Aus Athen berichtet Björn Hengst
Ihr Blick ist ohne Halt, das Make-Up verlaufen. Im Gesicht hat sie dunkle, rußige Flecken, die Arme sind pechschwarz. Aber sie hat den Brand überlebt.
Helfer bringen die Frau aus der Marfin-Egnatia-Bank am Omonoia-Platz in der Athener Innenstadt in Sicherheit. Für drei Angestellte ist die Filiale zu einer tödlichen Falle geworden. Randalierer hatten Molotow-Cocktails in das Gebäude geworfen, es geriet in Brand - im raucherfüllten Treppenhaus sind zwei Frauen und ein Mann zusammengebrochen und vom Feuer erfasst worden. Jede Hilfe für sie kommt zu spät.
Eine ums Leben gekommene Bankangestellte war nach Angaben von Kollegen schwanger. Als am Nachmittag ihre Leiche aus dem Bankgebäude getragen wurde, brach ihr Mann weinend zusammen.
Dieser Mittwoch ist in der griechischen Hauptstadt ein Tag, an dem mancherorts das Recht außer Kraft gesetzt scheint. Für Stunden versinkt Athen im Chaos.
Am Dienstag hatte die Gewerkschaft der Staatsbediensteten angefangen zu streiken, an diesem Mittwoch nun schließen sich jene aus der Privatwirtschaft an. Sie richten sich gegen das verhasste Sparprogramm der Regierung, das Voraussetzung für die 110-Milliarden-Euro-Hilfe von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) war. Am Donnerstag soll das Parlament das Paket beschließen, und darum wollen die Protestführer jetzt ein Zeichen setzen: Eine friedliche Großkundgebung vor dem Parlament soll Höhepunkt des Generalstreiks sein.
Doch es kommt anders.
Auch vor dem Parlament spielen sich am Mittwochmittag Tumulte ab. Tausende Polizisten mit Schlagstöcken, Helmen, Schutzschilden und Tränengas stehen Zehntausenden Demonstranten gegenüber. Viele Protestler beschimpfen die Polizei. Und die Politiker. "Da drüben sitzen die Verbrecher", ruft einer und deutet auf das Abgeordnetenhaus. "Alle auf die Straßen" oder "Null Toleranz" steht auf den Transparenten.
"Die Regierung hat es nicht anders verdient"
Dutzende Protestler versuchen das Parlament zu stürmen. Irgendwann stoßen sie auf eine Kette von Sonderpolizisten. Ein Demonstrant zerrt an einem Schutzschild eines Sicherheitsbeamten, ein anderer prügelt mit dem Stock seiner Fahne auf die Einsatzkräfte ein. Die Beamten setzen Tränengas ein. Es kracht laut, einmal, zweimal, immer wieder in regelmäßigen Abständen. Tränengasbomben, die die Polizei abfeuert. Irgendwann ist der Syntagma-Platz vor dem Parlament in Nebel gehüllt. Etliche Demonstranten halten Tücher vor ihre Augen. Dann gehen sie wieder zum Angriff über. Sie sind vermummt, tragen Motorradhelme, werfen Brandsätze, dazwischen stehen wild gestikulierende Polizisten.
"Verrückt", sagt ein Jugendlicher. Er sitzt auf seinem Mountainbike, schaut aus der Entfernung auf die Krawalle. "Ich mache da nicht mit - aber die Regierung hat es nicht anders verdient", sagt er.
Erst als sich die Nachricht vom Tod der drei Menschen in der Bank in der Stadt verbreitet, lässt die Intensität der Unruhen nach. Es wird stiller - die Meldung spricht sich schnell herum.
Das Parlament hält eine Schweigeminute ab. Präsident Karolos Papoulias verurteilt die Gewalt: Das Land stehe "am Rande des Abgrunds", sagt er. "Es ist die Verantwortung von uns allen, nicht in die Leere zu fallen." Er habe keine Worte, um seinen Schmerz und seinen Zorn angesichts der Todesfälle auszudrücken. Die drei Bankmitarbeiter seien Opfer "abstoßender Gewalt" geworden.
"Wir werden nicht einen Schritt zurückgehen"
"Wir sind zutiefst erschüttert über den ungerechten Tod der drei Bankangestellten, unserer Mitbürger, die Opfer eines Mordanschlags wurden", sagt Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Die Täter würden gefunden und zur Rechenschaft gezogen. Danach verteidigt er das Sparprogramm seiner Regierung.
Man sollte nicht den Fehler machen, die Krawallmacher mit der griechischen Bevölkerung gleichzusetzen. In Umfragen in den vergangenen Tagen hat sich eine Mehrheit der Griechen für das Sparpaket ausgesprochen. Der Protest wird aus den starken Gewerkschaften getragen, von radikalen Linken wie den Kommunisten - die Randalierer sind allerdings auch in ihren Reihen die Minderheit.
Ihren Protest zurückfahren wollen die Organisatoren nach diesem tödlichen Mittwoch keineswegs. Die Gewerkschaft der Staatsbediensteten hat für kommende Woche weitere Streiks gegen das Sparprogramm angekündigt.
"Der Kampf geht weiter", sagt Vizechef Ilias Vrettakos.
"Wir werden nicht einen Schritt zurückgehen", sagt dagegen Finanzminister Giorgios Papakonstantinou vor dem Parlament.
Und fügt hinzu, die sozialistische Regierung sei bereit, "einen hohen politischen Preis" zu bezahlen, um das Land aus der Schuldenkrise zu führen.
Mit Material von Reuters und Mitarbeit von Ferry Batzoglu
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wenn der Wähler wenigstens eine Wahl gehabt hätte ... ;-) mehr...
Der Herr Trichet hätte vielleicht erst einmal einen "Quantensprung" im eigenen Hirn vollführen müssen , bevor er den für Europa fordert. Druckt der eigentlich auf Teufel und komm raus Euros, ohne ab und zu mal zu [...] mehr...
Wenn es ein vernünftiges Umschuldungsabkommen gegeben hätte, wäre Griechenland geholfen gewesen. Aber einfach Zahlungseinstellung führt zur Kreditunwürdigkeit, siehe Argentinien. Dann gibt es kein Geld mehr. Das ist bei Staaten [...] mehr...
[QUOTE=Neinsowas;5513163] mein papa geht noch arbeiten, der trottel, bekommt 1500 euro netto und ich hartz4. abei bin ich schon börsen profi. in onlinespielen mache ich in realtime aus 100.000 in wenigen tagen 200.000. und [...] mehr...
Ach ne? Herr Schäuble will die Gunst der Stunde nutzen um dem Steuerzahler noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen um es dann galant in die Taschen der EU in Brüssel umzuverteilen! Wenn ich in der Regierung wäre, so wüsste ich [...] mehr...
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