Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt
Peter ist Tankwart an der Engen-Station in Springbok, der Hauptstadt des für seine Wildblumen berühmten Namaqua-Landes. Hier, kurz vor der Grenze zu Namibia, ist auf den ersten Blick wenig zu spüren vom Fußballfieber. Anders als in den Metropolen sind in Springbok kaum Fähnchen zu sehen. Nur wenige Fans haben die Außenspiegel ihrer Autos mit den typischen kleinen Stoff-Häubchen in den Landesfarben geschmückt. Passanten in Bafana-Bafana-Shirts sind noch selten.
Aber Peter hat ein Ticket für das Vorrundenspiel der südafrikanischen Nationalmannschaft gegen Uruguay am 16. Juni in Pretoria erstanden. "Dafür musste ich mich zwar finanziell fast ruinieren und auch lange anstehen. Aber ich will auf jeden Fall dabei sein", sagt er.
Mit zwei Kumpels will er sich schon am 12. Juni in seinem altersschwachen Toyota auf die drei Tage lange Reise ins Loftus-Versfeld-Stadion in der Hauptstadt machen. "Ich glaube, unsere Jungs können über sich selbst hinauswachsen, wenn wir alle sie nur kräftig genug unterstützen", hofft der junge Tankwart. Für ihn ist es Ehrensache, eine Vuvuzela ins Reisegepäck zu packen, eine jener von Bundestrainer Joachim Löw gefürchteten Tröten mit dem durchdringenden Dauerton.
Das Gastgeberland der Fußball-WM 2010 rüstet sich zum Endspurt für das große Fußballfest, das nicht nur für Südafrika zum Durchbruch werden sollte, zum Signal für den Aufbruch in eine neue, eine bessere Zukunft. Afrikanische Spiele sollten es werden, den ganzen Kontinent von seinem Image befreien, dass von dort nur Nachrichten von Krieg, Chaos, Krankheit und Katastrophen kommen.
"Der Gewinner ist ganz Afrika", jubelte Fifa-Chef Sepp Blatter an jenem historischen 15. Mai 2004, als das Land am Kap im World Trade Centre in Zürich den Zuschlag für die Ausrichtung des Cups bekam. Südafrikas Friedensikone Nelson Mandela hatte Freudentränen in den Augen, als er den Cup stolz in die Höhe hielt und bekannte: "Ich fühle mich wie ein Junge von 15 Jahren."
"Lass sie wenigstens für vier Wochen gute Menschen sein"
In diesen Tagen ist in den Straßen von Johannesburg, Pretoria und Kapstadt wieder etwas zu spüren von der Euphorie, die vor sechs Jahren das ganze Land in einen Freudentaumel versetzte. Die Supermärkte sind fahnengeschmückt, die Mitarbeiter tragen Südafrika-T-Shirts, der Vuvuzela-Verkauf boomt.
Die Stadien sind fertig, neue Hotels, neue Straßen gebaut. Und Kapstadts Oberbürgermeister Dan Plato hat seiner Stadt großmäulig für den Vorabend des Eröffnungsspiels am 11. Juni die "größte Party in Südafrikas Geschichte" versprochen. Aber in den Straßen sind auch immer häufiger Autos zu entdecken, an deren Stoßstangen der Aufkleber "Fuck Fifa" prangt.
In die Vorfreude, die Spannung und die Erwartungen mischt sich die klammheimliche Sorge, dass der Fußballtraum zum Alptraum werden könnte.
Auch Staatspräsident Jacob Zuma scheint wenige Tage vor dem Start der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden nicht frei von Ängsten und Beklemmungen zu sein. "In dieser Zeit brauchen wir gute Südafrikaner", betete er Ende Mai bei einem Gottesdienst im Zamdela-Stadion in Sasolburg in der Provinz Free State. "Lass sie wenigstens für vier Wochen gute Menschen sein. Nur für vier Wochen", bat er Gott fast flehentlich.
Südafrika präsentiert sich aufgewühlt wie selten in seiner Geschichte
Denn trotz der vielen Fahnen, der schönen Stadien, der neuen Straßen und der aufgerüsteten Polizei präsentiert sich sein Land zerrissen, verunsichert und aufgewühlt wie selten in seiner jungen Geschichte. Nirgendwo sonst auf der Welt klafft die Reichtum-Armut-Schere so weit auseinander wie in Südafrika.
Trotz der Milliardeninvestitionen im Rahmen der WM 2010 haben im vergangenen Jahr eine Million Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es 171.000. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt über 25 Prozent, die höchste der vergangenen fünf Jahre. Inoffiziell wird sie sogar auf rund 40 Prozent geschätzt.
Nach einer Studie der University of South Africa gelten 75,4 Prozent der Südafrikaner als arm - fast ausschließlich Schwarze. "Armut, zunehmende Arbeitslosigkeit und Gewaltkriminalität sowie die Krise im öffentlichen Gesundheitssystem" prangert Amnesty International in seinem jüngsten Jahresbericht ebenso wie Korruption und Vetternwirtschaft als Hauptursachen für die oft gewalttätigen Proteste an, die Südafrika immer wieder erschüttern.
Moeletsi Mbeki, Bruder des ehemaligen Staatspräsidenten Thabo Mbeki, zieht die bittere Bilanz: "Anders als die Eliten in Asien haben unsere Führer die Ausbeutungsmentalität ihrer einstigen Unterdrücker einfach kopiert."
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es ist ja nicht nur Stimmung, die falsch beschrieben wird, sondern es auch die wirkliche Situation dort. Aber natuerlich ist auch Guensche nicht so ignorant, dass er glaubt, was er da schreibt. Hier geht es um jemanden, dem die [...] mehr...
Davon kann man ausgehen, ja. ---Zitat--- dank teurer Tickets auf einem armen Kontinent können sich die Einheimischen kaum Tickets leisten, ---Zitatende--- Korrekt. ---Zitat--- auch langfristig lohnen sich für die [...] mehr...
Quatsch mit Soße. Fahren Sie doch einfach hin und machen Sie sich ihr eigenes Bild... mehr...
Das ist ein gutes Stichwort: Wer hier im Kap lebt, der weiss das die Winter meist eher ziemlich mies sind - nicht zwingend wettertechnisch, sondern eher geschäftlich gesehen. Die Touristen kommen traditionell in den hiesigen [...] mehr...
Sagen Sie mal, welche übermenschlichen Fähigkeiten erwarten Sie eigentlich vom ANC? Hier in Deutschland, das bekanntlich erheblich reicher ist, haben wir es nach 20 Jahren immer noch nicht geschafft die Ostdeutschen auf [...] mehr...
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