Von Yassin Musharbash, Holger Stark und Susanne Koelbl
Islamabad/Berlin - Die Tarnung war gut: Ein Fahrer, ein sieben Jahre altes Mädchen und drei in weiße Burkas gehüllte Frauen saßen in dem alten Kleinlaster, der sich am Montagvormittag gegen elf Uhr Ortszeit einem Checkpoint der pakistanischen Polizei nahe der Stadt Bannu im Nordwesten des Landes näherte. Familien werden normalerweise nicht angehalten, und genau das dürfte das Kalkül der Insassen gewesen sein.
Doch in diesem Fall schlug der Plan fehl. Der Grund, der das Misstrauen eines jungen Polizisten erregte, war so simpel wie naheliegend: Eine der drei Frauen war außergewöhnlich groß - so groß, dass sie mit dem Kopf beinahe an das Innendach stieß. Der Polizist ließ den Wagen anhalten und kontrollieren. Die Passagiere protestierten: Es sei gegen die Regeln, Frauen zu überprüfen. Doch die Beamten blieben hart - und wurden fündig: Die ungewöhnlich große Frau entpuppte sich als Mann. Und in dem Fahrzeug waren zwei Kalaschnikow-Sturmgewehre versteckt.
Der Mann, der sich unter der Burka versteckt hatte, gab wenig später an, dass er Deutscher sei. Papiere hatte er zwar nicht dabei. Pakistanischen Angaben zufolge soll es sich aber um Rami M. handeln, einen Islamisten aus Hamburg. Deutsche Sicherheitsbehörden prüfen diese Angaben derzeit und halten sie für plausibel, eine Bestätigung steht aber noch aus - auch wenn sein Reisepass mittlerweile aufgetaucht sein soll.
Rami M. hatte Deutschland bereits im März 2009 verlassen - seine mutmaßliche Absicht: der bewaffnete Kampf gegen die "Ungläubigen" im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.
Rami M. befindet sich in der Hand des pakistanischen Geheimdienstes
Nach Angaben der pakistanischen Polizei ist Rami M.s linkes Bein gebrochen. Als vermutliche Ursache gilt allerdings eher ein Unfall als Gewalteinwirkung. Die Behörden vermuten, dass er auf dem Weg in ein Krankenhaus in einer größeren Stadt war, um sich behandeln zu lassen.
Die festgenommenen Passagiere befinden sich nun offenbar in den Händen des pakistanischen Geheimdienstes ISI, wahrscheinlich in Peschawar. In Pakistan heißt es, ihre Reise habe in der Nähe der Stadt Mir Ali in der Unruheprovinz Nordwaziristan begonnen, die als Einflussgebiet dschihadistischer Gruppen gilt.
Der 25-jährige Deutsch-Syrer M. galt in Deutschland als Kopf einer Gruppe radikaler Islamisten, die sich in Hamburg im Umfeld der Taiba-Moschee gesammelt hatte - der ehemaligen Al-Quds-Moschee, in der auch die Attentäter vom 11. September verkehrt hatten. Die jungen Männer trafen sich jeden Freitag in der Moschee, manchmal auch in einer Wohnung, und sprachen viel über Pakistan und Afghanistan. Bis dahin war Rami eher durch Kleinkriminalität als durch politischen Fanatismus aufgefallen. Im März 2007 etwa erwischten ihn die Behörden, als er bekifft mit seinem Auto durch Darmstadt fuhr.
Auch Bekannte von M. reisten nach Pakistan
Anfang März 2009 war Rami plötzlich weg, ein dichter Bart bedeckte jetzt sein markantes Gesicht. Ein paar Tage nach seinem Verschwinden meldete er sich in Deutschland und sagte, er sei inzwischen in Pakistan. Seitdem stuft ihn die Polizei als "Gefährder" ein und warnt, er sei womöglich bewaffnet.
Zur gleichen Zeit verließen mehrere seiner Freunde Hamburg, darunter zwei Männer mit ihren Ehefrauen, die mit One-Way-Tickets über Katar nach Peschawar flogen und von denen die Ermittler annehmen, dass sie bis kurz vor Rami M.s Festnahme mit ihm zusammenlebten.
Zwei weitere Bekannte von Rami, die Aussiedler Alexander J. und Michael W., die sich ebenfalls im März 2009 auf den Weg gemacht hatten, waren dagegen an den pakistanischen Grenzkontrollen gescheitert und wurden nach mehrwöchiger Haft wieder nach Hamburg zurückgeschickt (SPIEGEL 14/2010). Inzwischen ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen die Gruppe wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Rami M. ist somit mutmaßlich einer von mehreren Dutzend Dschihadisten, die Deutschland in den vergangenen Jahren verlassen haben, um im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zu leben - und manchmal auch, um dort zu kämpfen und zu sterben. Inzwischen existieren dort mehrere regelrechte Kolonien deutscher Kämpfer, die in manchen Fällen auch Frauen und Kinder mitgenommen haben.
Die Liste deutscher Dschihadisten bei verschiedenen militanten Gruppen in der Region ist beeindruckend (siehe auch Fotostrecke oben):
Sollte sich die Festnahme von Rami M. bestätigen, könnte sie den deutschen Sicherheitsbehörden zu neuen und vor allem aktuellen Erkenntnissen über die Szene der deutschen Dschihadisten im Krisengebiet verhelfen - vorausgesetzt, er kooperiert.
Bis jetzt sind die Geständnisse der Sauerland-Gruppe und die hinterlassenen Memoiren des Eric Breininger die ergiebigsten Quellen. Rami M. könnte vermutlich auch berichten, wie ernst die Lage für die deutschen Dschihadisten-Kolonien in Waziristan ist. Immer wieder kursieren in der Szene Gerüchte und unbestätigte Meldungen, dass die pakistanische Armee und die Drohnen der CIA die ausländischen Kämpfer am Hindukusch ernsthaft bedrohen. Ob sich Rami M. einer dieser Gruppen angeschlossen haben könnte - und wenn ja, welcher -, ist allerdings noch unklar.
Mitarbeit: Sohail Nasir
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wieder zu......... 30 gewalttätige islamistische Intensivtäter verletzen 5 Polizisten und einen davon lebensgefährlich.... Wie brutal müssen die Täter vorgegangen sein um einen Menschen lebensgefählich zu maskrieren. mehr...
Wow! Sie haben offensichtlich schon Ihren Master in "Logical Fallacies" gemacht. Vielleicht sollten Sie einmal statt ad-hominem-Angriffen auf einen Strohmann lieber auf die Argumente des Beitrags eingehen. Da [...] mehr...
Mit diesem Beitrag haben Sie eben alles bewiesen, was ich oben geschrieben habe. (Nochmal lesen und versuchen zu verstehen). Sie kapieren es wirklich nicht. Vielleicht hilft ihnen ein Grundkurs in elemtarer Logik. Oder glauben [...] mehr...
Ja, das ist schwer zu kapieren wenn man nach Lust und Laune einmal politische (bei den Atheisten & Christen) und einmal religiöse (bei Moslems) Ursachen unterstellt. Selbstmord-Attentäter haben fast immer eine politische [...] mehr...
Himmel, ist das so schwer zu kapieren ? Stalin und PolPot haben im Namen ihrer politischen Ideologie gemordet. Genauso wie die Islamisten im Namen ihrer Religion Attentate begehen. Aber bisher hat kein Atheist im Namen von [...] mehr...
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