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16.07.2010
 

Afghanistan-Mission

Gefechte verhindern Guttenbergs Truppenbesuch

Von Matthias Gebauer

Afghanistan-Besuch: Guttenberg am Hindukusch
Fotos
DPA

Erst eine Flugzeugpanne, jetzt ein abgesagter Truppenbesuch: Die Blitzvisite von Verteidigungsminister Guttenberg in Kunduz steht unter einem schlechten Stern. Einen Trip in die Unruheprovinz Baghlan musste der CSU-Politiker absagen - weil sich die Bundeswehr dort Gefechte mit den Taliban liefert.

Berlin - Der Überraschungsbesuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in Afghanistan gestaltet sich schwierig. Pannen und die prekäre Sicherheitslage vor Ort beeinträchtigen den Ablauf der Visite.

So musste Guttenberg einen Besuch deutscher Kampftruppen in der nordafghanischen Unruheprovinz Baghlan wegen laufender Gefechte mit den radikalislamischen Taliban kurzfristig absagen. Er war bereits vom Feldlager Kunduz aus mit dem Hubschrauber auf dem Weg zu den Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force, QRF), als ihn die Nachricht von den Kämpfen erreichte. Auf Empfehlung des Kommandeurs der Truppe kehrte er um.

Der Minister traf in der Nacht in dem zweitgrößten Feldlager der Deutschen ein. Doch schon der Weg dorthin gestaltete sich schwierig. Wegen einer Flugzeugpanne erreichte er mit 16 Stunden Verspätung das Hauptquartier der internationalen Schutztruppe Isaf für Nordafghanistan in Masar-i-Scharif. Am frühen Morgen nahm er an der Übergabe von rund 40 amerikanischen Kampf- und Sanitätshubschraubern an das Regionalkommando teil. Anschließend flog er nach Kunduz weiter. Ein dort geplantes Treffen mit dem neuen Isaf-Kommandeur, General David Petraeus, musste wegen der Verspätung abgesagt werden.

Deutsche Truppen unter Druck

Guttenberg will den Soldaten signalisieren, dass sie trotz des schwierigen Einsatzes den Rückhalt der deutschen Bevölkerung haben. Er hatte sich in den vergangenen Tagen spontan zu der Reise vor seinem Sommerurlaub entschlossen, sie war aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden, da die Bundeswehr bei solchen Truppenvisiten Angriffe fürchten muss.

Selbst wenn es in den vergangenen Wochen keine tödlichen Attacken gegen die Truppe gegeben hat, steht die Bundeswehr in der nordafghanischen Provinz - einer Hochburg der Taliban und anderer Aufständischer - unter Druck. Fast täglich melden die befehlshabenden Offiziere, dass Deutsche auf Patrouillen angegriffen oder Konvois beschossen werden.

Der Besuch erfolgt nur wenige Tage vor der sogenannten Kabul-Konferenz in der afghanischen Hauptstadt, bei der die Außenminister der Nato-Staaten die bisherigen Ergebnisse der vorausgegangenen Tagung in London über die Zukunft des krisengeschüttelten Landes beraten wollen. Dazu sollen am kommenden Dienstag erstmals fast alle Minister der Allianz mit der afghanischen Regierung in Kabul zusammentreffen. Bei dem Treffen wollen sie vor allem analysieren, welche Fortschritte Präsident Hamid Karzai bei seinen zahlreichen Versprechen, die er in London abgegeben hat, bisher erreicht hat.

Viele Gesten, wenig Konkretes bei Kabul-Konferenz

Die Konferenz wird in westlichen Regierungskreisen weitgehend als symbolischer Akt bewertet, da die in Afghanistan engagierten Staaten erstmals im Land selber tagen. Bisher hatten solche Konferenzen stets im Ausland stattgefunden. Mit dem Treffen in Kabul wollen die Beteiligten zeigen, dass die Verantwortung für die diversen Aufgaben am Hindukusch immer mehr von der afghanischen Regierung selbst getragen wird. Alle Nationen, auch Deutschland, wollen die Mission in den kommenden Jahren schrittweise beenden.

Konkrete Ergebnisse werden von der Konferenz nicht erwartet. Die Minister werden wohl am Ende erklären, dass sie sich auf wenige erste Provinzen geeinigt haben, die schon im Jahr 2011 an die afghanischen Sicherheitsbehörden übergeben werden sollen.

Schwarz-gelbe Koalition uneins über Afghanistan-Strategie

Erst vergangene Woche hatte Außenminister Guido Westerwelle mit seiner Ankündigung Schlagzeilen gemacht, dass eine dieser Vorzeige-Provinzen im von der Bundeswehr kontrollierten Norden liegt. Im Gespräch ist demnach der Standort Feisabad im Nordosten des Kommandos, aber sicher ist das noch nicht.

Deutschland hat derzeit rund 5000 Soldaten in Afghanistan stationiert und stellt seine Mission in diesen Monaten immer mehr auf das Training der afghanischen Sicherheitsstrukturen um. Erst kürzlich hatte die Regierung das Mandat für die Bundeswehr trotz einer breiten Ablehnung des Einsatzes in der Öffentlichkeit noch einmal ausgeweitet.

Trotzdem ist man auch innerhalb der Koalition uneins über die Mission. Während Außenminister Westerwelle bei seiner Regierungserklärung hauptsächlich über den kommenden Abzug sprach, gibt sich Verteidigungsminister Guttenberg vorsichtiger und mutmaßt, dass der Einsatz noch länger dauern könnte.

mit Material von dpa

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insgesamt 3722 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.06.2010 von jasyd:

Natürlich gibt es den OBL schon längst nicht mehr. Aber er wird weiter von beiden Seiten als Symbolfigur benötigt. Für die eine Seite wird er als Feindbild benötigt und für die andere Seite als symbolischer und heldenhafter [...] mehr...

30.06.2010 von sitiwati: oder den

NIX-mus ! Vernunft ist immer das eine Ufer, wo die Schwachen stehen, der Starke kennt weder Vernunft noch Moral, sei vernünftig: sagt die Mama/ Papa zum Sprössling, wenn er nicht so will, wie sie ! mehr...

30.06.2010 von semir:

Was aber vernünftig ist wurde aber nie klar und deutlich gesagt.Für die einen war es Rassismus und für die anderen Humanismus."Zum Glück" haben wir heute den Nihilismus. mehr...

30.06.2010 von anathema: Der Mythos der Französischen Revolution etc.!

Dieses Statement scheint nur bedingt zuzutreffen, denn es gab schon nach dem eigenen Verständnis der damaligen Staatsdenker im antiken Griechenland so etwas wie „Demokratie“, wie man auch heute im Mutterland der ältesten [...] mehr...

30.06.2010 von doctorwho:

nato hat afghanistan im griff , die taliban sind auf dem rückzug : "Under relentless siege by Taliban insurgents, the crucial road that links the country’s most important cities, Kabul and Kandahar, has become one of the [...] mehr...

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Länderlexikon Afghanistan

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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Ausrüstung der Bundeswehr

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Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz

CDU/CSU: Abzugsdatum offen lassen

REUTERS
Für die Union ist klar, dass der Einsatz der Bundeswehr fortgeführt werden soll. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Forderungen nach einem sofortigen Rückzug aus Afghanistan nannte sie "unverantwortlich".

Sie warnte vor "unabsehbaren" Folgen für die Sicherheit der Deutschen und ihrer Verbündeten; Folgen, die "weit verheerender wären" als jene der Anschläge vom 11. September 2001. Zudem würde Afghanistan "in Chaos und Anarchie versinken".

Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, es könne "keinen zivilen Aufbau ohne eine militärische Absicherung geben". Die Union will den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. "Die internationale Gemeinschaft wird ihre militärische Präsenz so lange aufrechterhalten, wie es nötig ist, nicht länger, aber auch nicht kürzer", erklärte Merkel. Es müsse mit der afghanischen Regierung eine "Übergabe in Verantwortung" geben.

SPD: Klare Abzugsperspektive

FDP: Mehr Tempo für Eigenverantwortung

Grüne: Strategiewechsel zu mehr zivilem Engagement

Linke: Soldaten raus aus Afghanistan





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