Von Hans-Jürgen Schlamp, Brüssel
Anfang Mai werden sich knapp 150 Soldaten aus 14 EU-Ländern, darunter 13 deutsche, auf eine höchst brisante Afrikareise begeben: Sie sollen 2000 Armeeoffiziere aus Somalia in moderner Kriegskunst unterweisen. Weil das im bürgerkriegszerrütteten Somalia selbst für hochgerüstete Soldaten viel zu gefährlich wäre, wird die Ausbildung in Camps im nahegelegenen Uganda verlegt. Dort werden im Auftrag der Afrikanischen Union schon jetzt somalische Soldaten von ugandischen Militärs gedrillt, bezahlt mit 60 Millionen Euro von der EU.
Auch Frankreich sorgt in seiner Militärbasis Djibouti für steten Soldatennachschub in Somalia. Schon lange drängen die Franzosen, aber auch die Geostrategen in Washington die Ugander, sich an der Aufgabe zu beteiligen.
Bislang hatten die meisten EU-Länder sich dem Drängen auf eine gemeinsame europäische Ausbildungsmission verweigert. Ihre Zurückhaltung war durchaus begründet: Tausende in den vergangenen Jahren - etwa von Äthiopien oder Uganda - gedrillter junger Somalier liefen nach der Ausbildung mitsamt ihren Waffen, Uniformen und Fahrzeugen umgehend zum Feind über. Andere machten sich mit dem erworbenen Know-how und der geschenkten Ausrüstung an Straßenkreuzungen selbständig: Sie berauben und terrorisieren dort ihre Landsleute. Und nicht wenige fanden auch gut bezahlte Jobs bei den Gangs, die sich auf das Kidnapping von Öltankern und Frachtern spezialisiert haben.
Die Regierung im Nachbarland Äthiopien zum Beispiel schätzt, dass von den 17.000 "Sicherheitskräften", die in den vergangenen Jahren von äthiopischen Offizieren trainiert wurden, inzwischen rund 14.000 verschwunden sind. Nur knapp 3000 - das sind gerade einmal 17 Prozent der Ausgebildeten - sind demnach noch in Diensten der sogenannten Übergangsregierung. Die wird zwar international weitgehend anerkannt, kann aber - trotz der massiven Waffenhilfe - nur Teile der Hauptstadt und ein paar Kilometer Straße bis zum Flughafen kontrollieren.
40 Prozent der ausgebildeten Polizeioffiziere sind desertiert
Bei der Polizei sieht es nicht anders aus. Als Kontrolleure der Vereinten Nationen im Jahre 2008 nachforschten, wo die von ihr ausgebildeten Polizeioffiziere abgeblieben seien, war das Ergebnis der Recherche ebenso fatal: 40 Prozent der Zöglinge waren offenbar desertiert. Der Rest, der noch im Dienst war, hatte freilich auch nicht den besten Leumund. Von Übergriffen gegen die Bevölkerung und von Menschenrechtsverletzungen ist ständig die Rede.
Kenner der Region, Sicherheitsexperten und auch Politiker in Brüssel sehen die neue EU-Ausbildungsmission denn auch sehr kritisch. Junge Männer an Waffen zu schulen mache nur Sinn, wenn das in ein Gesamtkonzept für Frieden und Wiederaufbau eingebettet sei, sagen sie. Sonst bilde Europa den Nachwuchs für die fanatische Islamisten-Bewegung "Al Shabaab" und viele andere Privatarmeen von Sekten, Gangs oder regionalen Warlords in Somalia aus, fürchtet etwa die Europaabgeordnete der Grünen, Franziska Brantner. Ihre Warnung: "Ohne Gesamtkonzept wird die Ausbildungsmission ein Marsch ins Desaster".
Um das möglichst zu verhindern, sollen die Offiziersschüler künftig bezahlt werden. Weil die "Übergangsregierung" aber kein Geld hat, wird nun der Sold für die EU-geschulten Waffenträger gleich mitgeliefert - auf versteckten Pfaden. Nicht Brüssel, sondern Washington spendiert jedem somalischen EU-Rekruten während und nach der Ausbildung etwa hundert Dollar im Monat. Für die ebenso unauffällige wie korrekte Auszahlung ist der Wirtschaftsprüfungs-Multi PriceWaterhouseCooper (PWC) zuständig. Dauerhaft werde der Job für die PWC-Buchhalter vermutlich nicht sein, fürchten Fachleute. Denn Milizen und Piraten zahlten deutlich mehr als hundert Dollar.
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Besser als die Ausbildung von somalischen Soldaten wäre es das Land unter internationaler Verwaltung zu stellen, leider gibt es hier nicht genug Stimmen bei uns und auch nicht genug Soldaten und MAterial. Wichtiger bzw eine andere [...] mehr...
Ich denke darüber, dass wir zuerst in Brüssel und auch bei den UN beginnen müssen. Von Ruanda bis Bosnien haben wir doch das Versagen wieder und wieder mitbekommen. Aber solange Brüssel zum Wegloben von Apparatschiks und [...] mehr...
Muss mich auch fragen, ob wir den 1.April haben? Wir bilden diese Leute noch aus? Mit unseren Steuergeldern? Und heulen dann vor Betroffenheit, wenn die Särge aus AFG kommen.? Und obwohl wir wissen, dass die Bande sich dann sofort [...] mehr...
der wahrhafte witz ist andere arbeitsbeschaffungsmassnahme: - in afg passen unsere soldaten auf, dass der mohn gut blüht, sind nur paar warlords und clanchefs beteiligt - im kosovo passen unsere soldaten auf, dass die [...] mehr...
kann halt nicht das in Ordnung bringen, was er vor Ewigkeiten in Unordnung gebracht hat. Das muss der Kontinent leider alleine schaffen. Das wird der Kontinent auch schaffen, aber es wird eben dauern. Der Frieden in Europa wurde [...] mehr...
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