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06.05.2010
 

EU-Krisenmanagement

Führungsschwäche der Europäer schockiert USA

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

US-Vizepräsident Biden: Zum Europa-Besuch nur freundliche Floskeln Zur Großansicht
AFP

US-Vizepräsident Biden: Zum Europa-Besuch nur freundliche Floskeln

Erst die Posse um die Vulkanasche, jetzt das Hin und Her in der Griechen-Krise: Washington ist entsetzt über den Mangel an Führungsstärke in der EU. Zum Gipfel in Europa wollte Barack Obama anreisen, doch das Meeting ist ihm momentan nicht wichtig genug - er schickt Vize Joe Biden.

Wenn US-Vizepräsident Joe Biden am Donnerstag Europas Hauptstadt beehrt, ist es wenigstens für seine Redenschreiber ein leichter Besuch. Schließlich soll Biden in Brüssel die transatlantische Partnerschaft feiern, da kann man zu bewährten Worthülsen greifen.

"Die Vereinigten Staaten und Europa können stolz sein, was sie gemeinsam erreicht haben", gab Biden vor Reiseantritt in einem Meinungsbeitrag in der "International Herald Tribune" den Tenor vor. "Wir haben die erfolgreichste Allianz der Geschichte geformt."

Doch die Umstände der Reise, auf der Biden Nato-Konsultationen abhalten und Madrid besuchen wird, sind weniger erhaben. Eigentlich sollte Präsident Barack Obama diesen Monat zum EU-US-Gipfel in die spanische Hauptstadt reisen. Die Europäer hatten sich schon um die Sitzordnung beim Abendessen mit ihm gestritten - aber dem Amerikaner war das Treffen nicht wichtig genug, er sagte es kurzerhand ab. Biden kommt nur als Ersatz.

Seine Visite bringt Debatten mit sich, die Europäern nicht behagen dürften. Ihr Einfluss in Washington steht nämlich wie der Euro-Kurs: Alles kann sogar noch schlimmer werden. Lange löste Europa einfach sanftes Gähnen in der US-Hauptstadt aus - nun sorgt es gar für entsetztes Kopfschütteln.

  • Erst irritierte Amerika die Posse um die Vulkanasche, als auch fehlende europäische Abstimmung rund zehn Millionen Flugreisende zu tagelangen Zwangsstopps verdonnerte.
  • Nun schockiert die unkoordinierte europäische Antwort auf die Schuldenkrise in Griechenland. "Wo ist Europa, während sich das griechische Drama abspielt?", fragt die "New York Times".

"Nicht schon wieder Gefühl" in den USA

"Der Mangel an europäischer Führungsstärke löst hier ein 'Nicht schon wieder'-Gefühl aus", sagt Jacob Kirkegaard, Research Fellow am Peterson Institute for International Economics in Washington.

Bei den Amerikanern wachse die Überzeugung, dass die europäischen Institutionen einfach nicht für politisches Krisenmanagement aufgestellt seien. Annette Heuser vom Washingtoner Büro der Bertelsmann Stiftung glaubt: "Die politische Idee eines starken und einigen Europas hat massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Die Amerikaner sehen: In Europa guckt man bei einer Krise auf den Nationalstaat, nicht nach Brüssel."

Zu verwirrend gebärdeten sich die Europäer in der Krise. Lange vertraten sie den Standpunkt, der Internationale Währungsfonds (IWF) dürfe nicht als Finanz-Feuerwehr in der Griechenland-Krise agieren. Nun geschieht aber genau das.


Bundeskanzlerin Angela Merkel kann dies als politischen Erfolg werten, denn so fordert der Fonds die Griechen zu harten Sparmaßnahmen auf, nicht sie alleine. Doch auch ihr Krisenmanagement wurde laufend von der Wirklichkeit überholt. "Erst hieß es, dass alleine die Ankündigung von Hilfe als 'Ultima Ratio' die Märkte beruhigen werde", sagt Jakob von Weizsäcker von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel. "Dann sollten die Kredite tatsächlich vergeben werden, und zwar mit verbilligten Zinsen. Es hieß, den Steuerzahler würde es trotzdem nichts kosten, denn Griechenland werde alle Schulden zurückzahlen. Mittlerweile aber scheint man zumindest in Teilen der Bundesregierung die Restrukturierung der griechischen Schulden für durchaus denkbar zu halten."

Auch der IWF selbst zeigt wenig Führungsstärke. An seiner Spitze steht ein Europäer, der Franzose Dominique Strauss-Kahn. Doch der scheut derzeit unpopuläre Entscheidungen - denn er möchte Nicolas Sarkozy als französischen Staatspräsidenten beerben.

Also wächst das Kopfschütteln in Washington. Ironischerweise taucht Europa so überhaupt wieder in den Debatten der US-Hauptstadt auf.

Man fürchtet Instabilität in Europa

Man fürchte Instabilität in Europa, ist aus Regierungskreisen besorgt zu vernehmen, sollte die Schuldenkrise sich ausdehnen. Die könnte schließlich auch Amerikas Krisenbewältigung negativ beeinflussen.

"Ich sehe einen neuen 'Balkan'-Moment'", sagt Ökonom Kirkegaard. "Anfang der neunziger Jahre konnten die Europäer den Jugoslawien-Konflikt im eigenen Hinterhof nicht lösen, und die Amerikaner mussten eingreifen. Nun erleben wir Ähnliches bei der Finanz- und Wirtschaftskrise."

Insbesondere wird den Europäern so ihre beste Werbung für die Europäische Union aus der Hand geschlagen - der funktionierende Binnenmarkt, der wirtschaftliche Aufschwung, die gelungene Erweiterungspolitik. Stattdessen rücken die politischen Mängel wieder in den Blickpunkt. Der komplizierte Lissabon-Vertrag sollte die eigentlich abstellen und Europas Institutionen schlagkräftiger machen.

Doch davon ist wenig zu sehen. Die Namen der wichtigsten neuen Verantwortlichen auf EU-Ebene - die Vertreterin für Außenbeziehungen, Catherine Ashton, und Ratspräsident Herman Van Rompuy - haben nur wenige US-Vertreter parat.

"Wer spricht für Europa? Jeder und niemand", sagt Karel Lannoo, Chef des Centre for European Policy Studies in Brüssel.

Kanzlerin Merkel gilt in Washington noch am ehesten als europäische Führungsfigur. Doch ihr zögerliches Krisenmanagement zu Griechenland sorgte ebenfalls für Enttäuschung. US-Präsident Obama musste sie persönlich anrufen und zum Schnüren des Hilfspakets ermuntern. "Gerade als man von den Deutschen Führungsstärke erwartete, schienen sie dazu nicht bereit", sagt Jackson Janes, Chef des American Institute for Contemporary German Studies in Washington.

Gelingt nicht rasch ein Kurswechsel, könnte Europa in Washington mehr denn je absteigen - zum zwar noch bedeutenden Handelsblock, der aber politisch keine Rolle spielt.

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15.05.2010 von -Philipp-: wahl(en)

wenn der Wähler wenigstens eine Wahl gehabt hätte ... ;-) mehr...

15.05.2010 von Spessartplato:

Der Herr Trichet hätte vielleicht erst einmal einen "Quantensprung" im eigenen Hirn vollführen müssen , bevor er den für Europa fordert. Druckt der eigentlich auf Teufel und komm raus Euros, ohne ab und zu mal zu [...] mehr...

15.05.2010 von c++:

Wenn es ein vernünftiges Umschuldungsabkommen gegeben hätte, wäre Griechenland geholfen gewesen. Aber einfach Zahlungseinstellung führt zur Kreditunwürdigkeit, siehe Argentinien. Dann gibt es kein Geld mehr. Das ist bei Staaten [...] mehr...

15.05.2010 von osramabenno: papa geht arbeiten

[QUOTE=Neinsowas;5513163] mein papa geht noch arbeiten, der trottel, bekommt 1500 euro netto und ich hartz4. abei bin ich schon börsen profi. in onlinespielen mache ich in realtime aus 100.000 in wenigen tagen 200.000. und [...] mehr...

15.05.2010 von Niamey: Griechenlandkrise und Sparen?

Ach ne? Herr Schäuble will die Gunst der Stunde nutzen um dem Steuerzahler noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen um es dann galant in die Taschen der EU in Brüssel umzuverteilen! Wenn ich in der Regierung wäre, so wüsste ich [...] mehr...

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Die Konditionen im Detail

Volumen

AFP
Griechenland erhält bis 2012 Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Im ersten Jahr werden alle Euro-Länder bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Auf Deutschland entfallen 2010 bis zu 8,4 Milliarden Euro. Spanien hat 3,6 Milliarden Euro angekündigt, die Niederlande 1,8 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will vom gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, das wären damit bis zu 15 Milliarden Euro.

Zinshöhe

Auflagen


Rettungspaket für Griechenland

Die Hilfe

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Griechenland erhält in den nächsten drei Jahren Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Diese Kredite bekommt das Land zu erheblich günstigeren Konditionen als auf dem Kapitalmarkt.

Die Helfer

Die Kosten für die Euro-Länder

Bedingungen und Risiken

Risiken für den deutschen Steuerzahler

Wer dem Paket noch zustimmen muss

Mini-Serie

AFP
Die Euro-Krise verschärft sich. Nach Griechenland werden zusehends auch Portugal und Spanien von Spekulanten attackiert. Irland und Italien könnten folgen.

Doch wie pleitegefährdet sind die vier Länder wirklich? In einer Mini-Serie analysiert SPIEGEL ONLINE, wie realistisch die Sparpläne der Staaten sind - und ob die Regierungen mächtig genug sind, sie umzusetzen.





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