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25.04.2010
 

Ausbildung somalischer Soldaten

Erst zur EU-Schulung, dann zu den Piraten

Von Hans-Jürgen Schlamp, Brüssel

Piraten: Bestens ausgestattet
Fotos
AFP

Heikle Mission am Horn von Afrika: Die EU will 2000 somalische Soldaten ausbilden, doch viele Absolventen früherer Trainings kämpfen inzwischen für Terrormilizen oder kapern Schiffe. Sold aus US-Kassen soll die Rekruten bei der Fahne halten. Aber: Der Gegner zahlt besser.

Anfang Mai werden sich knapp 150 Soldaten aus 14 EU-Ländern, darunter 13 deutsche, auf eine höchst brisante Afrikareise begeben: Sie sollen 2000 Armeeoffiziere aus Somalia in moderner Kriegskunst unterweisen. Weil das im bürgerkriegszerrütteten Somalia selbst für hochgerüstete Soldaten viel zu gefährlich wäre, wird die Ausbildung in Camps im nahegelegenen Uganda verlegt. Dort werden im Auftrag der Afrikanischen Union schon jetzt somalische Soldaten von ugandischen Militärs gedrillt, bezahlt mit 60 Millionen Euro von der EU.

Auch Frankreich sorgt in seiner Militärbasis Djibouti für steten Soldatennachschub in Somalia. Schon lange drängen die Franzosen, aber auch die Geostrategen in Washington die Ugander, sich an der Aufgabe zu beteiligen.

Bislang hatten die meisten EU-Länder sich dem Drängen auf eine gemeinsame europäische Ausbildungsmission verweigert. Ihre Zurückhaltung war durchaus begründet: Tausende in den vergangenen Jahren - etwa von Äthiopien oder Uganda - gedrillter junger Somalier liefen nach der Ausbildung mitsamt ihren Waffen, Uniformen und Fahrzeugen umgehend zum Feind über. Andere machten sich mit dem erworbenen Know-how und der geschenkten Ausrüstung an Straßenkreuzungen selbständig: Sie berauben und terrorisieren dort ihre Landsleute. Und nicht wenige fanden auch gut bezahlte Jobs bei den Gangs, die sich auf das Kidnapping von Öltankern und Frachtern spezialisiert haben.

Die Regierung im Nachbarland Äthiopien zum Beispiel schätzt, dass von den 17.000 "Sicherheitskräften", die in den vergangenen Jahren von äthiopischen Offizieren trainiert wurden, inzwischen rund 14.000 verschwunden sind. Nur knapp 3000 - das sind gerade einmal 17 Prozent der Ausgebildeten - sind demnach noch in Diensten der sogenannten Übergangsregierung. Die wird zwar international weitgehend anerkannt, kann aber - trotz der massiven Waffenhilfe - nur Teile der Hauptstadt und ein paar Kilometer Straße bis zum Flughafen kontrollieren.

40 Prozent der ausgebildeten Polizeioffiziere sind desertiert

Bei der Polizei sieht es nicht anders aus. Als Kontrolleure der Vereinten Nationen im Jahre 2008 nachforschten, wo die von ihr ausgebildeten Polizeioffiziere abgeblieben seien, war das Ergebnis der Recherche ebenso fatal: 40 Prozent der Zöglinge waren offenbar desertiert. Der Rest, der noch im Dienst war, hatte freilich auch nicht den besten Leumund. Von Übergriffen gegen die Bevölkerung und von Menschenrechtsverletzungen ist ständig die Rede.

Kenner der Region, Sicherheitsexperten und auch Politiker in Brüssel sehen die neue EU-Ausbildungsmission denn auch sehr kritisch. Junge Männer an Waffen zu schulen mache nur Sinn, wenn das in ein Gesamtkonzept für Frieden und Wiederaufbau eingebettet sei, sagen sie. Sonst bilde Europa den Nachwuchs für die fanatische Islamisten-Bewegung "Al Shabaab" und viele andere Privatarmeen von Sekten, Gangs oder regionalen Warlords in Somalia aus, fürchtet etwa die Europaabgeordnete der Grünen, Franziska Brantner. Ihre Warnung: "Ohne Gesamtkonzept wird die Ausbildungsmission ein Marsch ins Desaster".

Um das möglichst zu verhindern, sollen die Offiziersschüler künftig bezahlt werden. Weil die "Übergangsregierung" aber kein Geld hat, wird nun der Sold für die EU-geschulten Waffenträger gleich mitgeliefert - auf versteckten Pfaden. Nicht Brüssel, sondern Washington spendiert jedem somalischen EU-Rekruten während und nach der Ausbildung etwa hundert Dollar im Monat. Für die ebenso unauffällige wie korrekte Auszahlung ist der Wirtschaftsprüfungs-Multi PriceWaterhouseCooper (PWC) zuständig. Dauerhaft werde der Job für die PWC-Buchhalter vermutlich nicht sein, fürchten Fachleute. Denn Milizen und Piraten zahlten deutlich mehr als hundert Dollar.

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insgesamt 24 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.03.2011 von law1964: Somalia unter internationaler Verwaltung

Besser als die Ausbildung von somalischen Soldaten wäre es das Land unter internationaler Verwaltung zu stellen, leider gibt es hier nicht genug Stimmen bei uns und auch nicht genug Soldaten und MAterial. Wichtiger bzw eine andere [...] mehr...

16.03.2011 von brd-mensch: Der Fisch stinkt vom Kopf zuerst

Ich denke darüber, dass wir zuerst in Brüssel und auch bei den UN beginnen müssen. Von Ruanda bis Bosnien haben wir doch das Versagen wieder und wieder mitbekommen. Aber solange Brüssel zum Wegloben von Apparatschiks und [...] mehr...

25.04.2010 von tomcatXXX: Mir stockt der Atem

Muss mich auch fragen, ob wir den 1.April haben? Wir bilden diese Leute noch aus? Mit unseren Steuergeldern? Und heulen dann vor Betroffenheit, wenn die Särge aus AFG kommen.? Und obwohl wir wissen, dass die Bande sich dann sofort [...] mehr...

25.04.2010 von schwarzer Schmetterling: leider daneben

der wahrhafte witz ist andere arbeitsbeschaffungsmassnahme: - in afg passen unsere soldaten auf, dass der mohn gut blüht, sind nur paar warlords und clanchefs beteiligt - im kosovo passen unsere soldaten auf, dass die [...] mehr...

25.04.2010 von runzel: Der "fortschrittliche" Westen

kann halt nicht das in Ordnung bringen, was er vor Ewigkeiten in Unordnung gebracht hat. Das muss der Kontinent leider alleine schaffen. Das wird der Kontinent auch schaffen, aber es wird eben dauern. Der Frieden in Europa wurde [...] mehr...

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"Atalanta" und Eufor

Die EU-Mission "Atalanta"

An dem Anti-Piraten-Einsatz der Europäischen Union am Horn von Afrika nehmen bis zu 1400 Bundeswehrsoldaten teil. Derzeit sind es rund 240 deutsche Soldaten und die Fregatte "Bremen". Sie sollen gemeinsam mit Soldaten aus anderen europäischen Ländern die Schiffe des Welternährungsprogramms, bei Bedarf auch zivile Schiffe, vor Übergriffen schützen sowie die Seewege überwachen. Der Einsatzbereich umfasst bis zu 500 Seemeilen.

Laut EU-Beschluss lautet das Ziel der Mission: "die Abschreckung, Verhütung und Bekämpfung von seeräuberischen Handlungen und bewaffneten Raubüberfällen". Dazu gehört explizit auch der "Einsatz von Gewalt". Der bislang geltende Einsatz war bis zum 15. Dezember 2009 befristet.

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Der italienische Zerstörer ist ein 5000-Tonnen-Mehrzweckkriegsschiff. Es dient der Abwehr von Luft- und U-Boot-Angriffen - letztere werden im Golf natürlich keine Rolle spielen. Bei Landgang und Küstenbombardierungen kann der Zerstörer Schützenhilfe leisten. Dieses erste Schiff der De-la-Penne-Serie wurde 1993 in Betrieb genommen. Der italienische Admiral Giovanni Gumiero führte den Nato-Flottenverband, bevor das Schiff zur Anti-Piraterie-Mission geschickt wurde.

Fregatte "Themistokles"

Fregatte "Cumberland"





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