Berlin - Seit einiger Zeit veröffentlichen die afghanischen Taliban auf ihrer offiziellen Web-Seite neben übertriebenen Bekennerschreiben und Videos von Anschlägen und militärischen Operationen auch einen sogenannten "Kommentar der Woche". Vergangene Woche beschworen die Autoren die Taliban als "landesweite Widerstandsbewegung", in der Woche davor mokierten sie sich darüber, dass US-Präsident Barack Obama nur "im Schutz der Nacht" nach Afghanistan reiste.
In dieser Woche befasst sich der namentlich nicht gekennzeichnete, aber vermutlich mit der erweiterten Talibanführung abgestimmte Text erstmals ausdrücklich und ausschließlich mit Deutschland und dem Engagement der Bundeswehr in Afghanistan - und fordert dessen Beendigung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, schwadronieren die Verfasser in dem am Mittwoch publizierten Text, hätten Deutschland und Afghanistan "enge Beziehungen" gepflegt. Diese seien nun in Gefahr. Denn "nach dem Oktober 2001, als Amerika seine kolonialistische Aggression gegen Afghanistan startete, und zwar im ungerechtfertigten Namen der Terrorismusbekämpfung, da reichte die deutsche Regierung den Amerikanern die Hand - im Widerspruch zu den Wünschen der Afghanen".
Deutsche hätten in Kunduz viele Afghanen "zu Märtyrern" gemacht
Seit nunmehr neun Jahren, heißt es in dem Beitrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, weiter, hätten die deutschen Soldaten nun "gegen die Afghanen gekämpft". Viele Afghanen seien durch die Deutschen "zu Märtyrern" geworden.
Besonders hervorgehoben wird das durch den Bundeswehroberst Georg Klein angeordnete Bombardement nahe Kunduz am 4. September 2009, als eine bisher unbekannte, aber womöglich dreistellige Zahl von Menschen getötet wurde. Amerikanische F-15-Jagdbomber hatten an jenem Tag auf deutschen Wunsch hin über einem Flussbett bei Kunduz zwei Bomben auf zwei zuvor von den Taliban entführten Tanklaster und die vermeintlichen Taliban rund um die Trucks abgeworfen.
"Amerikanische Kampfflugzeuge, auf Grundlage von Informationen deutscher Befehlshaber, bombardierten blind Zivilisten, die Benzin aus Tankwagen abzapften, die im Schlamm feststeckten", geben die Taliban den Vorfall wieder. "140 Menschen wurden getötet, einige verbrannten vollständig."
Nach diesem Vorfall, heißt es in dem Text weiter, wäre es besser und erwartet gewesen, wenn die Deutschen die Zusammenarbeit mit den Amerikaner "verschoben" hätten, gemeint ist vermutlich ausgesetzt. Die Deutschen "hätten ihre Truppen aus dem Land abziehen sollen, stattdessen versprachen sie 500 weitere Soldaten, als Geste an die Amerikaner, um ihnen zu gefallen. All dies, während die Mehrheit der Deutschen gegen die Präsenz deutscher Truppen in Afghanistan ist, jedenfalls laut aktuellen Umfragen".
Bundeswehr soll abziehen - "Je früher, desto besser"
Die Deutschen, so die Schlussforderung der Taliban, sollten nun möglichst bald aus Afghanistan abziehen, "je früher, desto besser". Es sei "rational, früh zu tun, was später ohnehin unumgänglich sein wird - unter schweren Verlusten".
Die Taliban hatten das Bombardement von Kunduz schon zuvor in ihre Propaganda eingeflochten. Am Tag nach dem Abwurf hetzten lokale Taliban-Führer und ihnen nahestehende Geistliche auf Trauerfeiern gegen die Nato und forderten Rache an den Deutschen. Taliban-Sprecher Sahibullah Mudschahed verbreitete zudem, unter den Getöteten sei kein einziger Talib-Kämpfer gewesen.
Tatsächlich wurden nach Erkenntnissen der Nato nur einige unwichtigere Kommandeure der Aufständischen durch die Bomben getötet. Nach Zeugenaussagen fürchteten die Taliban einen Luftangriff und entfernten sich von der Sandbank, als die ersten Kampfflugzeuge zu hören waren.
In dem Taliban-Text vom Mittwoch werden keine expliziten Ankündigungen von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Bundeswehr gemacht.
Es ist nicht möglich zu bestätigen, dass der veröffentlichte Text authentisch ist und tatsächlich von Taliban-Autoren stammt. Er wurde am Mittwoch auf der offiziellen englischsprachigen und anscheinend bereits am Montag auf der Original-Website der Taliban veröffentlicht, die beide seit Monaten konstant für ihre Propaganda und sonstigen Kommuniqués verwendet werden. Das Fachblog "Long War Journal" hat die "Wochenkommentare" auf diesen Web-Seiten in der Vergangenheit den Taliban zugeschrieben.
Zu dem Angriff auf ein Bundeswehrfahrzeug in der vergangen Woche, bei dem vier deutsche Soldaten ums Leben gekommen waren, haben die Taliban unterdessen noch kein Bekennerschreiben veröffentlicht. Es gibt zwar ein Bekennerschreiben, das möglicherweise zu dem Vorfall in der Provinz Baghlan passt, aber in dem ist nur unbestimmt von einem Angriff auf "Nato-Soldaten" die Rede.
Mitarbeit: Matthias Gebauer
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Für wie blöd halten Sie die Amis?! Die haben doch wohl inzwischen mitbekommen, dass die Deutschen in Afghanistan über keine nennenswerte Feuerkraft, geschweige denn Kampfeswillen verfügen. Da wird der Yankee wol kaum von [...] mehr...
Hauptsache Sie kommen zurück und wir müssen nicht weiter zahlen. mehr...
Die Alliierten waren am Ende des zweiten Weltkrieges auch Besetzer, die durchaus Widerstand zu spüren bekamen. Ich bin kein bedingungsloser Freund des Militärengagements in Afghanistan, möchte Ihnen aber vor Augen führen, dass [...] mehr...
So ein Blödsinn: Deutsche raus aus Afghanistan und Afghanen raus aus Deutschland. Dann dürfen sie sich mit ihrem heimatland rumschlagen. Es wird dann Entscheidungen geben. So wird das was mit Völkerverständigung. mehr...
@ viceman Zitat: es ist richtig. die bundewehr führt einen ehrlosen krieg in afghanistan. ein krieg der lug und betrug von einem der verbrecherischten us-präsidenten aller zeiten angezettelt wurde...... so so....und sie [...] mehr...
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