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10.05.2010
 

Ärger mit Nuklearbehörde

Baut Brasilien eine Atombombe, Herr Minister?

Forscher mit Pellets in Nuklearanlage Resende (westlich von Rio): "Die Atommächte wollen ihr nukleares und konventionelles Macht-Oligopol festigen"Zur Großansicht
AP

Forscher mit Pellets in Nuklearanlage Resende (westlich von Rio): "Die Atommächte wollen ihr nukleares und konventionelles Macht-Oligopol festigen"

Brasilien lässt keine Inspektoren in eine Uran-Anlage, baut ein Atom-U-Boot, der Präsident flirtet mit Iran: Die Außenpolitik der Regierung in Brasilia bereitet manchen Beobachtern Sorgen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht Strategieminister Pinheiro Guimaraes über Rüstung und Verschwörungstheorien.

SPIEGEL ONLINE: Der deutsche Atomexperte Hans Rühle behauptet, dass Brasilien den Inspektoren der IAEA den Zugang zu den Zentrifugen zur Uranreicherung in Resende bei Rio verweigert, weil Brasilien dort in Wirklichkeit Nuklearwaffen entwickelt. Baut Brasilien eine Atombombe?

Samuel Pinheiro Guimaraes: Nein, das ist nicht wahr. Brasilien hat den Inspektoren der IAEA den Zugang zu den Nuklearanlagen in Resende im Rahmen des Garantieabkommens mit der IAEA erlaubt. Das brasilianische Nuklearprogramm gehorcht der brasilianischen Verfassung: Die schreibt als einzige in der Welt vor, dass alle nuklearen Aktivitäten nur friedlichen Zwecken dienen dürfen und der Genehmigung des Kongresses bedürfen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Brasilien wird das Zusatzprotokoll des Nichtverbreitungsvertrag für Atomwaffen (TNP), das eine verschärfte Kontrolle aller Nuklearanlagen vorsieht, nicht unterzeichnen. Warum?

Pinheiro Guimaraes: Die Zusatzprotokolle besagen, dass die Inspektoren der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) jederzeit ohne Vorankündigung an jedem Ort eine Inspektion vornehmen können. In der brasilianischen Verfassung steht, dass alle nuklearen Aktivitäten ausschließlich friedlichen Zwecken dienen dürfen. Außerdem haben wir ein Garantieabkommen, das ist ein absolut zufriedenstellendes Abkommen für die IAEA und für uns. Es sieht regelmäßige Inspektionen vor. Niemand bezweifelt, dass Brasiliens Nuklearprogramm friedlichen Zwecken dient.

SPIEGEL ONLINE: Isoliert sich Brasilien nicht mit dieser Entscheidung?

Pinheiro Guimaraes: Brasilien ist nie allein, wenn es seine nationalen Interessen verteidigt. Wenn ich etwas unterschreibe, nur weil ich fürchte, mich zu isolieren, verstoße ich gegen meine eigenen Interessen.

SPIEGEL ONLINE: Sie verweigern den Inspektoren der Internationalen Atombehörde den Zugang zu den Zentrifugen zur Urananreicherung. Warum?

Pinheiro Guimaraes: Wir haben die modernsten Zentrifugen der Welt, sie wurden von Brasilien mit brasilianischer Technologie entwickelt. Diese Zentrifugen sind extrem effizient und besitzen einen enormen industriellen Wert. Es gibt daher keinen Grund, warum die Inspektoren sie sehen sollten.

SPIEGEL ONLINE: Beherrscht Brasilien die Technik für den Bau einer Atombombe?

Pinheiro Guimaraes: Dafür braucht man Zünder, einen Haufen Dinge, außerdem muss das Uran zu 90 Prozent angereichert werden. Wir reichern es aber nur bis drei Prozent an, für Versuchszwecke gelegentlich bis zu 19 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: In den siebziger und achtziger Jahren hatten die brasilianischen Streitkräfte ein geheimes Programm zur Entwicklung der Atombombe…

Pinheiro Guimaraes: Das glaube ich nicht, das wird überschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Will Brasilien denn in Zukunft Atombomben bauen?

Pinheiro Guimaraes: Nein, dafür gibt es überhaupt kein Motiv, außerdem verbietet es unsere Verfassung.

SPIEGEL ONLINE: Woher stammt denn die Technologie für die Zentrifugen?

Pinheiro Guimaraes: Zu einem großen Teil aus Brasilien, schon allein, weil es extrem schwierig ist, an die Teile zu kommen. Aber das ist eine extrem vertrauliche Angelegenheit, es gibt davon nicht einmal Fotos.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sie also nicht von internationalen Waffenhändlern, etwa in Pakistan, erworben?

Pinheiro Guimaraes: Das ist ebenso absurd wie der Vorwurf, es gäbe Terroristen im Dreiländereck Brasilien/Argentinien/Paraguay. Das wird auch immer wieder behauptet.

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insgesamt 43 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.05.2010 von spiegelfdsp: Unsinniger Artikel

Jens Glüsing wieder da mit "tollen" Artikeln über Brasilien... "Das brasilianische Nuklearprogramm gehorcht der brasilianischen Verfassung: Die schreibt als einzige in der Welt vor, dass alle nuklearen [...] mehr...

11.05.2010 von Diomedes:

Ich danke für die Ausführungen, doch spielte ich mit Außenminister eigentlich eher auf jenen Staatsmännerersatz an, der bei uns gewöhnlich im Außenministerium seine Unfähigkeit unter Beweis stellen darf, indem er stets nukleare [...] mehr...

11.05.2010 von schneesieber: Jein

Der Mann ist aber kein Aussenminister. Samuel Pinheiro Guimarães ist ------------> "Ministro de Estado, Chefe da Secretaria de Assuntos Estratégicos (SAE) da Presidência da República" -------> wirklich nicht [...] mehr...

11.05.2010 von Diomedes: Abrüstung: Ein gefährlicher Kinderglaube!

Es ist schwer nachzuvollziehen wie ein Außenminister, im Angesichts einer allgemeinen Tendenz zu nuklearen Bewaffnung von Regional- und Mittelmächten, noch von Aufrüstung fantasieren kann, anstatt sich um die Sicherheit der [...] mehr...

11.05.2010 von alfredoneuman: z

Sie meinen also Deutschland bräuchte auch Atomwaffen. Was die eigenständige Haltung anbelangt, mit Ahmedinejad kann doch jeder Reden und ihm sogar die Hand geben, allerdings braucht man fürs Händewaschen hinterher eine menge [...] mehr...

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Zur Person

REUTERS
Samuel Pinheiro Guimarães ist braslianischer Minister für strategische Angelegenheiten.

Länderlexikon Brasilien

Fläche: 8.514.877 km²

Bevölkerung: 194,946 Mio.

Hauptstadt: Brasília

Staats- und Regierungschefin: Dilma Rousseff

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Brasilien-Reiseseite


Uran und Atomwaffen

Uran

Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.

Anreicherung

Einsatz in Atomwaffen


Irans Atomprogramm

Streit

AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

Geschichte

Sanktionen

Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung




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