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30.05.2010
 

Boykott im Westjordanland

Wie die Palästinenser jüdische Siedler mürbe machen wollen

Aus Dschenin berichtet Ulrike Putz

Westjordanland: Warenboykott als Waffe gegen jüdische Siedler
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SPIEGEL ONLINE

2. Teil: Nächster Schritt: Palästinenser sollen nicht mehr für Siedler arbeiten

Von Mahmud Abbas wurde der Boykott offiziell gemacht. Händlern, die Siedler-Produkte verkaufen, droht nun eine Geldstrafe, unter Umständen sogar Gefängnis. Zudem hat die palästinensische Führung gesetzlich verankert, dass die etwa 25.000 Palästinenser, die derzeit in israelischen Siedlungen arbeiten, bis Ende 2010 ihre Jobs dort aufgeben sollen. Wo die Männer und Frauen dann unterkommen werden, ist allerdings fraglich. Die Arbeitslosigkeit im Westjordanland liegt bei etwa 18 Prozent.

Doch vorerst herrscht Euphorie: "Prepaid-Karten für israelische Handys? Führen wir nicht mehr", verkündet Ala Khalaf strahlend. Die 23-Jährige arbeitet in einem der vielen Telefonläden in Dschenin. Auch hier wird boykottiert - und das ist gut fürs Geschäft. Seit Anfang Mai haben sich Zehntausende Palästinenser neue Handynummern besorgen müssen.

Die ehemals beliebten israelischen Nummern - das Netz war oft besser als das der palästinensischen Konkurrenz - wurden verboten, weil die Sendemasten in Siedlungen der Israelis stehen. Dank der neuen Kunden hätten die palästinensischen Mobilfunkfirmen ihren Service bereits verbessern können, sagt Khalaf. "Unsere Wirtschaft wächst, die der Siedler leidet", freut sich die Verkäuferin. "Es tut gut, gemeinsam etwas gegen die Besatzung zu tun", beschreibt sie die Hochstimmung, die mit dem Boykott einhergeht.

Israelische Siedler wüten gegen "wirtschaftlichen Terrorismus"

Nahm die Regierung in Jerusalem den Aufruf anfangs noch gelassen zur Kenntnis, wächst inzwischen die Sorge, das Treiben könne im Ausland Nachahmer finden. Viele Verbraucher sympathisieren mit den Palästinensern - und der Handel reagiert darauf. Supermärkte in Großbritannien sind schon länger angehalten, Waren aus israelischen Siedlungen besonders zu kennzeichnen - laut einer Richtlinie des britischen Ministeriums für Umwelt, Nahrung und Agrarwirtschaft müssen solche Produkte einen deutlich sichtbaren Aufkleber tragen: "Produkt einer israelischen Siedlung".

Am Samstag vor Pfingsten kam dann die nächste schlechte Nachricht für die Siedler, als zwei große italienische Supermarktketten sich entschieden, künftig keine landwirtschaftlichen Produkte der israelischen Firma "Agrexco" mehr zu führen. Hochrangige Manager der Ketten "Coop" und "Nordiconad" gaben dies in einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt. Sie begründeten den Entschluss damit, dass nicht klar sei, ob die Früchte und das Gemüse von "Agrexco" aus israelischen Siedlungen stammten. Darum wollten sie nun gänzlich auf sie verzichten.

Die Siedler reagieren mit unverhohlenem Zorn auf die Vorgänge. Sie verkaufen jährlich Waren für etwa 400 Millionen Euro an palästinensische Abnehmer: Halten diese das Embargo durch, drohen den jüdischen Betrieben im Westjordanland harte Zeiten.

Aus Israel droht nun ein Boykott der Boykotteure

Die Siedler und ihre Repräsentanten versuchen deshalb weiteren Druck auf die Regierung in Jerusalem aufzubauen: Sie müsse alle Friedensgespräche mit Ministerpräsident Fajad einstellen, weil dieser "aus strategischen Gründen wirtschaftlichen Terrorismus" betriebe. Der Boykott sei ein "feindlicher Akt" wie jeder andere auch.

Israels Vize-Premier Silwan Schalom wirft den Palästinensern vor, "die Chancen auf einen wirtschaftlichen ebenso wie auf einen politischen Frieden zu verringern". Siedler-freundliche Knesset-Abgeordnete wollen unterdessen den Boykott rächen. Sie haben angekündigt, Gegenmaßnahmen voranzutreiben - Israel solle keine für den Export bestimmten palästinensischen Produkte mehr über seine Grenzen lassen.

Dann stünden die Palästinenser vor einem Problem. Denn dies würde de facto alle ihre Ausfuhren unterbinden.

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insgesamt 111 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.06.2010 von alfredoneuman: u

Es liegt wohl nicht an Leuten wie mir, dass Sie nicht stringent argumentieren können. Nur so nebenbei, Israels Militärhaushalt beträgt ca. USD 10 Milliarden, was sollen dann die 202 Mio. für die Entwicklung des [...] mehr...

04.06.2010 von Legacy: US-Unterstützung

Wie Sie möchten Herr Neuman. Sie können in jedes beliebige Jahr gehen - Sie werden immer den Big-Deal finden. Beispiel : Nach wie vor erhält Israel Militärhilfe in Milliardenhöhe. Am 23. November 2009 boten die USA die [...] mehr...

04.06.2010 von alfred-wilhelm: Waren aus illegalen Siedlungen zu boykottieren, ist kein Verbrechen

Wie in verschiedenen Beiträgen und auch in anderen Foren bereits gesagt, ist Israel ein Staat, der zum Einen von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt ist und zum Anderen einer der größte Militär-Stützpunkt der USA im [...] mehr...

04.06.2010 von aubrac: .....

Klar. Auch die Idee, dass alle Palästinenser ihre Arbeit kündigen sollen,ist eine prima Sache. Da sieht man mal wieder, dass die Strippenzieher hinter der vorgeblichen 'friedensaktivistischen Aktion' die Palästinenser wieder mal [...] mehr...

04.06.2010 von alfredoneuman: g

Bringen Sie doch mal ein paar Zahlen statt einfach so ins Blaue hinein irgendetwas zu erzählen. Übrigens, dass geschenkte deutsche U-Boot, können Sie sich schon mal schenken. Und am meisten schaden sich die Palaestinenser [...] mehr...

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Die Hilfsorganisation Free Gaza

Die Ziele

Die internationale Organisation Free Gaza will mit Hilfsgütern die palästinensische Bevölkerung des Gaza-Streifens unterstützen. Solidaritätsfahrten von Schiffen sollen auch öffentlichkeitswirksam auf die Blockade des Gebiets durch Israel hinweisen. "Wir wollen der Strangulation und dem Aushungern einer Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen nicht tatenlos zusehen", heißt es von der Organisation dazu.

Die Helfer

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