Moskau - Russland denkt offenbar nun doch über einen Militäreinsatz in dem von Unruhen heimgesuchten Kirgistan nach. Russische Nachrichtenagenturen meldeten am Freitag unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsministeriums, die Soldaten könnten zum Schutz strategisch wichtiger Einrichtungen in der zentralasiatischen Republik eingesetzt werden.
Eine entsprechende Anfrage der kirgisischen Übergangsregierung werde derzeit geprüft. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Bei der Gewalt zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit wurden nach offiziellen Angaben mindestens 190 Menschen getötet.
Die Übergangsregierung schätzt die Zahl der Toten mittlerweile aber auf 2000 ein. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass mehr als eine Million Menschen von den Auseinandersetzungen betroffen sind.
Die kirgisische Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa bat Russland am Freitag erneut um militärischen Schutz für strategisch wichtige Anlagen in dem zentralasiatischen Land. Das bestätigte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag.
Die Organisation Human Rights Watch (HRW) bezeichnete die Lage im Süden des Landes als weiter instabil. Bewohner der Konfliktregion würden von Überfällen und Vergewaltigungen berichten, teilte HRW in Osch mit.
Uno will 71 Millionen Dollar geben
Der Uno-Menschenrechtsrat verlangt von der kirgisischen Regierung eine "vollständige und transparente Untersuchung" zu den Unruhen im Süden des Landes, die USA fordern zudem eine internationale Untersuchung. Der Menschenrechtsrat äußerte sich am Freitag in Genf zudem "zutiefst besorgt" über den Verlust an Menschenleben bei dem Umsturz am 7. April. In der einstimmig verabschiedeten Resolution verurteilte das Uno-Gremium ferner die jüngsten Provokationen und Gewalt in Osch und Dschalal-Abad.
Auch finanziell will die Uno helfen: Generalsekretär Ban Ki Moon rief die internationale Gemeinschaft am Freitag zur Bereitstellung von Nothilfen in Höhe von 71 Millionen Dollar auf. Der zuständige Uno-Koordinator John Holmes befinde sich bereits in Gesprächen mit Geberstaaten.
Mehr als zwei Monate nach dem Sturz des autoritären kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew gilt die Lage in dem Hochgebirgsland an der Grenze zu China weiter als extrem gespannt. Unklar war, ob die für den 27. Juni geplante Volksabstimmung über eine demokratische Verfassung wie geplant organisiert werden kann. Die Menschen im Süden des Landes baten Otunbajewa, den Termin um 40 Tage zu verschieben. Die internationale Gemeinschaft hält das Referendum für dringend nötig, damit sich die politische Lage in der Ex-Sowjetrepublik stabilisiert.
hen/Reuters/apn/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
Schwachsinn, mit Verlaub. Die Lage hat sich beruhigt, nachdem die provisorische Regierung Truppen in den Sueden verlegt hat. Lesen macht echt schlau. Sehr gut Aussage. Zeigt, wie wenig Sie von der Lage verstehen. Wozu [...] mehr...
Sagen Sie das mal der Menschenrechtlerin Otunbajewa, damit sie nicht ständig um russische Truppen bittet. Hoffentlich. Merkel&Co. werden jedenfalls nicht mehr so schnell die Zeit finden, wieder nach Tiflis zu reisen: [...] mehr...
Die Lage hat sich beruhigt, nachdem 200 Menschen tot und tausende geflüchtet sind, aber nicht wegen der kirgisischen Regierung. Die kirgisische Regierung, die mit Hilfe Moskaus an die Macht gelangt ist, hat Rußland um Hilfe [...] mehr...
Falls Sie gehofft haben, dass Russland seine Soldaten in offenes Messer liefert, haben Sie sich geirrt. Kirgisen sind selbst imstande, der Lage Herr zu werden. Was sie auch gezeigt haben. mehr...
Russland wollte das garnicht zeigen da es sich aus freien Stücken gegen einen Militäreinsatz entschieden hat, Kirgisien gehört ja auch nicht zu Russland und muss seine inneren Angelegenheiten selbst regeln. Ebenso gut können sie [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Kirgisien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH