Riad - Über die Details der Befreiungsaktion ist kaum etwas bekannt. Fast ein Jahr nach ihrer Entführung nahm ein saudi-arabisches Sondereinsatzkommando die fünfjährige Lydia und ihre eineinhalb Jahre jüngere Schwester Anna im Grenzgebiet zum Jemen in Empfang - so verlautete es zumindest aus dem Innenministerium in Riad.
Doch zu den Einzelheiten der Operation schweigen die Behörden - wohl auch mit Rücksicht auf das Schicksal der drei weiteren vor einem Jahr entführten deutschen Geiseln. Das Schicksal der Eltern der Mädchen und ihres kleinen Bruders ist ungewiss. Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise, der kleine Simon sei tot. Er würde in wenigen Wochen zwei Jahre alt. Das Auswärtige Amt bestätigte den Tod des Jungen zunächst nicht.
Angehörige der aus Sachsen stammenden Familie fürchten jedoch, dass das Kind nicht mehr am Leben ist. "Wir müssen davon ausgehen, dass Simon nicht mehr lebt", sagte der Schwager des entführten Familienvaters, Reinhard P. "Von den Eltern wissen wir nichts." Freude und Trauer lägen bei den Angehörigen ganz dicht nebeneinander.
Sie hätten am Montag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin die Nachricht von der Befreiung Lydias und Annas erhalten, sagte ihr Onkel.
"Was die übrigen Geiseln angeht, haben wir nach wie vor keine Gewissheit oder belastbaren Informationen", sagte Außenminister Guido Westerwelle. "Ihre Lage erfüllt uns mit großer Sorge." Die beiden Mädchen befänden sich derzeit in sicherer Obhut der saudi-arabischen Behörden. "Es geht ihnen den sehr schwierigen Umständen entsprechend gut", sagte der FDP-Politiker. Sie sollen am Mittwoch nach Deutschland zurückkehren.
Sein Dank gelte nachdrücklich den Behörden vor Ort für ihr Eingreifen, sagte Westerwelle.
Verwandten wollen sich der Mädchen annehmen
Zum Schicksal des jüngeren Bruders der Mädchen und der Eltern liefen derzeit noch Ermittlungen, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Riad, General Mansur al-Turki. Die Kinder wurden von einer Spezialeinheit befreit, sagte er. Dabei sei es nicht zu Kämpfen gekommen. "Wir haben die beiden Mädchen gerettet." Die Mädchen wurden demnach anschließend in ein saudi-arabisches Militärkrankenhaus gebracht.
"Wir sind erleichtert, dass es den saudi-arabischen Sicherheitskräften gelungen ist, zwei unserer fünf im Jemen verschleppten Landsleute zu befreien", sagte Westerwelle. "Wir bleiben unverändert bemüht, endlich Klarheit auch in den Verbleib der übrigen Geiseln zu bringen", sagte der Außenminister.
Die befreiten Kinder sollen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Kreis der Familie aufgenommen werden, sagte ihr Onkel Reinhard P. Den genauen Aufenthalt wolle man ganz bewusst nicht mitteilen. "Die Kinder brauchen jetzt Ruhe und nicht Blitzlichtgewitter, um das Geschehen zu verarbeiten", sagte er. "Es wird so schon schwer genug für sie."
Über die Befreiung der Mädchen gibt es unterschiedliche Angaben.
Jemenitische Stammesführer im Grenzgebiet zu Saudi-Arabien behaupten, ein Sondereinsatzkommando sei am Montagnachmittag mit Hubschraubern in dem Bezirk Schadha gelandet. Das saudische Innenministerium bestätigt diese Darstellung nicht. Ebenso wenig wie eine angebliche Operation saudischer Sicherheitskräfte in einem jemenitischen Dorf vor einigen Tagen.
"Wir haben die jemenitische Grenze nicht überschritten"
Am Wochenende veröffentlichten die schiitischen Huthi-Rebellen, die im vergangenen Jahr gegen die jemenitische Armee und Stoßtrupps aus Saudi-Arabien gekämpft hatte, Videoaufnahmen aus dem Dorf Umm Kuwaia im Bezirk Schadha. Sie behaupten, in dem Dorf sei am Freitag überraschend eine saudische Spezialeinheit mit Planierraupen angerückt. Die Dorfbewohner konnten sich auf diese Aktion, bei der ihren Angaben zufolge mehrere Hütten dem Erdboden gleichgemacht wurden, zunächst keinen Reim machen.
Beobachter in der Region spekulieren, ob die Saudis dort vielleicht nach den Geiseln gesucht haben. "Das stimmt nicht - wir haben die jemenitische Grenze nicht überschritten", erklärt dagegen der Sprecher des Innenministeriums in Riad. Nach seiner Darstellung wurden die Mädchen von den Saudis nicht befreit, sondern im Grenzgebiet in Empfang genommen. Wer die Kinder dorthin gebracht hat, sagt er nicht.
Ein jemenitischer Regierungsvertreter sagte, Saudi-Arabien verhandle schon seit Monaten mit den Entführern. "Sie haben Lösegeld bezahlt", erklärte er. Die Rede ist von fünf Millionen US-Dollar. Der Sprecher des Innenministeriums in Riad schwieg zu Lösegeldzahlungen.
Im Juni 2009 waren Johannes H., seine Frau Sabine und die drei kleinen Kinder Lydia, Anna und Simon nach einem Ausflug in ein Wadi bei Saada verschwunden. Das deutsche Ehepaar arbeitete seit 2003 in einem staatlichen Krankenhaus in Saada nahe der Grenze zu Saudi-Arabien. Beide waren für die kleine christliche Hilfsorganisation "Worldwide Services" aus den Niederlanden dort.
Mit der aus Sachsen stammenden Familie wurden auch zwei deutsche Bibelschülerinnen, eine Südkoreanerin und ein britischer Ingenieur verschleppt. Die Leichen der drei Frauen fanden die jemenitischen Behörden Stunden nach der Entführung.
Jemenitische Regierung machte al-Qaida und Rebellen verantwortlich
Mehrere Wochen nach der Entführung waren Videoaufnahmen aufgetaucht, auf denen die drei Kinder der deutschen Familie zu sehen waren: Der kleine Junge, der auf den Aufnahmen erschöpft gewirkt haben soll, war damals rund ein Jahr alt. Seine beiden Schwestern waren zu diesem Zeitpunkt drei und fünf Jahre alt.
Zur Vermittlung in dem Geiseldrama reiste im Dezember der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, in den Jemen. Er wurde 2005 selbst mit seiner Frau und seinen drei Söhnen während eines Weihnachtsurlaubs in dem Land entführt, nach wenigen Tagen aber wieder freigelassen.
Die Eltern des entführten Familienvaters aus Sachsen wandten sich schon im Sommer an die Öffentlichkeit und appellierten in einem Video an die Entführer, die Geiseln freizulassen.
Im Januar hatte Westerwelle mitgeteilt, die jemenitischen Behörden würden den Aufenthaltsort der Familie kennen. Damals war von Lösegeldforderungen die Rede.
Für den Tod der beiden deutschen Bibelschülerinnen machte die jemenitische Regierung das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich. Dieses habe die Gruppe mit der Unterstützung der schiitischen Huthi-Rebellen verschleppt. Die Führung der Rebellen hat jede Beteiligung an dem Verbrechen bestritten.
mmq/AFP/dpa/apn
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ist sein Himmelreich. Wer im Jemen eine Landpartie macht - ohne Waffen - der nimmt seine Entführung und Ermordung billigend in Kauf. Da hilft auch sonst nichts. mehr...
Je nach dem, wo man diese Selbstverständlichkeit ausspricht, wird einem das als Fremdenfeindlichkeit ausgelegt. mehr...
"Nach SPIEGEL-Informationen sind die beiden Mädchen bei einem jemenitischen Stamm aufgenommen und gut behandelt worden." Wie süß, dann war das ganze wahrscheinlich eine ganz warmherzige "Integration" auf [...] mehr...
Warum sagen Sie glücklicherweise? Wenn Sie es in islamischen Ländern für so in Ordnung finden, dann dürfte das doch auch in Deutschland in Ordnung sein? Oder warum machen Sie hier einen Unterschied?[/QUOTE] Ich bin froh ein [...] mehr...
Oh jeh, noch viel grösser war wohl die jüdische Gemeinde in Deutschland, bzw. in Europa ---Zitat--- Die Ausbreitung des Islam in Deutschland (und allgemein in Europa) in den letzten Jahrzehnten ist durch Masseneinwanderung [...] mehr...
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