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21.04.2010
 

Propaganda

Taliban fordern Deutschland zum Abzug aus Afghanistan auf

Von Yassin Musharbash

"Je früher, desto besser": Taliban-Botschaft an die DeutschenZur Großansicht

"Je früher, desto besser": Taliban-Botschaft an die Deutschen

Deutschland soll aus Afghanistan abziehen, fordern die Taliban in einem aktuellen Statement - um die guten Beziehungen zu dem Land nicht zu gefährden und als Konsequenz aus dem Kunduz-Bombardement. Ein schneller Abzug sei besser als ein später unter "schweren Verlusten".

Berlin - Seit einiger Zeit veröffentlichen die afghanischen Taliban auf ihrer offiziellen Web-Seite neben übertriebenen Bekennerschreiben und Videos von Anschlägen und militärischen Operationen auch einen sogenannten "Kommentar der Woche". Vergangene Woche beschworen die Autoren die Taliban als "landesweite Widerstandsbewegung", in der Woche davor mokierten sie sich darüber, dass US-Präsident Barack Obama nur "im Schutz der Nacht" nach Afghanistan reiste.

In dieser Woche befasst sich der namentlich nicht gekennzeichnete, aber vermutlich mit der erweiterten Talibanführung abgestimmte Text erstmals ausdrücklich und ausschließlich mit Deutschland und dem Engagement der Bundeswehr in Afghanistan - und fordert dessen Beendigung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, schwadronieren die Verfasser in dem am Mittwoch publizierten Text, hätten Deutschland und Afghanistan "enge Beziehungen" gepflegt. Diese seien nun in Gefahr. Denn "nach dem Oktober 2001, als Amerika seine kolonialistische Aggression gegen Afghanistan startete, und zwar im ungerechtfertigten Namen der Terrorismusbekämpfung, da reichte die deutsche Regierung den Amerikanern die Hand - im Widerspruch zu den Wünschen der Afghanen".

Deutsche hätten in Kunduz viele Afghanen "zu Märtyrern" gemacht

Seit nunmehr neun Jahren, heißt es in dem Beitrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, weiter, hätten die deutschen Soldaten nun "gegen die Afghanen gekämpft". Viele Afghanen seien durch die Deutschen "zu Märtyrern" geworden.

Besonders hervorgehoben wird das durch den Bundeswehroberst Georg Klein angeordnete Bombardement nahe Kunduz am 4. September 2009, als eine bisher unbekannte, aber womöglich dreistellige Zahl von Menschen getötet wurde. Amerikanische F-15-Jagdbomber hatten an jenem Tag auf deutschen Wunsch hin über einem Flussbett bei Kunduz zwei Bomben auf zwei zuvor von den Taliban entführten Tanklaster und die vermeintlichen Taliban rund um die Trucks abgeworfen.

"Amerikanische Kampfflugzeuge, auf Grundlage von Informationen deutscher Befehlshaber, bombardierten blind Zivilisten, die Benzin aus Tankwagen abzapften, die im Schlamm feststeckten", geben die Taliban den Vorfall wieder. "140 Menschen wurden getötet, einige verbrannten vollständig."

Nach diesem Vorfall, heißt es in dem Text weiter, wäre es besser und erwartet gewesen, wenn die Deutschen die Zusammenarbeit mit den Amerikaner "verschoben" hätten, gemeint ist vermutlich ausgesetzt. Die Deutschen "hätten ihre Truppen aus dem Land abziehen sollen, stattdessen versprachen sie 500 weitere Soldaten, als Geste an die Amerikaner, um ihnen zu gefallen. All dies, während die Mehrheit der Deutschen gegen die Präsenz deutscher Truppen in Afghanistan ist, jedenfalls laut aktuellen Umfragen".

Bundeswehr soll abziehen - "Je früher, desto besser"

Die Deutschen, so die Schlussforderung der Taliban, sollten nun möglichst bald aus Afghanistan abziehen, "je früher, desto besser". Es sei "rational, früh zu tun, was später ohnehin unumgänglich sein wird - unter schweren Verlusten".

Die Taliban hatten das Bombardement von Kunduz schon zuvor in ihre Propaganda eingeflochten. Am Tag nach dem Abwurf hetzten lokale Taliban-Führer und ihnen nahestehende Geistliche auf Trauerfeiern gegen die Nato und forderten Rache an den Deutschen. Taliban-Sprecher Sahibullah Mudschahed verbreitete zudem, unter den Getöteten sei kein einziger Talib-Kämpfer gewesen.

Tatsächlich wurden nach Erkenntnissen der Nato nur einige unwichtigere Kommandeure der Aufständischen durch die Bomben getötet. Nach Zeugenaussagen fürchteten die Taliban einen Luftangriff und entfernten sich von der Sandbank, als die ersten Kampfflugzeuge zu hören waren.

In dem Taliban-Text vom Mittwoch werden keine expliziten Ankündigungen von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Bundeswehr gemacht.

Es ist nicht möglich zu bestätigen, dass der veröffentlichte Text authentisch ist und tatsächlich von Taliban-Autoren stammt. Er wurde am Mittwoch auf der offiziellen englischsprachigen und anscheinend bereits am Montag auf der Original-Website der Taliban veröffentlicht, die beide seit Monaten konstant für ihre Propaganda und sonstigen Kommuniqués verwendet werden. Das Fachblog "Long War Journal" hat die "Wochenkommentare" auf diesen Web-Seiten in der Vergangenheit den Taliban zugeschrieben.

Zu dem Angriff auf ein Bundeswehrfahrzeug in der vergangen Woche, bei dem vier deutsche Soldaten ums Leben gekommen waren, haben die Taliban unterdessen noch kein Bekennerschreiben veröffentlicht. Es gibt zwar ein Bekennerschreiben, das möglicherweise zu dem Vorfall in der Provinz Baghlan passt, aber in dem ist nur unbestimmt von einem Angriff auf "Nato-Soldaten" die Rede.

Mitarbeit: Matthias Gebauer

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insgesamt 49 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.04.2010 von seine_unermesslichkeit: ...

Für wie blöd halten Sie die Amis?! Die haben doch wohl inzwischen mitbekommen, dass die Deutschen in Afghanistan über keine nennenswerte Feuerkraft, geschweige denn Kampfeswillen verfügen. Da wird der Yankee wol kaum von [...] mehr...

22.04.2010 von MarkH:

Hauptsache Sie kommen zurück und wir müssen nicht weiter zahlen. mehr...

22.04.2010 von Julian Bachert: ...

Die Alliierten waren am Ende des zweiten Weltkrieges auch Besetzer, die durchaus Widerstand zu spüren bekamen. Ich bin kein bedingungsloser Freund des Militärengagements in Afghanistan, möchte Ihnen aber vor Augen führen, dass [...] mehr...

22.04.2010 von teopred2: Titelstreik

So ein Blödsinn: Deutsche raus aus Afghanistan und Afghanen raus aus Deutschland. Dann dürfen sie sich mit ihrem heimatland rumschlagen. Es wird dann Entscheidungen geben. So wird das was mit Völkerverständigung. mehr...

22.04.2010 von AvonM: wieder Typisch

@ viceman Zitat: es ist richtig. die bundewehr führt einen ehrlosen krieg in afghanistan. ein krieg der lug und betrug von einem der verbrecherischten us-präsidenten aller zeiten angezettelt wurde...... so so....und sie [...] mehr...

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Fotos Michael Kappeler/ DDP, Bulls/ Barcroft Media

Heft 16/2010:
Im Krieg

Deutsche Soldaten über das Töten und Sterben in Afghanistan

Inhaltsverzeichnis

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Chronologie

Die tödlichen Angriffe vom 15. April

Vier deutsche Soldaten getötet, fünf weitere verletzt - das ist die tragische Bilanz der bisher folgenschwersten Angriffe auf die Bundeswehr in Nordafghanistan. Die folgende Chronologie zeigt den Ablauf der Anschläge - klicken Sie auf die Uhrzeiten, um mehr zu erfahren.

Quelle: Bundeswehr; alle Angaben in afghanischer Ortszeit.

14.30 Uhr: Sprengsatz tötet drei Deutsche

Gegen 17.00 Uhr: Fünf Menschen werden entführt

18.15 Uhr: Feuerangriff auf deutsche Soldaten

18.30 Uhr: Deutscher Arzt stirbt bei Beschuss


Was nach dem Luftangriff geschah

4. September 2009

AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigt den Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster. Den Angriff, bei dem auch Zivilisten sterben, hat der deutsche Oberst Georg Klein angefordert. Die Taliban hätten gedroht, "auch und gerade vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Bundeswehr" zu verüben, erklärt Jung. "Deshalb war es eine sehr konkrete Gefahrenlage, wenn die Taliban in den Besitz von zwei Tanklastwagen gekommen sind, die hier erhebliche Gefahr für unsere Soldaten bedeutet haben." An den folgenden Tagen bezeichnet Jung den Luftangriff wiederholt als "geboten".

Mehr über die Kunduz-Affäre auf der Themenseite...

5. September 2009

8. September 2009

11. September 2009

29. Oktober 2009

6. November 2009

26. November 2009

27. November 2009

2. Dezember 2009

3. Dezember 2009

16. Dezember 2009

9. März 2010

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19. April 2010

19. August 2010


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