Aus Dschenin berichtet Ulrike Putz
Hanin Ghazi hat sich ihren Schaufensterbummel verdient: Den ganzen Tag über ist sie in Ramallah von Tür zu Tür gezogen, hat Broschüren verteilt, Überzeugungsarbeit geleistet, schließlich mit ihren rot lackierten Nägeln eine Unterschriftenliste gezückt. "Mehr als hundert Familien haben unterschrieben, dass sie in Zukunft keine Produkte aus israelischen Siedlungen mehr kaufen werden", sagt die 19-jährige Informatikstudentin stolz.
An vielen Haustüren hat Ghazi außerdem die bunten Boykott-Aufkleber anbringen können, die derzeit im Westjordanland en vogue sind. Wer das Etikett an die Tür klebt, will damit zeigen: In meinen Schränken ist nichts mehr, was aus israelischen Siedlungen stammt. Keine Ahva-Kekse, kein Eden-Trinkwasser, keine Totes-Meer-Kosmetik der Firma "Ahava". "Am schwersten ist der Verzicht auf Cornetto-Eis", sagt Ghazi. "Aber das ist es wert."
Ghazi ist nur eine von 3000 Freiwilligen, die in den vergangenen Wochen ausgezogen sind, die Aufkleber und die Idee dahinter unters Volk zu bringen: Dass die jüdischen Siedler das Westjordanland nur dann verlassen werden, wenn sie in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten keine Lebensgrundlage mehr finden. Die in Israel lebenden Araber sind ebenfalls aufgerufen, sich solidarisch zu zeigen. Auch sie sollen die mehr als tausend in Info-Heftchen aufgelisteten Waren meiden.
"Dies ist eine andere Art des Widerstands - eine friedliche, kreative Form, gegen die Besatzung zu kämpfen", sagt Ghazi, die mit Freunden nach Dschenin gekommen ist, um sich für ihre freiwilligen Einsatz mit einem Shopping-Tag zu belohnen.
Ausgerechnet Dschenin: Aus der Stadt an der Grenze des Westjordanlands kam während der Zweiten Intifada die Mehrheit der palästinensischen Selbstmord-Attentäter. Die Stadt wurde deshalb 2002 von israelischen Truppen belagert und teilweise dem Erdboden gleichgemacht.
In Dschenin wird jetzt politisch korrekt eingekauft
Umso verblüffender zu sehen, dass Dschenin sich in den vergangenen Monaten zu einem lebendigen Marktflecken gemausert hat. Tausende Palästinenser schieben sich am Wochenende durch die Hauptstraße, bei vielen sitzt das Portemonnaie locker. Konsum scheint patriotische Pflicht geworden zu sein, wie der Gouverneur des Landkreises, Kadura Musa, bestätigt. Seit dem Boykott gingen die Geschäfte besser, sagt er. Die Ächtung ihrer Produkte werde die Siedler schwer treffen. "Wir haben lang genug gegen die Israelis gekämpft", sagt Musa, der selbst zwölf Jahre in israelischen Gefängnissen gesessen hat. Nun sei Taktik gefragt. "Jetzt haben wir uns aufs Schach spielen verlegt."
Nach internationalem Recht sind jüdische Siedlungen auf palästinensischem Land illegal. Trotzdem leben rund 350.000 Israelis in dem seit 1967 besetzten Westjordanland - Tendenz steigend. Die Idee, von ihnen gefertigte Waren zu boykottieren, wurde von Privatleuten geboren und vom palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad übernommen.
Allerdings ist nicht bekannt, welchen Umsatzverlust die Siedler wegen des Boykotts hinnehmen müssen: Sie geben keine Zahlen dazu heraus, denn sie wollen den Palästinensern die Genugtuung nicht gönnen, einen wunden Punkt getroffen zu haben. Nach Schätzungen der israelischen Friedensinitiative "Gusch Schalom" folgen jedoch bereits Zigtausende Palästinenser dem Aufruf. Die Aktion lebt auch von ihrem psychologischen Mehrwert. Viele, die mitmachen, genießen das Gefühl, endlich gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Sie glauben, eine Methode gefunden zu haben, die verhassten Siedler empfindlich zu schädigen.
Die Kampagne ist so erfolgreich, dass nun auch Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas auf die Politik seines Konkurrenten Fajad eingeschwenkt ist. "Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass wir Produkte kaufen sollten, die in Siedlungen gefertigt wurden, die auf unserem Land gebaut sind", sagte Abbas vergangene Woche.
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Es liegt wohl nicht an Leuten wie mir, dass Sie nicht stringent argumentieren können. Nur so nebenbei, Israels Militärhaushalt beträgt ca. USD 10 Milliarden, was sollen dann die 202 Mio. für die Entwicklung des [...] mehr...
Wie Sie möchten Herr Neuman. Sie können in jedes beliebige Jahr gehen - Sie werden immer den Big-Deal finden. Beispiel : Nach wie vor erhält Israel Militärhilfe in Milliardenhöhe. Am 23. November 2009 boten die USA die [...] mehr...
Wie in verschiedenen Beiträgen und auch in anderen Foren bereits gesagt, ist Israel ein Staat, der zum Einen von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt ist und zum Anderen einer der größte Militär-Stützpunkt der USA im [...] mehr...
Klar. Auch die Idee, dass alle Palästinenser ihre Arbeit kündigen sollen,ist eine prima Sache. Da sieht man mal wieder, dass die Strippenzieher hinter der vorgeblichen 'friedensaktivistischen Aktion' die Palästinenser wieder mal [...] mehr...
Bringen Sie doch mal ein paar Zahlen statt einfach so ins Blaue hinein irgendetwas zu erzählen. Übrigens, dass geschenkte deutsche U-Boot, können Sie sich schon mal schenken. Und am meisten schaden sich die Palaestinenser [...] mehr...
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