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23.06.2010
 

Ärger um Top-Soldaten

Obama feuert General McChrystal

Stanley McChrystal: Der asketische General
Fotos
AFP

Seine Ausfälle gegen die US-Regierung haben General Stanley McChrystal den Job gekostet. Nach einer Standpauke von Präsident Barack Obama muss der Oberbefehlshaber des Afghanistan-Einsatzes gehen - Nachfolger wird David Petraeus. Der Führungswechsel ist ein schwerer Schlag für die Mission.

Washington - Barack Obama hat entschieden: Nach den verächtlichen Bemerkungen zum Afghanistan-Krieg der USA muss Spitzenkommandeur Stanley McChrystal gehen. Der General war an diesem Mittwoch zu einem klärenden Gespräch mit dem Präsidenten nach Washington zitiert worden - danach stand fest: McChrystal hat seinen Job verloren.

Er verließ das Weiße Haus noch vor der Sitzung des Kriegskabinetts des Präsidenten, an der er gewöhnlich via Videoschaltung teilnimmt. Nach einem persönlichen Gespräch mit McChrystal trat Obama vor die Kameras und begründete seine Entscheidung. Er äußerte Bedauern, sprach aber von einer "richtigen Entscheidung für unsere nationale Sicherheit". McChrystal habe sich nicht so verhalten, wie es von einem General zu erwarten sei. Sein Verhalten untergrabe das Vertrauen, das notwendig sei, um in Afghanistan die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Kurz nach der Rede veröffentlichte der Geschasste selbst eine kurze Erklärung. Er habe seinen Rücktritt aus Respekt für die Mission am Hindukusch angeboten, schrieb McChrystal. Er fühle sich den Koalitionstruppen, den Partnerstaaten und dem afghanischen Volk zutiefst verpflichtet.

McChrystals Nachfolger am Hindukusch soll David Petraeus werden, der bisherige Chef des US-Zentralkommandos. Er wurde 2008 Kommandeur der US-Streitkräfte für den Nahen Osten, Ostafrika und Zentralasien und gilt als einer der wichtigsten Strategen im US-Verteidigungsministerium. Petraeus habe sein "vollstes Vertrauen", sagte Obama. Die Afghanistan-Strategie bleibe unverändert.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte, Petraeus habe im Irak "kluge Schritte und Perspektiven aufgezeigt und umgesetzt". Er hoffe, dass man nun auch in Afghanistan "Kontinuität haben" werde. Er kenne und schätze Petraeus: "Er zählt zu den besonnenen Köpfen. Ich erwarte durch diese Personalie keinen Bruch in der Strategie."

Im Wortlaut: Der Rücktritt des Generals

McChrystal: "Es war mir eine Ehre"

Stanley McChrystal: "Heute Morgen hat der Präsident meinen Rücktritt als Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan angenommen. Ich unterstütze die Strategie des Präsidenten in Afghanistan sehr und fühle mich unseren Koalitionstruppen, unseren Partnerstaaten und dem afghanischen Volk zutiefst verpflichtet. Aus Achtung vor dieser Verpflichtung und aus dem Wunsch, einen Erfolg der Mission zu sehen, habe ich meinen Rücktritt eingereicht. Es war mir ein Privileg und eine Ehre, die Besten unseres Landes zu führen."

Obama: "Dies ist kein Strategiewechsel"

Karzai: "Gehofft, dass das nicht passiert"

Die USA hatten unter McChrystal ihre Truppen am Hindukusch massiv aufgestockt, die radikalislamischen Taliban verstärkt angegriffen und gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen entwickelt. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bekräftigte, man werde an der Strategie festhalten.

Die Regierung in Kabul zeigte sich in einer ersten Stellungnahme enttäuscht. Ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai sagte, man habe auf ein anderes Ergebnis gehofft, respektiere aber Obamas Entscheidung.

"Weicheier im Weißen Haus"

Nach Angaben des Weißen Hauses war der Präsident wörtlich "wütend" über die abfällige Kritik McChrystals, die in einem Artikel des Magazins "Rolling Stone" veröffentlicht worden war. Seine Äußerungen finden sich in einem Porträt der Zeitschrift, das am Freitag erscheint. Unter dem Titel "The Runaway General" ("Der außer Kontrolle geratene General") werden abfällige Zitate, Schilderungen und Gefühle des Generals sowie enger Mitarbeiter über Obama und andere Regierungsmitglieder wiedergegeben.

So ist von "Weicheiern im Weißen Haus" die Rede. Obama wird als desinteressiert beschrieben und Vizepräsident Joe Biden verspottet - im Text wird ein Wortwechsel zwischen McChrystal und einem Berater beschrieben. "Joe Biden, wer ist das?", fragt demnach der General. Sein Berater kontert mit einem Wortspiel: "Sagten Sie 'Bite Me'?" - auf Deutsch in etwa : "Leck mich".

McChrystal versuchte sich später zu retten: "Es war ein Fehler, der eine falsche Einschätzung zeigt und nie hätte passieren dürfen", sagte er. Er habe stets nach den Prinzipien der persönlichen Ehre und Integrität gehandelt. Es war nicht das erste Mal, dass der General politisch in Kritik geriet. Schon seine Afghanistan-Strategie war umstritten.

kgp/apn/dpa/Reuters/AFP

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