ThemaGaza-StreifenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
16.07.2010
 

Anerkennung der Hamas-Kontrolle

Israels Außenminister schlägt Gaza-Abspaltung vor

Israels Außenminister Lieberman: Französische Fremdlegion zur Tunnelkontrolle?Zur Großansicht
AFP

Israels Außenminister Lieberman: Französische Fremdlegion zur Tunnelkontrolle?

Es wäre eine radikale Abkehr von der Gaza-Politik Israels: Avigdor Lieberman, der ultrarechte Außenminister des Landes, möchte die Verantwortung für das Palästinensergebiet formell an die Hamas abtreten. Schutztruppen auch aus Europa sollen dann die Grenze überwachen.

Tel Aviv - Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman erstaunt mit Gedankenspielen zur Zukunft des Gaza-Streifens. Der ultrarechte Politiker will einem Zeitungsbericht zufolge die offizielle Verantwortung Israels für den Gaza-Streifen an die dort herrschende radikal-islamische Hamas-Organisation abtreten. Im Gegenzug werde Israel die Grenzen zu dem kleinen Palästinensergebiet hermetisch abriegeln, schreibt die Tageszeitung "Yediot Achronot" am Freitag.

Eine internationale Schutztruppe soll nach Vorstellung Liebermans dann die Grenzübergänge überwachen. Die französische Fremdenlegion und Einheiten anderer ausländischer Armeen sollen demnach den Waffenschmuggel durch Tunnel unter der Grenze von Ägypten zum Gaza-Streifen unterbinden. Die bisherige Blockade wäre damit aufgehoben. Waren könnten direkt von Europa aus in den Gaza-Streifen transportiert werden.

Lieberman will nach Informationen der Zeitung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton seinen Vorschlag während ihres Besuches am kommenden Sonntag unterbreiten. Nach Angaben aus dem Außenministerium handelt es sich um eine private Initiative Liebermans und nicht um die offizielle Politik Israels oder des Außenministeriums.

Lieberman will Kraftwerk, Entsalzungsanlage, Klärwerk - und Siedlungen

Den Plänen nach wird Lieberman Ashton außerdem antragen, die Hamas solle ein neues Elektrizitätskraftwerk, eine Entsalzungsanlage und eine Kläranlage im Gaza-Streifen errichten. Auch den massenhaften Neubau von Siedlungen in dem Palästinensergebiet unterstützt Lieberman demnach.

Der Vorschlag Liebermans sei eine dramatische Änderung in der bisherigen Gaza-Politik Israels, schreibt die Tageszeitung. Israel hatte bislang seine Blockade unter anderem damit begründet, dass die Hamas vom Westen als Terrororganisation eingestuft worden sei. Israel boykottiert die national-religiöse Bewegung, die Hunderttausende von Mitgliedern und Sympathisanten hat. Das Nahost-Quartett aus Vereinten Nationen, EU, USA und Russland verlangt von der Hamas als Voraussetzung für eine Normalisierung der Beziehungen, dass sie das Existenzrecht Israels anerkennt sowie Terror und Gewalt abschwört.

Zudem wendet sich die israelische Politik ab von der Palästinensischen Autonomiebehörde, die das Westjordanland kontrolliert, hin zur Hamas als Ansprechpartner. Die Vergangenheit habe gezeigt, so Lieberman, dass Verhandlungen mit der Behörde und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wenig Zählbares erbracht hätten. "Wir können von denen nichts erwarten", wird Lieberman zitiert.

Nach Liebermans Ansicht wird seinem Plan zufolge die offizielle Verantwortung für den Gaza-Streifen nur an eine Macht übergeben, die ohnehin das Gebiet kontrolliert. Nun will er Europa davon überzeugen, sich zu beteiligen.

ffr/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 51 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.07.2010 von eikfier: gefährliche Nadelstiche wechselseitig

...von WEM zerstört ? ,würde mich hier wirklich mal interessieren, weil sich nämlich hier bei uns kaum jemand vorstellen kann, wie penibel im meschuggenen Nahenosten die Nadelstiche wechselseitig gesetzt werden. Im Foltern ist [...] mehr...

18.07.2010 von toyotapur: Das ist doch zu viel Arbeit

Da geb ich dir vollkommen recht. Treffender kann die Situation nicht beschrieben werden. Du hast nur noch einen Punkt ausgelassen: Als vor fünf Jahren die Israelis Gaza räumten und eine jahrelange Infrastruktur hinterliessen [...] mehr...

17.07.2010 von Umut Brasco: Endlich mal etwas positives

Endlich mal etwas positives aus Israel. Ich hoffe Hamas wird des akzeptieren, so kann jeder endlich mal aufatmen. mehr...

17.07.2010 von mardas: Es ist wirklich besser so

Aber im Gegenzug sagen, dass Israel bei eigenem Schutz seiner Grenzen immer der Böse ist und merken, dass die UNRWA ebenso verdammt viel Geld kostet? Oder ist da die heimische Waffenindustrie eher an Geschäften mit Israel und [...] mehr...

17.07.2010 von ein anderer: Nur nach einem Rückzug

Wäre doch das beste für Israel. Nach der jahrelangen Eskalationsstrategie das Problem, wieder unilateral, einem Anderen zu übergeben. Es gibt aber nur ein Palästina. Wenn eine Lösung des Konflikts möglich ist, dann nur durch [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Gaza-Streifen

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP