Bagdad - 90 Tote, 250 Verletzte. Das ist die dramatische Bilanz mehrerer Attentate am Montag im Irak. Die Opfer waren fast ausnahmslos Zivilisten. Irakische Politiker verschiedener Konfessionen verurteilten die Taten und erklärten, Ziel der Terroristen sei es offensichtlich, neue Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten zu säen.
Der folgenschwerste Anschlag ereignete sich vor einer Textilfabrik in der Stadt Hillah südlich von Bagdad; allein von dort meldeten Polizei und Krankenhausmitarbeiter 40 Tote und 135 Verletzte. Vor der Fabrik explodierten zwei Autobomben. Als Anwohner und Rettungskräfte herbeieilten, um den Opfern zu helfen, sprengte sich inmitten der Menge ein Selbstmordattentäter in die Luft, wie Polizeisprecher Muthana Chalid mitteilte.
13 weitere Menschen kamen nach Angaben des Innenministeriums bei einem Doppelanschlag in Suwajrah, 40 Kilometer südlich von Bagdad, ums Leben. Anschlagsorte waren ein Markt und eine Moschee. Das Ministerium gab die Zahl der Verletzten mit 28 an, die Polizei sprach von bis zu 71 Verletzten.
Weitere Anschläge auf Zivilisten ereigneten sich in Iskandarija, in Tarmija im Norden Bagdads und in Bagdads westlicher Vorstadt Abu Ghureib. In der westlichen Stadt Falludscha wurden mehrere Häuser in die Luft gesprengt, in denen Angehörige der Sicherheitskräfte wohnten. Vier Menschen starben.
In Bagdad selbst kostete eine Serie von offenbar koordinierten Anschlägen mindestens zehn Menschen das Leben, mehr als 20 wurden verletzt. Ziel der Attentäter waren nach Behördenangaben Kontrollposten von Polizei und Streitkräften. Diese wurden in den meisten Fällen von Bewaffneten aus fahrenden Autos heraus angegriffen. Die sieben Überfälle ereigneten sich über einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden in fünf verschiedenen Vierteln der irakischen Hauptstadt.
Zwar war es den irakischen Sicherheitskräften mit Unterstützung der US-Armee gelungen, in den vergangenen Wochen mehrere al-Qaida-Anführer und einige Top-Terroristen zu verhaften. Doch alle Beobachter sind sich einig, dass der immer schärfere politische Konflikt in Bagdad die Sicherheit gefährdet.
Die Iraker hatten am 7. März ein neues Parlament gewählt. Doch keine Partei konnte die Mehrheit erringen. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hält weiter an der Macht fest. Er und sein Bündnis waren bei der Wahl auf dem zweiten Platz hinter der Al-Irakija-Liste seines säkularen Rivalen Ijad Alawi gelandet. Doch dann beschloss al-Malikis Liste mit der Allianz der religiösen Schiiten-Parteien zu fusionieren, die auf dem dritten Platz gelandet war. Damit bilden die Schiiten nun den größten Block. Um eine Regierung zu bilden, fehlt ihnen aber noch mindestens ein weiterer Koalitionspartner.
ler/apn/dpa
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