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30.05.2010
 

Reykjavik

Polit-Clown siegt bei Kommunalwahl

Aus Reykjavik berichtet Henryk M. Broder

Wahlsieger Jon Gunnar Kristinsson: Rote Karte für isländische PolitikerZur Großansicht
Henryk M. Broder

Wahlsieger Jon Gunnar Kristinsson: Rote Karte für isländische Politiker

Jon Gunnar Kristinsson ist Komiker - und womöglich der neue Bürgermeister von Reykjavik: Seine Spaßpartei hat bei den isländischen Kommunalwahlen in der Hauptstadt auf Anhieb die meisten Stimmen geholt. Dabei hat seine Partei nicht einmal ein Programm.

Die "Besti flokkurinn" des isländischen Komikers Jon Gunnar Kristinsson wurde bei den Wahlen zum Reykjaviker Stadtparlament stärkste Partei. Mit 35 Prozent der Stimmen wird sie sechs der 15 Sitze belegen, gefolgt von der konservativen Unabhängigkeitspartei mit 33 Prozent der Stimmen und fünf Sitzen. Die Sozialdemokraten werden mit 19 Prozent drei Stadträte stellen, die Linksgrünen mit sieben Prozent einen.

Das Ergebnis der Wahl kommt einem Erdrutsch gleich. Es ist vor allem eine Reaktion der Wähler auf das Versagen der etablierten Parteien, die Island in die schwerste Krise seiner Geschichte geführt haben. Kristinsson hat die "beste Partei" Ende 2009 gegründet, als Parodie auf den herkömmlichen Politikbetrieb. So forderte er unter anderem, Korruption müsse "transparent" gehandhabt werden. Nun hat der 43 Jahre alte Unterhalter, der auch Bücher geschrieben und Filme produziert hat, gute Chancen, Bürgermeister der isländischen Hauptstadt zu werden, obwohl er die absolute Mehrheit der Sitze verpasst hat.

Gefragt, mit wem er koalieren werde, antwortete er: "Das hängt davon ab, wer was zu bieten hat", notfalls werde er mit der "besten Partei" allein regieren. Es wäre das erste Mal in der Geschichte Islands, dass eine Partei, deren Programm es ist, kein Programm zu haben und andere Parteien zu parodieren, ein Spitzenamt besetzt, ein Triumph der Satire über die Realität. Einar Örn Benediktsson, Platz zwei auf der Liste von Kristinsson, sagte nach der Wahl: "Das war die Rote Karte für unsere Politiker. Die Zeit der traditionellen Politik in Island ist vorbei."

Die "beste Partei" trat nur in Reykjavik an. In Akureyri, der viertgrößten Stadt des Landes, bekam eine "Liste des Volkes" auf Anhieb 45 Prozent der Stimmen und damit mit sechs von elf Sitzen die absolute Mehrheit im Stadtrat.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.05.2011 von publicminx: Ausnahmen bestaetigten ...

Das Video ist wirklich gut, aber ja gerade WEIL Pispers hier keinen typischen platten sozialistischen Kindergartenstammtisch bedient, sondern anfaengt mit echtem Kabarett (und uebrigens auch echter Kunst). Das naemlich nimmt in [...] mehr...

04.06.2010 von d.m.porcedda: Kabarett vom Feinsten

vielen Dank für diesen Link ! Oui, vraiment excellent. La gauche, la droite ... on s'en fout ;-) Und vor allem: vox populi, vox Rindvieh. Großartig. Genau so wie der Tucholsky Spruch: Wahlen ändern nichts, sonst wären sie [...] mehr...

03.06.2010 von haltetdendieb: In Deutschland sogar bei der Wahl zum Bundespräsidenten....

...notgedrungen, denn den Deutschen fehlt der Humor leider gänzlichst! mehr...

03.06.2010 von Lokin: linkes Kabarett?

Naja, ob Pispers ein Linker ist oder nicht, hier wird er ihnen gefallen: http://www.youtube.com/watch?v=GWq6f_j8vSM Viel Spaß beim "rechten" Kabarett! ;) mehr...

03.06.2010 von d.m.porcedda: linkes Kabarett

Ja, Kabarett ist manchmal link, in doppeltem Sinne. Glücklicherweise gibt es (noch) keine mainstream-Rechte auf politischen Kleinkunstbühnen. Politische Ämter per Losverfahren? Wäre nicht verkehrt, sofern diejenigen, die mit [...] mehr...

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Länderlexikon Island

Fläche: 103.000 km²

Bevölkerung: 320.000 Einwohner

Hauptstadt: Reykjavík

Staatsoberhaupt: Ólafur Ragnar Grímsson

Regierungschefin: Jóhanna Sigurdardóttir

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