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15.07.2010
 

Kampf gegen die Taliban

Karzai billigt Aufbau umstrittener Dorfmilizen

Taliban-Kämpfer in Afghanistan: Dorfmilizen sollen künftig die internationalen Truppen unterstützenZur Großansicht
AFP

Taliban-Kämpfer in Afghanistan: Dorfmilizen sollen künftig die internationalen Truppen unterstützen

Hamid Karzai hat sich dem Willen der USA gebeugt. Nach anfänglicher Ablehnung stimmt er nun dem Aufbau von Dorfmilizen im Kampf gegen die Taliban zu. Bei vielen Afghanen werden schlimme Erinnerungen an die achtziger Jahre wach.

Kabul - General David Petraeus hat seine erste Bewährungsprobe in Afghanistan bestanden. Der neue Nato-Oberkommandierende hat sich mit seinem Plan für Dorfstreitkräfte gegen Präsident Hamid Karzai durchgesetzt. Nach Tagen der Ablehnung und des Zögerns billigte der afghanische Regierungschef das umstrittene Vorhaben der Amerikaner, im Kampf gegen die stärker werdenen Taliban lokale Milizen einzusetzen. Karzai habe sich dem Vorhaben lange widersetzt, sich am Mittwoch aber schließlich dem Druck aus Washington gebeugt, hieß es am Donnerstag in afghanischen Regierungskreisen.

Die sogenannte Dorfpolizei soll in Regionen eingesetzt werden, wo der Aufstand der Taliban am heftigsten tobt. Für die Afghanen ist die Gründung der Truppe ein heikles Thema: Sie erinnern sich nur zu gut an die berüchtigten Milizen, die die Sowjets in der Besatzungszeit in den achtziger Jahren mobilisiert hatten. Die Trupps spielten auch eine unrühmliche Rolle im anschließenden Bürgerkrieg.

Vor gut einer Woche hatte Karzai nach einem Treffen mit dem neuen Nato-Oberkommandierenden David Petraeus noch mitteilen lassen, dass er das Vorhaben ablehnt. Die afghanische Regierung befürchte, dass mit solchen Dorfstreitkräften lokale Kriegsherren und unkontrollierte Milizen an Stärke gewinnen könnten. Ein afghanischer Regierungsvertreter sagte damals, Karzai fürchte, es würden eine Art Privatmilizen geschaffen.

Nun also die Kehrtwende. Nach dem Willen der USA soll Karzai mehr Verantwortung für die Sicherheit seines Landes übernehmen, ehe die USA nächstes Jahr mit dem schrittweisen Abzug beginnen. Die Verluste der auf inzwischen 150.000 Soldaten aufgestockten ausländischen Truppen am Hindukusch steigen, während die Offensive gegen die Taliban-Hochburgen im Süden des Landes stockt. 2000 Soldaten sind bereits in Afghanistan gefallen, der Juni war mit über 100 Toten der blutigste Monat seit dem Sturz der Taliban 2001.

Die Dorfpolizei solle die reguläre afghanische Polizei beim Schutz ihrer Siedlungsgebiete gegen die Aufständischen unterstützen, kündigte Karzais Sprecher Hamid Elmi an. Die Größe, die Bezahlung und die Einsatzdauer der Dorfpolizei würden vom Innenministerium festgelegt. Die Regierung werde die Truppe jedoch nicht mit Waffen ausstatten, dafür müssten die neuen Dorfpolizisten selbst sorgen. Besonders auf dem Land halten viele Afghanen Waffen versteckt, ein Erbe des jahrzehntelangen Bürgerkriegs.

Der Einsatz von Dorfmilizen im Kampf gegen Aufständische in Afghanistan ist nicht neu. Ihre Effektivität im Umgang mit Gegnern, die in der eigenen Gemeinschaft leben, ist jedoch umstritten. Ähnliche Vorhaben waren in der Vergangenheit nach einem wenig ambitionierten Start im Sande verlaufen, etwa die Schaffung einer Gemeindepolizei in der Provinz Nangarhar im Osten des Landes.

Seit dem Sturz der Taliban sind Zehntausende Afghanen zu Armee und Polizei geströmt. Training, Ausrüstung und Bezahlung halten allerdings häufig nicht Schritt mit dem raschen Aufbau der Sicherheitskräfte durch die internationalen Truppen.

Weitere schätzungsweise 30.000 Afghanen arbeiten für private Wachdienste. Sie sind meist besser ausgebildet und bezahlt als ihre Kollegen im Staatsdienst. Die meisten Opfer hat die leicht bewaffnete afghanische Polizei zu verbuchen, die auch in sehr abgelegenen Regionen eingesetzt wird und damit häufig das Ziel von Taliban-Angriffen ist.

ler/Reuters

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Länderlexikon Afghanistan

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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