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02.07.2010
 

Anschlag in Afghanistan

Taliban stürmen Büro von US-Hilfsorganisation

Die westlichen Verbündeten in Afghanistan geraten immer stärker in die Defensive, die Taliban erstarken. Jetzt haben Selbstmordattentäter das Büro einer US-Hilfsorganisation in Kunduz attackiert. Dabei wurde auch ein deutscher Wachmann getötet.

Kabul - Tägliche Angriffe oder Anschläge: Die internationalen Truppen und Hilfseinrichtungen in Afghanistan geraten immer öfter ins Visier der Taliban. Jetzt haben Extremisten im nordafghanischen Kunduz zugeschlagen. Sechs Männer stürmten in den frühen Morgenstunden das Büro einer US-Hilfsorganisation, zwei sprengten sich in die Luft. Mehrere Menschen wurden dabei getötet, darunter auch ein Deutscher. Es soll sich um einen Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes handeln. Das Auswärtige Amt bestätigte den Tod des Deutschen, zu den näheren Umständen machte ein Sprecher aber keine Angaben.

Provinzgouverneur Mohammad Omar sagte, auch ein afghanischer Polizist und ein afghanischer Wachmann seien getötet worden. Zwei Angreifer wurden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE getötet. Nach Angaben des Krankenhauses in Kunduz-Stadt wurden dort 22 Verletzte behandelt, das Bundeswehrkrankenhaus im zivil-militärischen Aufbauteam kümmerte sich um sieben weitere Leichtverletzte.

Die Organisation Development Alternatives Inc., die angegriffen wurde, ist ein Vertragspartner der staatlichen US-Hilfsorganisation USAID. Nach Angaben des US-Botschaftsvertreters flüchteten sich die meisten DAI-Mitarbeiter während der Kämpfe auf das Dach des fünfstöckigen Gebäudes. Dabei habe ein weiterer Ausländer, dessen Identität zunächst unklar war, Schussverletzungen am Arm erlitten. Möglicherweise sei er von einem Querschläger getroffen worden. Nach dem Anschlag sicherten afghanische Soldaten den Komplex. US-Truppen unterstützten die Afghanen.


In Kunduz befindet sich auch ein Regionales Wiederaufbauteam der Bundeswehr, deutsche Truppen waren aber nicht in das mehrstündige Gefecht verwickelt. "Deutsche Soldaten wurden demnach nicht verletzt", sagte ein Bundeswehrsprecher in Kunduz SPIEGEL ONLINE.

Die Attacke der Taliban zeigt erneut: Die Situation in Afghanistan wird immer bedrohlicher. Seit fast neun Jahren sind westliche Truppen am Hindukusch, doch von einer Befriedung ist das Land weit entfernt. Der Juni war für die Nato-Truppen in Afghanistan der verlustreichste Monat seit dem Einmarsch Ende 2001. Mit dem Tod von vier norwegischen und einem britischen Soldaten stieg die Zahl der im Juni getöteten Soldaten der Allianz auf 99.

Fest steht: Die Extremisten sind immer noch nicht geschwächt, die internationalen Truppen konnten ihnen kaum Gebiet abnehmen. Eine Offensive in der Provinz Helmand stieß im Frühjahr auf Widerstand, eine Folgeoffensive in Kandahar verzögert sich. Vor wenigen Wochen hatte der geschasste Afghanistan-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal den Aufschub der Operation angekündigt - und sich besorgt über den zivilen Aufbau in Kandahar geäußert.

Alle Hoffnungen ruhen auf Petraeus

Nun soll David Petraeus die Wende bringen. Der ehemalige Oberkommandierende im Irak und spätere Chef des übergeordneten US-Zentralkommandos Centcom folgt auf McChrystal, der mit abfälligen Bemerkungen das Weiße Haus düpiert hatte. Petraeus ist im Militär äußerst beliebt, wie es auch McChrystal war.

Doch er wird vor denselben Problemen stehen. Der zivile Aufbau im Land stockt, zu den militärischen Rückschlägen kommen die Korruption in Hamid Karzais Regierung und den Provinzen - und das Problem, dass die einheimischen Sicherheitskräfte die Lage im Land immer noch nicht allein kontrollieren könnten. Obwohl afghanische Sicherheitskräfte und Polizisten von westlichen Beratern trainiert werden, sind sie für umkämpfte Regionen mit starkem Widerstand weder ausgebildet noch ausgerüstet. Das sagt auch die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff im Interview mit SPIEGEL ONLINE: "Es dauert eben eine geraume Zeit, bis sich in einer völlig fragmentierten Region Sicherheits- und Regierungsstrukturen gebildet haben."

Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, Leon Panetta, sprach vergangene Woche von "ernsten Problemen" der Mission in Afghanistan. "Wir haben es mit einem Land zu tun, das Probleme mit der Regierungsführung, Probleme mit Korruption, Probleme mit Drogenhandel, Probleme mit einem Taliban-Aufstand hat", sagte Panetta dem Fernsehsender ABC am Sonntag. Zwar gebe es "Fortschritte", aber "es ist mühsamer und es geht langsamer als alle erwartet haben".

US-Präsident Barack Obama gibt sich zuletzt kämpferisch: Man habe ein "klares Ziel". "Wir werden das Momentum der Taliban brechen." Es waren exakt dieselben Worte, mit denen er im Dezember in der Militärakademie West Point seine neue Afghanistan-Linie angekündigt hatte. Man kann das auch so interpretieren: Die Amerikaner treten auf der Stelle.


kgp/dpa/AFP/Shoib Najafizada

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05.07.2010 von Montanabear: Anschlag in Afghanistan

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04.07.2010 von PeaceNow: Lol

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03.07.2010 von Michael O.: Der heutige Wissensstand

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