Kandahar - Zahlreiche Attentate haben Afghanistan am Dienstag und Mittwoch erschüttert. Besonders US-Soldaten waren das Ziel der Extremisten - acht Amerikaner starben innerhalb der vergangenen 24 Stunden.
Die südafghanische Stadt Kandahar war ein Schauplatz der blutigen Kämpfe. Bei einem Autobombenanschlag und einer anschließenden Schießerei zwischen Angreifern und Sicherheitskräften kamen der Nato zufolge drei US-Soldaten und fünf zivile Arbeiter, drei Übersetzer und zwei Wachmänner ums Leben. Ein Sprecher der Provinzregierung von Kandahar sagte, auch ein afghanischer Polizist sei getötet worden. Ein Taliban-Sprecher erklärte, 13 Soldaten der internationalen Truppe und acht afghanische Sicherheitskräfte seien getötet worden.
Ziel des Angriffs am Dienstagabend war nach Behördenangaben das Hauptquartier einer Eliteabteilung der Polizei. Zunächst sprengte ein Selbstmordattentäter sein Auto nach Nato-Angaben am Eingang zu dem Gelände in die Luft, anschließend eröffneten Aufständische das Feuer. Internationale Truppen und Polizisten hinderten die Angreifer am Vordringen auf das Gelände.
Die Taliban bekannten sich zu dem Überfall. "Sie kamen mit Panzerabwehrraketen und Maschinengewehren", bestätigte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums SPIEGEL ONLINE.
Das Hauptquartier der Polizei für zivile Ordnung, eine Eliteeinheit innerhalb der nationalen Polizei, liegt nach Angaben des Provinzsprechers in der Nähe eines von elf neuen Kontrollposten, die in den vergangenen Wochen in der Stadt eingerichtet wurden. Diese von der Eliteeinheit und Soldaten der internationalen Truppe bemannten Posten sollen die Sicherheit in Kandahar erhöhen. Die größte Stadt im Süden Afghanistan gilt als Hochburg der Taliban.
Koordinierte Kommandoaktionen der Taliban
Bei einem weiteren Zwischenfall im Süden des Landes am Mittwoch kamen vier US-Soldaten ums Leben, als eine Bombe am Wegesrand explodierte. Ein weiterer US-Soldat erlag seinen Verletzungen, die er zuvor bei einem Feuergefecht erlitten hatte.
Im umkämpften Bezirk in Helmand wurden nach Angaben des Innenministeriums neun afghanische Zivilisten getötet, als ihr Fahrzeug auf eine Sprengfalle fuhr. Eine weitere Bombe tötete zwei Sicherheitsleute in der Provinz Paktika im Osten des Landes.
In den vergangenen Monaten hat die Gewalt in Afghanistan erheblich zugenommen. Seit Anfang des Monats sind insgesamt 45 Soldaten der internationalen Truppen ums Leben gekommen, 33 davon waren US-Soldaten. Immer häufiger setzen die Taliban auf koordinierte Kommandoaktionen, um Einrichtungen von Sicherheitskräften und afghanischer Regierung anzugreifen. Erst Ende Juni hatten Extremisten einen Nato-Flughafen im Osten des Landes angriffen und mehrere Menschen verletzt. Wenige Wochen zuvor waren Aufständische in Kandahar daran gehindert worden, ein Trainingszentrum der Polizei zu stürmen.
In Afghanistan kämpfen rund 150.000 Soldaten der Nato-Truppe Isaf und der US-geführten Koalition gegen die Taliban und andere Aufständische. Seit fast neun Jahren ist das westliche Militär dort vertreten, doch von einer Befriedung ist das Land weit entfernt.
Nach Informationen des Internetdienstes icasualties.org verloren seit Jahresbeginn mehr als 360 ausländische Soldaten am Hindukusch ihr Leben. Der Juni war mit 102 Toten der bislang verlustreichste Monat für die Truppen seit Einsatzbeginn Ende 2001. Nach Angaben von Menschenrechtlern kamen zwischen Januar und Juni dieses Jahres zudem 1074 Zivilisten im Afghanistan-Konflikt ums Leben.
"Ja, es wurden Fehler gemacht"
Angesichts der zunehmend schlechten Nachrichten aus dem Land am Hindukusch räumte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Mittwoch Fehler beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ein. "Ja, es wurden viele Fehler gemacht und es werden übrigens noch immer Fehler gemacht", sagte der CSU-Politiker. Der Einsatz sei von Beginn an verharmlost worden. Die Fehler zeigten sich etwa bei der Kommunikation oder einem verengten Blick auf Afghanistan statt auf die Region insgesamt.
Außenminister Guido Westerwelle warnte zuletzt vor zu großen Hoffnungen auf Fortschritte in Afghanistan. Es seien dort keine europäischen Verhältnisse zu schaffen, sagte er in einer Regierungserklärung. Der FDP-Vorsitzende bekräftigte aber auch, dass noch vor Ende der Legislaturperiode 2013 die Voraussetzungen für einen schrittweisen Abzug der Bundeswehr geschaffen werden sollen.
kgp/dpa/apn/Shoib Najafizada
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