London - Neuer Ärger für BP und diesmal nicht wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Der britische Energiekonzern soll seine Finger im Spiel gehabt haben, als Großbritannien den kranken libyschen Lockerbie-Attentäter aus der Haft in dessen Heimat entließ. Vier demokratische US-Senatoren werfen BP vor, Druck auf die Regierung in London ausgeübt zu haben, um sich ein Millionengeschäft mit Libyen zu sichern. Der britische Außenminister William Hague sicherte nun seiner US-Kollegin Hillary Clinton Hilfe bei der Untersuchung der Vorwürfe zu.
In einem Telefongespräch mit Clinton habe Hague betont, dass die Regierung die Ausreise Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi vor rund einem Jahr als "einen Fehler" ansehe, meldete die Nachrichtenagentur PA am Samstag. Man werde "konstruktiv" mit Washington zusammenarbeiten.
Mikrahi war 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Anschlag auf eine Maschine der US-Fluglinie Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie im Dezember 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen waren US-Bürger.
Mikrahi hatte seine Schuld stets bestritten. Er war begnadigt worden, da Ärzte ihm attestierten, er habe wegen einer Prostatakrebserkrankung nur noch drei Monate zu leben. Mikrahi wohnt seitdem bei seiner Familie in einer Villa in Libyen. In den vergangenen Monaten Kritik an der Begnadigung laut geworden.
Der damalige Justizminister Jack Straw hatte offen eingeräumt, dass bei der Entscheidung über das Schicksal des Attentäters Ölgeschäfte eine Rolle gespielt hätten. BP hatte kurz nach der Freilassung einen sehr lukrativen Fördervertrag mit Libyen abgeschlossen, bestreitet aber, Einfluss auf die Entscheidung genommen zu haben. Am 29. Juli soll in Washington eine Anhörung zum Thema stattfinden. Es wird erwartet, dass hohe BP-Vertreter zur Aussage geladen werden.
hpi/dpa
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