London - Die Konservativen sind bei den britischen Parlamentswahlen stärkste Kraft geworden, haben aber die absolute Mehrheit verpasst. Nach Auszählung von 615 der 650 Wahlkreisen war am Freitag klar, dass die Tories keine Alleinregierung mehr erreichen können.
Die Tories haben den bisherigen Ergebnissen zufolge mindestens 291 Sitze errungen und damit mehr als 90 Abgeordnete hinzugewonnen. Labour dagegen verlor mehr als 80 Sitze. Sie konnte bis dato in 247 Wahlkreisen das Mandat erringen. Die Partei des amtierenden Premiers Gordon Brown fuhr damit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1983 ein.
Die Liberaldemokraten von Nick Clegg blieben hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Sie hatten nach Auszählung von 615 Wahlkreisen 51 Mandate errungen.
Bei unklaren Mehrheiten sieht das britische Wahlrecht vor, dass der amtierende Regierungschef, also Brown, das Vorrecht hat. Sollte er dies in Anspruch nehmen, müsste der Premier sich um eine Koalition mit mehreren Parteien bemühen.
Brown will sich nach Angaben aus Regierungskreisen um eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien bemühen, um weiter an der Macht zu bleiben. Der Chef der Konservativen, David Cameron, hingegen betonte, Labour sei von den Wählern klar das Mandat entzogen worden. Die Partei solle sich zurückziehen und den Tories die Regierung überlassen.
Der Außenexperte der Tories, William Hague, sagte, jeder Versuch Browns, einen Pakt mit den Liberaldemokraten einzugehen, wäre ein "schamloses Stück Politik". Auch die Konservativen kündigten an, mit anderen Parteien reden zu wollen.
Für Labour ist das Ergebnis ein historischer Tiefpunkt. Die Partei erhielt nur rund 29 Prozent Zustimmung aus dem Volk - so wenig wie nur einmal zuvor nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde daher schon über einen Nachfolger für Brown als Parteichef spekuliert.
mmq/dpa/Reuters
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