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01.05.2010
 

Griechenland in der Krise

Regierung regelt Hilfspakt - Volk rebelliert

Athen: Krawalle in der Innenstadt
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dpa

Griechenland hat sich mit den Sanierern von EU und IWF offenbar auf ein Hilfs- und Sanierungsprogramm geeinigt. Details sind noch unklar - doch auf Athens Straßen zeigte sich schon bei den Mai-Demonstrationen die Wut über die geplanten Sparaktionen. Autos brannten, es gab Kämpfe mit der Polizei.

Athen - Die Verhandlungen über das Hilfspaket für Griechenland sind offenbar beendet. Bei den Gesprächen der Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU habe es eine Einigung auf die grundlegenden Maßnahmen gegeben, berichten Fernsehsender und Nachrichtenagenturen. Beraten werde jetzt noch über den Text des Gesetzentwurfs, der am Sonntag dem Parlament vorgelegt werden soll. Ministerpräsident Giorgos Papandreou wird an diesem Sonntagmorgen voraussichtlich den erfolgreichen Abschluss bekanntgeben. In einer Zwei-Zeilen-Erklärung kündigte sein Büro für 9.30 Uhr Ortszeit eine Tagung des Ministerrats an.

Details über die Einigung sollen erst danach bekannt gegeben werden, wenn Finanzminister Giorgos Papakonstantinou die beschlossenen Maßnahmen offiziell vorstellt. Er fliegt anschließend nach Brüssel. Dort stimmen am Nachmittag die Euro-Finanzminister bei einem Sondertreffen über das Rettungspaket ab. Sie müssen einstimmig beschließen, dass der Hilfsplan umgesetzt wird - nach neuen Schätzungen könnte er 140 Milliarden Euro umfassen.

Deutschland und Frankreich haben an diesem Samstag noch einmal ihre Haltung für das Treffen abgestimmt. Präsident Nicolas Sarkozy telefonierte mit Kanzlerin Angela Merkel. Beide seien entschlossen, den Unterstützungsplan umzusetzen, teilte die französische Seite mit. Wenn das dreijährige Programm zwischen Griechenland, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) unter Dach und Fach sei, könne es losgehen. Griechenland verhandelt seit Tagen mit Experten des IWF, der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Sarkozy und Merkel wollen den Angaben zufolge binnen Tagen Initiativen starten, um Kontrollen in der Euro-Zone zu verbessern, Spekulationen besser zu bekämpfen und Rating-Agenturen zu regulieren. Merkel verlangte in der "Bild am Sonntag" drastisch verschärfte Euro-Stabilitätskriterien: "In letzter Konsequenz muss es künftig möglich sein, einem Land, das seine Verpflichtungen nicht einhält, zumindest vorübergehend das Stimmrecht zu nehmen. Deutschland hält das für unerlässlich."

"Nein zur IWF-Junta"

Mit den nun bevorstehenden Einschnitten im Rahmen des Hilfspakets stehen der griechischen Regierung schwierige Wochen und Monate bevor. Schon an diesem Samstag eskalierten Mai-Demonstrationen in Athen. Im Zentrum der Hauptstadt kam es bei Protesten gegen das Sparprogramm zu Krawallen.

Zehntausende Griechen waren in Städten des Landes auf die Straße gegangen, die Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen. Die Kundgebungsteilnehmer zogen in Athen vor die Büros der EU und weiter zur US-Botschaft. Auf Bannern und in Sprechchören protestierten sie gegen die zeitgleich im Finanzministerium tagenden Experten von IWF, EU und EZB. In Anspielung auf die Militärdiktatur in dem Mittelmeerland (1967-1974) skandierten viele die Parole: "Nein zur IWF-Junta". Ein Großteil der Teilnehmer waren Staatsbedienstete und Mitglieder oder Sympathisanten der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) - insgesamt waren es aber weniger, als sich die Gewerkschaften zum Maifeiertag erhofft hatten.


Nachdem zunächst 17.000 Menschen friedlich demonstriert hatten, griffen Autonome die Polizei mit Steinen und Brandflaschen an. Vor allem rund um den zentralen Syntagmaplatz und um das Parlamentsgebäude kam es zu Zwischenfällen. Hier wurden auch Fernsehteams attackiert und ein Übertragungswagen des griechischen Fernsehens ERT angezündet, der komplett ausbrannte. Ein weiterer Übertragungswagen und zahlreiche Mülleimer gerieten in Brand. Vermummte Demonstranten lieferten sich Schlägereien mit der Polizei und warfen Steine auf Schaufenster und Banken in den Gassen des Stadtzentrums.

Drohungen gegen Politiker

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Viele Menschen flüchteten wegen des Tränengases aus dem Zentrum. Der ehemalige sozialistische Parlamentspräsident und heutige Abgeordnete Apostolos Kaklamanis wurde mit Flaschen und Steinen beworfen. In letzter Minute konnte er sich in ein Café retten. Demonstranten beschimpften Politiker als Diebe und Lügner.

Am Nachmittag verlagerten sich die Ausschreitungen in das als Autonomen-Hochburg geltende Stadtviertel Exarchia. Zehn mutmaßliche Randalierer wurden nach Polizeiangaben festgenommen, schwer verletzt wurde offenbar niemand. Auch in Thessaloniki kam es am Rande der Demonstrationen zu kleineren Ausschreitungen zwischen Anarchisten und Sicherheitskräften.

Die Generalsekretärin der Kommunistischen Partei, Aleka Papariga, rief zum "Aufstand" gegen das "verfaulte politische System" auf. Der Präsident der Staatsbediensteten-Gewerkschaft (ADEDY), Spyros Papaspyros, forderte die Beamten zum "Kampf" um ihre Rechte auf. "Die Rechnung müssen diejenigen zahlen, die für die Defizite verantwortlich sind", meinte der Gewerkschafter im Fernsehen.

Mehrzahl der Bürger erwartet schwere Zeiten

Ministerpräsident Papandreou hatte seine Landsleute am Freitag auf neuerliche Einschnitte eingestimmt. Es gehe darum, den Staat vor dem Bankrott zu bewahren. Griechenland mit seinen elf Millionen Einwohnern muss in den kommenden Jahren 24 Milliarden Euro sparen.

Die Grundzüge des geplanten Sparprogramms sehen wie folgt aus:

  • Die Gehälter im staatlichen Sektor sollen eingefroren werden,
  • das 13. und 14. Monatsgehalt soll wegfallen,
  • das durchschnittliche Rentenalter von 61,3 auf 63,4 Jahre steigen,
  • die Mehrwertsteuer von 21 auf 23 oder sogar 25 Prozent,
  • auch die Steuern auf Tabak, Spirituosen und Kraftstoff werden erhöht.

Mehr als 94 Prozent der Bürger glauben einer Umfrage zufolge, dass ihnen noch schlimmere Tage bevorstehen. Experten befürchten, dass der Widerstand in der Bevölkerung noch wachsen könnte. Vor allem die zunftartigen Gewerkschaften des wichtigen staatlichen Bereichs und die kleineren kommunistischen Gewerkschaften proben den Aufstand. Sie wollen am kommenden Mittwoch das Land mit weitreichenden Streiks lahmlegen.

Schon an diesem Samstag wurden in Griechenland die Bahn und die Fähren bestreikt. In staatlichen Krankenhäusern behandelten die Ärzte nur Notfälle. Ab Montag wollen die Lehrer jeden Tag vier Stunden streiken. Industrielle und Händler fürchten, dass die Proteste den Markt abwürgen und zu einer dramatischen Rezession führen könnten.

sto/apn/dpa/Reuters

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insgesamt 8584 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
20.07.2010 von Ghost12:

Was Sie als "verbrecherische Methoden" bezeichnen- wird in der kompletten Eurozone praktiziert. Nebenhaushalte, Hochverschuldung. Keine Solidarität mit so etwas, das ist richtig. Auch keine Solidarität mit den [...] mehr...

19.07.2010 von totalmayhem:

entschuldigung, wer sich mit verbrechererichen methoden (unterstuetzt von G&S et al) zugang zu dieser waehrungsunion erschleicht hat jeglichen anspruch auf solidaritaet verwirkt. zum thema 'solidaritaet' steht im im vertrag [...] mehr...

13.07.2010 von zuhören und verstehen:

Wenn die Europäer zusammen halten, kann Griechenland durchaus "gerettet" werden. Man muss einfach nur dabei helfen, das Chaos zu beseitigen und finanzielle Rückendeckung geben. Bsp. Die Regierung wusste bisher [...] mehr...

13.07.2010 von fatalismo: Aber doch nicht ausgerechnet Kreta...

...wissen wir doch, dass alle Kreter Lügner sind. Spaß beiseite. Die Griechen mögen uns alles in allem ganz schön beschwindelt haben. Aber eine Entschuldung müsste bei gutem Willen innerhalb des Euro-Systems möglich sein. Wir [...] mehr...

25.06.2010 von redhead72: Jetzt verkaufen die Griechen wirklich ihre Inseln...

Tja, da haben die Griechen wohl in der Tat den Rat eines deutschen Politikers befolgt, und verkaufen zur Schuldentilgung ein paar Inseln: http://www.guardian.co.uk/world/2010/jun/24/greece-islands-sale-save-economy Also, [...] mehr...

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EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Hilfe

Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.

Das Geld

Die Kosten

Die Sanktionen

Die Konditionen im Detail

Volumen

Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.

Zinshöhe

Hilfsanfrage

Auflagen


Länderlexikon Griechenland

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,359 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Loukas Papademos

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