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15.04.2010
 

Bundeswehrmission am Hindukusch

Vier deutsche Soldaten in Afghanistan getötet

Von Matthias Gebauer und John Goetz

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild): Neuer ZwischenfallZur Großansicht
DDP

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild): Neuer Zwischenfall

Schon wieder ein tödlicher Angriff auf deutsche Soldaten: Vier Männer wurden bei einem Taliban-Angriff während einer Operation in Nordafghanistan getötet. Verteidigungsminister Guttenberg, der gerade auf dem Heimflug von einem Truppenbesuch in Kunduz ist, will umgehend dorthin zurückkehren.

Berlin - Keine zwei Wochen nach dem tödlichen Gefecht bei Kunduz sind am Donnerstag wieder vier deutsche Soldaten gefallen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren die Deutschen während einer Operation nahe der Stadt Baghlan mit Panzerfäusten angegriffen worden. Dabei wurden laut Einsatzführungskommando vier Bundeswehrsoldaten getötet und fünf weitere verletzt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE attackierten die Angreifer gegen 14.30 Uhr Ortszeit einen Trupp deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten. Ersten Ermittlungen zufolge wurde ein gepanzertes Fahrzeug vom Typ Eagle IV nahe einer Brücke in der Gegend von Baghlan-i-Jadid rund sechs Kilometer nördlich der Ortschaft Baghlan, die als Hochburg der Taliban gilt, getroffen.

Nach ersten Angaben aus Bundeswehrkreisen waren die deutschen, belgischen und afghanischen Soldaten seit mehreren Tagen im Rahmen einer größeren Operation in der auf Nato-Karten als besonders gefährlich gekennzeichneten Region unterwegs. Durch die Operation "Taohid II" sollte die Bewegungsfreiheit der internationalen Kräfte wiederhergestellt werden, hieß es in Nato-Kreisen.

Von den afghanischen Sicherheitsbehörden hieß es kurz nach dem Angriff, eine versteckte Straßenbombe sei explodiert, als die Soldaten in Richtung Baghlan unterwegs waren. Über die Folgen des Anschlags konnte der Polizeichef von Baghlan jedoch zunächst keine Angaben machen. Die Taliban bekannten sich per Telefon zu dem Angriff und nannten auch den exakten Ort der Attacke.

Guttenberg will zurück nach Afghanistan

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erfuhr kurz nach dem Angriff von dem tödlichen Zwischenfall. Der Minister hatte in den vergangenen beiden Tagen Afghanistan besucht und war gerade auf der deutschen Versorgungsbasis im usbekischen Termez gelandet, als ihn die Nachricht erreichte. Dort äußerte sich Guttenberg zunächst nur kurz. "Ich bin tieftraurig Ihnen heute mitteilen zu müssen, dass nach derzeitigem Sachstand drei oder vier deutsche Soldaten ihr Leben gelassen haben und fünf bis sechs Soldaten verletzt worden sind".

Der Minister will nun umgehend nach Afghanistan zurückkehren, "um bei unseren Soldaten vor Ort zu sein" und sich ein Bild zu machen. Von Termez aus will er per Hubschrauber nach Mazar-i-Sharif fliegen, hieß es. Den größten Teil seiner Delegation sowie die Journalisten habe er "nach Hause geschickt". Die angegriffene Patrouille stammte vermutlich aus dem "Provincial Reconstruction Team" (PRT) in Faizabad aus der Provinz Badakhshan, wo die Bundeswehr das kleinste PRT betreibt. Sollte sich diese Information bestätigen, würde Guttenberg weiter nach Faizabad reisen, erklärte ein Bundeswehrsprecher.

Guttenberg hatte am Mittwoch angekündigt, der Bundeswehr in Kunduz angesichts der eskalierenden Gewalt dort so schnell wie möglich zwei Panzerhaubitzen 2000 zur Verfügung zu stellen. Das schwere Artilleriegeschütz hat eine Reichweite von 40 Kilometern und auch auf diese Entfernung eine Zielgenauigkeit von 20 bis 30 Metern. Zudem soll die Truppe mit TOW-Panzerabwehrraketen und mit zusätzlichen Marder-Schützenpanzern ausgerüstet werden.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Truppe zudem im Eilverfahren weitere 60 gepanzerte Fahrzeuge bestellt. Der Vertrag über die neuen Panzerwagen vom Typ Eagle IV sei am Donnerstag mit dem Schweizer Hersteller unterzeichnet worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Sie würden der Truppe vom kommenden Jahr an zur Verfügung stehen. "Sie sind somit nicht Teil der 150 bis 200 Fahrzeuge, die Verteidigungsminister Guttenberg für dieses Jahr für den Einsatz avisiert hat", hieß es.

Zuletzt waren erst am Karfreitag drei deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Sie waren nahe Kunduz in die bislang schwersten Kämpfe seit Beginn des Einsatzes verwickelt worden.

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Der schwarze Karfreitag von Kunduz

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13.04 Uhr: Der Hinterhalt der Taliban

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Der Bundeswehreinsatz in Kunduz

Die Mission der Bundeswehr

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Die Bundeswehr engagiert sich seit 2003 in der nordafghanischen Provinz Kunduz. Im Rahmen der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf soll sie für ein stabiles Umfeld sorgen.

Kunduz war der erste Einsatzort der Bundeswehr in Nordafghanistan, wo inzwischen der deutsche Einsatzschwerpunkt liegt. Im Vergleich zum umkämpften Süden des Landes galt die Region lange als eher ruhig. Mittlerweile kommt es aber auch dort immer wieder zu schweren Anschlägen der radikal-islamischen Taliban.

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