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31.05.2010
 

Kolumbien

Santos und Mockus müssen in Stichwahl

Kolumbien: Stichwahl ums Präsidentenamt
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REUTERS

Das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen blieb aus - doch die beiden Favoriten für das Präsidentenamt in Kolumbien müssen in die Stichwahl. Der konservative Regierungskandidat Juan Manuel Santos lag bereits in der ersten Runde deutlich vor seinem unabhängigen Herausforderer Antanas Mockus.

Bogotá - Die Entscheidung über den künftigen kolumbianischen Präsidenten fällt in einer Stichwahl. Im ersten Durchgang konnten weder der konservative Regierungskandidat Juan Manuel Santos noch sein Herausforderer Antanas Mockus die für den Sieg nötige absolute Mehrheit erreichen. Beide müssen nun am 20. Juni gegeneinander antreten.

Das von Meinungsforschern vorausgesagte Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Konkurrenten gab es jedoch nicht. Vielmehr verpasste Santos mit 46,6 Prozent nur knapp die absolute Mehrheit und gilt nun als Favorit für die Stichwahl. Der ehemalige Verteidigungsminister war mit dem Versprechen angetreten, die Politik des amtierenden Präsidenten Alvaro Uribe fortzusetzen. Santos stammt aus einer einflussreichen Oberschichtfamilie und leitete neben dem Verteidigungsressort auch schon das Finanzministerium.

Auch sein Herausforderer Mockus, ein Ex-Professor und früherer Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá, hatte für Härte im Kampf gegen die linken Rebellen plädiert. Doch während Umfragen ihn vor der Wahl nur knapp hinter Santos sahen, kam Mockus bei der Abstimmung am Sonntag nur auf 21,5 Prozent. Damit fuhr der unabhängige Kandidat der kleinen Grünen Partei aber das zweitbeste Ergebnis der insgesamt neun Kandidaten ein.

Der Sohn litauischer Einwanderer macht sich für eine Steuererhöhung und eine korruptionsfreie Regierung stark. Der Philosoph und Mathematiker Mockus hat auf Facebook und Twitter die meisten Anhänger, aber sein Konkurrent Santos hat mehr als doppelt so viele Wähler hinter sich versammeln können.

"Dies ist Ihr Sieg, Präsident Uribe"

Mockus warb bei seinen Anhänger dafür, weiter für seinen Sieg zu kämpfen. "Wenn wir innovativ sind, gewinnen wir den zweiten Wahlgang", sagte er. Schon mit der Qualifikation für die Stichwahl hätten er und seine Unterstützer ein Ziel erreicht, "dass vor einigen Monaten unmöglich schien".

Der konservative Kandidat Santos wertete sein gutes Abschneiden im ersten Wahlgang auch als Erfolg für den amtierenden Präsidenten. "Dies ist Ihr Sieg, Präsident Uribe, und er ist für alle von uns, die Ihr enormes Erbe verteidigen wollen", sagte der 58-Jährige vor jubelnden Anhängern nach Verkündung des Ergebnisses. Er rief alle Kolumbianer zur Einheit auf. Er wolle "eine Regierung von allen für alle" bilden, sagte der Mitte-rechts-Politiker Santos vor Anhängern.

Uribe, der als enger Verbündeter der USA gilt, durfte nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Er ist auch nach acht Jahren an der Macht bei vielen Kolumbianern immer noch beliebt, vor allem wegen seines harten Vorgehens gegen die linksextremen Farc-Rebellen.

Im Februar war Uribe mit seinem Versuch, nach 2002 und 2006 ein drittes Mal in Folge zu kandidieren, am Verfassungsgericht gescheitert. Daraufhin trat sein früherer Minister Santos als Kronprinz für das Regierungslager an.

Santos und Mockus haben beide angekündigt, den Kampf gegen die Aufständischen und die mächtigen Drogenbanden fortzusetzen. In der Wirtschaftspolitik wollen beide zudem den unternehmerfreundlichen Kurs von Uribe weiter verfolgen.

Regierung spricht trotz tödlicher Gefechte von ruhigen Wahlen

Insgesamt hatten sich neun Kandidaten den knapp 30 Millionen Stimmberechtigten zur Wahl gestellt. Weit abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier landeten Germán Vargas Lleras von der rechtsgerichteten Bewegung Cambio Radical mit zehn Prozent der Stimmen und der Linkspolitiker Gustavo Petro mit sechs Prozent.

Überschattet wurde die Wahl am Sonntag von 17 Gefechten zwischen Regierungstruppen und linksgerichteten Guerilleros. Mindestens vier Soldaten wurden dabei nach offiziellen Angaben getötet. Dennoch erklärte Innenminister Fabio Valencia Cossio, es sei die friedlichste Wahl in Kolumbien der vergangenen 40 Jahre gewesen.

Die Störungen der öffentlichen Ordnung seien im Vergleich zur Präsidentschaftswahl 2002 um 86 Prozent zurückgegangen. Die Farc-Rebellen hatten zum Boykott der Wahl aufgerufen. Zur Absicherung des Wahlgangs waren landesweit 340.000 Sicherheitskräfte mobilisiert worden.

Vize-Innenministerin Viviana Manrique teilte mit, dass 118 Beschwerden über Unregelmäßigkeiten bei der ersten Wahlrunde eingegangen seien. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission bei knapp 50 Prozent.

mmq/AFP/Reuters/dpa/apn

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