Aus Athen berichtet Björn Hengst
Der Raum hat den Charme eines Vereinsheims der siebziger Jahre. Graue Fliesen, beige Lamellenvorhänge, unter den Decken brummen Neonröhren. Die Tristesse passt zur Agenda jenes Mannes, der vorne am Tisch sitzt, vor einer gemischt griechisch-europäischen Flaggenkombination. Giorgos Papakonstantinou, dunkler Anzug, Krawatte, weißes Hemd, die schwarzen Haare nach hinten gekämmt, führt in diesen Tagen einen inoffiziellen Titel: "Wie fühlt es sich an, meistgehasster Mann Griechenlands zu sein?", fragt ein britischer Journalist.
Papakonstantinou lacht. Es wirkt gequält. "Den Eindruck habe ich nicht", sagt er. Was sollte der griechische Finanzminister auch sonst sagen?
Er hat den derzeit wohl undankbarsten Job im Land: vor den elf Millionen Bürgern die Sparmaßnahmen zu vertreten, die der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU dem hochverschuldeten Land im Gegenzug für ihre Multimilliarden-Finanzhilfen aufzwingen. An diesem Sonntag ist es soweit. Premierminister Georgios Papandreou hat am Morgen in einer vom Fernsehen übertragenen Kabinettsitzung mit dramatischen Worten die Lage seines Landes beschrieben: "Wir müssen große, aber notwendige Opfer bringen." Konkretes überließ der Sozialist aber seinem Minister.
Also redet jetzt Papakonstantinou 45 Minuten lang im dritten Stock seines Ministeriums. "Harte Verhandlungen" mit dem IWF, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU seien gewesen, sagt er. Und verkündet dann die Pläne:
30 Milliarden Euro will Griechenland in den kommenden drei Jahren in seinem Haushalt einsparen. Bis Ende 2014 soll das Staatsdefizit von 13,6 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden. Doch was, wenn es zu massiven Protesten in der Bevölkerung kommt? Bleibt die Regierung dann auf der Linie? "Wir werden diesen Weg gehen", sagt Papakonstantinou. "Es ist der einzige, der uns rettet."
Nicht wenige Griechen fürchten, dass die Sparaktion zu drastisch ausfällt und die Rezession noch verschärft. Niedrigere Löhne und höhere Steuern schwächen die Binnenkonjunktur. Sie aber ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor - die Exportwirtschaft spielt in Griechenland keine große Rolle.
Das Sparpaket der Regierung richtet sich in der Tat vor allem gegen die Beamten. Sie haben in Griechenland im Schnitt 40 Prozent höhere Gehälter als die Angestellten in der Privatwirtschaft. Und der öffentliche Dienst wurde in den vergangenen Jahrzehnten aufgebläht - begonnen hat damit schon die 1981 gewählte Regierung von Papandreous Vater Andreas. Im Dezember 1984 wurden an einem einzigen Tag 50.000 sogenannte außerordentliche Beamte eingestellt. Parteifreunde wurden immer mit gutdotierten Staatsjobs versorgt - egal ob unter Sozialisten oder Konservativen. Heute arbeitet jeder vierte Berufstätige für den Staat. In Deutschland ist es jeder achte. Gewöhnliche griechische Angestellte dagegen haben schon lange das Gefühl, unverhältnismäßig belastet zu werden.
Viele Griechen schaffen es gar nicht erst, einen Angestelltenjob mit festem Vertrag zu finden. So wie Thanassis M. Der 27-Jährige arbeitet seit sieben Jahren als Tontechniker, "immer schwarz, ich habe gar keine andere Wahl". Einen Job mit festem Vertrag und Sozialversicherungsleistungen des Arbeitgebers hat ihm noch niemand angeboten. In die Rentenkasse kann er nur durch einen Trick einzahlen - ein Freund von ihm ist selbständig und führt Thanassis auf dem Papier als seinen Angestellten. So zahlt Thanassis M. einen geringen Beitrag auf sein Rentenkonto, ohne Arbeitgeberzuschuss.
Um im Alter wenigstens einen minimalen Anspruch zu haben.
Mitarbeit: Ferry Batzoglou
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Was Sie als "verbrecherische Methoden" bezeichnen- wird in der kompletten Eurozone praktiziert. Nebenhaushalte, Hochverschuldung. Keine Solidarität mit so etwas, das ist richtig. Auch keine Solidarität mit den [...] mehr...
entschuldigung, wer sich mit verbrechererichen methoden (unterstuetzt von G&S et al) zugang zu dieser waehrungsunion erschleicht hat jeglichen anspruch auf solidaritaet verwirkt. zum thema 'solidaritaet' steht im im vertrag [...] mehr...
Wenn die Europäer zusammen halten, kann Griechenland durchaus "gerettet" werden. Man muss einfach nur dabei helfen, das Chaos zu beseitigen und finanzielle Rückendeckung geben. Bsp. Die Regierung wusste bisher [...] mehr...
...wissen wir doch, dass alle Kreter Lügner sind. Spaß beiseite. Die Griechen mögen uns alles in allem ganz schön beschwindelt haben. Aber eine Entschuldung müsste bei gutem Willen innerhalb des Euro-Systems möglich sein. Wir [...] mehr...
Tja, da haben die Griechen wohl in der Tat den Rat eines deutschen Politikers befolgt, und verkaufen zur Schuldentilgung ein paar Inseln: http://www.guardian.co.uk/world/2010/jun/24/greece-islands-sale-save-economy Also, [...] mehr...
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