben das längst erkannt und tun alles dafür, dass diese Angst auf immer neue Weisen erhalten bleibt. Umso misslicher, wenn sie ihr Ziel erreichen.
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... werden all die verblendeten Fanatiker endlich erkennen, daß kein Gott, so es denn dein Gott im Sinne eines guten Vaters ist, es für gut heisen würde, daß in seinem Namen unschuldige Menschen getötet werden. Das Christentum [...] mehr...
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