Eine Analyse von Hasnain Kazim und Shoib Najafizada, Islamabad und Kabul
Fast drei Stunden dauerte die unfreiwillige Pause. Dann kehrten die Delegierten in das Zelt zurück, in dem in diesen Tagen über die Zukunft Afghanistans entschieden werden soll.
Präsident Hamid Karzai war nicht mehr dabei.
Nach den ersten Explosionen während des Auftakts der Stammeskonferenz in Kabul, hatte er noch gescherzt: "Ich glaube, ein paar Leute versuchen, Raketen abzufeuern." Er appellierte an die 1600 Teilnehmer, ruhig sitzen zu bleiben. "Selbst mein dreijähriger Sohn ist das gewöhnt." Aber dann waren ganz in der Nähe Schüsse zu hören, drei weitere Raketen schlugen ein. Bodyguards brachten Karzai in Sicherheit, in einem Konvoi gepanzerter Wagen verließ er den Tagungsort. Die Friedenskonferenz wurde vom Terror unterbrochen.
Erst gegen Mittag erklärte Bildungsminister Faruk Wardak, der die Dschirga leitete, die afghanischen Sicherheitskräfte hätten die Lage "hundertprozentig unter Kontrolle". Im Hintergrund waren dabei immer noch vereinzelte Schüsse zu hören.
Ein Fall von Selbstüberschätzung
Doch was hat die Regierung Karzai, was haben die Geberländer, die die auf drei Tage angesetzte Friedensversammlung mit rund 130 Millionen Euro finanziert haben, erwartet? Hatten die Taliban nicht von vornherein angekündigt, sie würden die Dschirga boykottieren und jeden, der an ihr teilnehme, töten? Haben sie wirklich geglaubt, man könne trotzdem ein Friedens- und Versöhnungsprogramm ausarbeiten, mit dem die Taliban am Ende einverstanden sein werden - ohne dass Vertreter der Aufständischen dabei sind?
Karzai hatte sich über die Kritik der Taliban, die er in eine künftige Machtstruktur einbinden will, hinweggesetzt - in der Überzeugung, er werde sie mit seinem Programm zur Wiedereingliederung von Taliban und anderen Aufständischen schon überzeugen. Er glaubte, er könne sie mit ökonomischen Anreizen dazu bewegen, die Waffen niederzulegen.
Es war wieder einmal so ein Fall von Selbstüberschätzung, die von den Geberländern mangels Alternativen auch noch gestützt wurde. Sie zeigt: Sowohl die afghanische Regierung als auch der Westen wissen nicht weiter. Den Krieg können und wollen die Alliierten auf Dauer nicht fortführen, er fordert zu viele Tote, kostet Milliardensummen und ist in allen Ländern politisch umstritten. Aber was dann? Wie soll man die Taliban einbinden, wenn diese Forderungen stellen, die nicht ohne Gesichtsverlust für den Westen zu erfüllen sind? Hauptbedingung der Taliban ist, dass die ausländischen Truppen abziehen. Erst dann wollen sie verhandeln. Karzai und auch die USA lehnen das strikt ab.
Absurder Umgang mit den Taliban
Also hielten alle an der Friedenskonferenz fest, obwohl die Taliban von vornherein keinen Zweifel daran ließen, dass sie nichts davon halten. Man lud sie erst gar nicht ein, wissend, dass sie ohnehin nicht daran teilnehmen würden. Das ist insofern absurd, als es ja gerade darum geht, die Taliban einzubinden und das Machtgefüge unter Einbindung aller politischen Strömungen auszutarieren.
Die Dschirga, so die Extremisten, sei lediglich ein Versuch, unrealistische Pläne abzusegnen und sich anschließend selbst zu feiern. Noch vor Beginn der Versammlung verbreiteten sie eine Erklärung, in der es hieß, die Delegierten stünden allesamt "im Sold der Besatzer" und würden nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Deshalb werde man die Konferenz "sabotieren und zerstören".
Afghanische Parlamentarier sagten SPIEGEL ONLINE, sie glaubten auch nicht an einen Erfolg der Dschirga. "Wie soll das gehen, wenn keine Repräsentanten der Taliban dabei sind?", sagte einer. "Wollen wir über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen treffen, wo wir sie doch gerade einbinden wollen?" Ein anderer stellte in Frage, ob eine Dschirga, also eine traditionelle Versammlung von Stammesältesten, im 21. Jahrhundert noch das richtige Mittel sei. "Wir brauchen eine gute Regierung, keine Konferenzen." Abdullah Abdullah, der im vergangenen Jahr die Präsidentenwahl gegen Karzai verloren hatte, erklärte: "Das Ergebnis der Dschirga wird uns nicht weiterbringen im Friedensprozess, noch nicht mal ein Stück näher."
Angriff mit Ansage
Dass die Versammlung unter keinem guten Stern stand, hätte der Regierung bewusst sein müssen. Geschäfte blieben zu Beginn dieser dritten Dschirga seit der von den USA angeführten Invasion 2001 geschlossen. Ausländische Organisationen in Kabul gaben ihren Mitgliedern frei und schlossen ihre Büros. Es war abzusehen, dass die Taliban die Stadt mit Gewalt überziehen würden.
Rund 12.000 Sicherheitskräfte sollten deshalb für Ordnung sorgen, während Vertreter verschiedener Regionen, Stämme und Ethnien einen Plan ausarbeiten wollten, um Afghanistan Frieden zu bringen. Dabei sollte diskutiert werden, welche Schritte Präsident Karzai künftig unternehmen soll.
Ein Sprecher des Innenministeriums sagte SPIEGEL ONLINE, es seien Patrouillen per Hubschrauber der afghanischen Armee und der Polizei sowie von der internationalen Isaf-Truppe im Einsatz. Kabul sei "von mehreren Sicherheitsringen umgeben".
Dennoch ist es den Taliban gelungen, bis an den Versammlungsort vorzudringen. Auch Karzais Aufruf blieb von den Aufständischen ungehört. Er hatte in seiner Rede an die Adresse der Taliban appelliert: "Ich rufe dich dazu auf, mein Bruder, mein lieber Talib, kehre zurück! Dies ist dein Land!"
Genutzt hat es nichts.
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Ich weiss nicht was in das Pentagon geflogen ist, evtl. wars auch eine Passagiermachine, wobei etliche Piloten sagen, dass das Flugmanöver, das unterstellt wird, kaum durchführbar ist, nicht mal vom besten der besten Piloten. [...] mehr...
(1) Ich habe von "irgendwelchen Koranschülern" gesprochen um die "Taliban" vor dem ethymologischen Hintergrund des Begriffes "Taliban/Talib" abzugrenzen von Menschen, die ein Koranschule besuchen. [...] mehr...
sorry hans , es war weder belehrend noch anmassend gemeint , ich wollte nur darauf hinweisen , dass die taliban eben nicht aus dem luftleeren raum aufgetaucht sind , sondern allerhöchstens vorher mangels interesse/verständnis [...] mehr...
Es geht doch vielmehr um die Frage, ob überhaupt ein Flugzeug in das Pentagon geflogen worden ist. Haben Sie schon einmal das Loch, das am Ende stehen sollte, ein nahzu rundes Loch, gesehen und angeblich ohne jede Trümmer, die [...] mehr...
ach wissen sie , "irgendwelche aufgebrachte araber" oder ähnliches hat brzesinski schon 1979 als eher vernachlässigenswert empfunden , sobald sie den job für ihn erledigt hatten , sie machen es mit dieser begriffswahl [...] mehr...
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