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21.05.2010
 

Überraschungsvisite in Masar-i-Scharif

Köhler besucht deutsche Afghanistan-Kämpfer

Aus Masar-i-Scharif berichtet Matthias Gebauer

Köhler: Blitzbesuch bei den Soldaten in AfghanistanZur Großansicht
DPA

Köhler: Blitzbesuch bei den Soldaten in Afghanistan

VIP-Premiere am Hindukusch: Horst Köhler besucht die Bundeswehr in Afghanistan - als erster Bundespräsident überhaupt. Er will einer Truppe Mut machen, die durch Angriffe verunsichert ist. Und in einem Einsatz kämpft, über den in Deutschland heftig gestritten wird.

Bundespräsident Horst Köhler ist am Freitagnachmittag Ortszeit überraschend zu einem Truppenbesuch bei der Bundeswehr im nordafghanischen Masar-i-Scharif eingetroffen. Zum ersten Mal seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes besucht ein Staatsoberhaupt die deutschen Soldaten. Aus Sicherheitsgründen war die Visite im Krisenland im Anschluss an Köhlers China-Reise bis zum letzten Moment geheim gehalten worden.

Die Präsidentenmaschine legte am Freitag auf dem Rückweg von China einen Zwischenstopp im Logistikstützpunkt im usbekischen Termez ein, von dort aus flogen Köhler und seine Ehefrau Eva-Luise gemeinsam mit Verteidigungsstaatssekretär Rüdiger Wolf nach Masar-i-Scharif ins Camp Marmal. Rund 2500 Soldaten sind dort stationiert, es ist das größte deutsche Feldlager in Afghanistan.

Die Lage hier gilt als relativ ruhig, sehr viel angespannter ist die Situation rund um das zweitgrößte Lager in Kunduz. Wie gefährlich der Einsatz dort ist, bewies ein neuerlicher Angriff auf die Truppe rund 24 Stunden vor Köhlers Visite. Auf dem Rückweg von einer Routinepatrouille nördlich des Camps zündeten die Taliban einen versteckten Sprengsatz. Die 75-Kilo-Bombe explodierte unter einem geschützten Dingo der Bundeswehr und warf den Wagen um. Obwohl die Detonation heftig war, wurde nur ein Soldat leicht verletzt.

Im Nordosten von Kunduz in der Nähe des Feldlagers in Feisabad wurde in der Nacht eine weitere deutsche Patrouille von vier Aufständischen angegriffen. Nachdem die Bundeswehrsoldaten, die in Fahrzeugen vom Typ Wolf unterwegs waren, zurückschossen, zogen sich die Angreifer zurück. Deutsche Soldaten wurden bei der Attacke nicht verletzt. In Kunduz selber schlugen in der Nacht mehrere Raketen ein, allerdings noch vor der Stadtgrenze. Die Bundeswehr wurde diese Woche fast jeden Tag attackiert.

Ursprünglich wollte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg dem Präsidenten das Lager am Hindukusch zeigen und ihn über die Situation informieren. Der CSU-Politiker musste aber auf Drängen des Kanzleramts wegen der namentlichen Abstimmung über das Rettungspaket für den Euro im Bundestag in Berlin bleiben, da Schwarz-Gelb um die nötige Mehrheit für das Milliardenpaket fürchtete. Guttenberg hatte seit längerem angeregt, dass Köhler die Soldaten besucht, um neben der Verbundenheit der Bundesregierung auch die Unterstützung der Bevölkerung zu signalisieren.

Hitzige Debatte um Sinn des Afghanistan-Einsatzes

Es ist der erste Besuch eines Bundespräsidenten in Afghanistan seit mehr als 40 Jahren. 1967 war Heinrich Lübke schon einmal am Hindukusch zu Gast, damals herrschte noch König Mohammad Zahir Shah. Als Bundespräsident hatte Johannes Rau 2002 schon einmal ein Auslandskontingent der Bundeswehr besucht, damals reiste das Staatsoberhaupt ins Kosovo, wo die Deutschen sich an einer internationalen Friedensmission beteiligten.

In Masar-i-Scharif will Köhler neben Gesprächen mit Frank Leidenberger, dem Regionalkommandeur für Nordafghanistan, vor allem mit den Soldaten selber sprechen. Geplant sind Treffen mit verschiedenen Einheiten, die aus ihrem Einsatzalltag berichten werden und Köhler einen Eindruck geben sollen, wie die Truppen die Mission empfinden. Zudem wird Köhler das Ehrenmal für die 43 im Einsatz gefallenen Soldaten besuchen.

Der Besuch kommt zu einer Zeit, da der Einsatz am Hindukusch umstritten wie selten ist. Im April waren bei zwei Hinterhalten der Taliban insgesamt sieben Deutsche gefallen, seitdem tobt in Deutschland eine hitzige Debatte um den Sinn des Einsatzes. Aber auch um die Frage, ob die Bundeswehr für die Mission im Rahmen der internationalen Schutztruppe Isaf richtig ausgerüstet ist. Die angekündigte Truppenreduzierung ab dem Jahr 2011 wird mehr und mehr angezweifelt.

Köhler hatte sich bisher in die Debatte um den Einsatz in Afghanistan nur indirekt eingeschaltet. Allerdings forderte er kürzlich, dass die Soldaten mehr Rückhalt in der Bevölkerung verdienten. Grundsätzlich musste sich der Präsident in den vergangenen Wochen vermehrt anhören, dass er zu den drängenden politischen Herausforderungen nicht die richtigen Worte finde. Im Vordergrund steht dabei jedoch eher die weltweite Finanzkrise als der Afghanistan-Einsatz.

Bundeswehr bereitet sich intensiv auf Gefechte mit Taliban vor

Trotz der verkündeten Abzugsperspektive richtet sich die Bundeswehr für den Sommer auf weitere Gefechte ein. Die Bundeswehr bereitet die Soldaten, die demnächst die Truppen in Afghanistan verstärken sollen, nach SPIEGEL-Informationen intensiver denn je auf Kampfsituationen und Gefechte mit den Taliban vor. Besonders die Infanterieeinheiten, die bald nach Nordafghanistan geschickt werden, trainieren nun gezielt Taktiken, um sich aus Hinterhalten zu kämpfen.

Zur Verbesserung des Training sind im Heeresausbildungszentrum in Hammelburg zudem kurzfristig mehrere aktuelle Modelle des gepanzerten Transportfahrzeugs "Dingo" bereitgestellt worden, um schnelle Ausweichmanöver in Gefechtssituationen proben zu können. Nach dem tödlichen Hinterhalt Anfang April gab es heftige Kritik an der Ausbildung der Soldaten, da die Deutschen oft erst im Einsatzland richtig mit den "Dingos" trainieren konnten.

Die Bundeswehr rechnet in den kommenden Monaten mit neuen blutigen Auseinandersetzungen mit den Taliban. Vorsorglich haben die Planer für die Einheiten auch mehrere Übungen zur Erstversorgung von Schusswunden und zum Abtransport von Schwerverletzten unter feindlichem Feuer als feste Bestandteile in den Trainingsplan aufgenommen. Zudem bereiten sie die Soldaten, die im Juni nach Afghanistan verlegt werden, auf gemeinsame Operationen mit der US-Armee und den afghanischen Sicherheitskräften vor.

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insgesamt 859 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.06.2010 von henningr:

Ich weiss nicht was in das Pentagon geflogen ist, evtl. wars auch eine Passagiermachine, wobei etliche Piloten sagen, dass das Flugmanöver, das unterstellt wird, kaum durchführbar ist, nicht mal vom besten der besten Piloten. [...] mehr...

03.06.2010 von chris7516: Taliban

(1) Ich habe von "irgendwelchen Koranschülern" gesprochen um die "Taliban" vor dem ethymologischen Hintergrund des Begriffes "Taliban/Talib" abzugrenzen von Menschen, die ein Koranschule besuchen. [...] mehr...

03.06.2010 von doctorwho:

sorry hans , es war weder belehrend noch anmassend gemeint , ich wollte nur darauf hinweisen , dass die taliban eben nicht aus dem luftleeren raum aufgetaucht sind , sondern allerhöchstens vorher mangels interesse/verständnis [...] mehr...

03.06.2010 von doc 123:

Es geht doch vielmehr um die Frage, ob überhaupt ein Flugzeug in das Pentagon geflogen worden ist. Haben Sie schon einmal das Loch, das am Ende stehen sollte, ein nahzu rundes Loch, gesehen und angeblich ohne jede Trümmer, die [...] mehr...

03.06.2010 von doctorwho:

ach wissen sie , "irgendwelche aufgebrachte araber" oder ähnliches hat brzesinski schon 1979 als eher vernachlässigenswert empfunden , sobald sie den job für ihn erledigt hatten , sie machen es mit dieser begriffswahl [...] mehr...

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Länderlexikon Afghanistan

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz

CDU/CSU: Abzugsdatum offen lassen

REUTERS
Für die Union ist klar, dass der Einsatz der Bundeswehr fortgeführt werden soll. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Forderungen nach einem sofortigen Rückzug aus Afghanistan nannte sie "unverantwortlich".

Sie warnte vor "unabsehbaren" Folgen für die Sicherheit der Deutschen und ihrer Verbündeten; Folgen, die "weit verheerender wären" als jene der Anschläge vom 11. September 2001. Zudem würde Afghanistan "in Chaos und Anarchie versinken".

Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, es könne "keinen zivilen Aufbau ohne eine militärische Absicherung geben". Die Union will den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. "Die internationale Gemeinschaft wird ihre militärische Präsenz so lange aufrechterhalten, wie es nötig ist, nicht länger, aber auch nicht kürzer", erklärte Merkel. Es müsse mit der afghanischen Regierung eine "Übergabe in Verantwortung" geben.

SPD: Klare Abzugsperspektive

FDP: Mehr Tempo für Eigenverantwortung

Grüne: Strategiewechsel zu mehr zivilem Engagement

Linke: Soldaten raus aus Afghanistan





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