Stockholm/Kabul - Ein Raketenangriff auf den Flugplatz von Kabul hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie Schwedens Außenminister Carl Bildt bei der Anreise zur Konferenz zur Zukunft Afghanistans behindert. Die dänische Außenministerin Lene Espersen kann deswegen überhaupt nicht teilnehmen.
Wie Bildt am Dienstag in seinem Internetblog berichtete, wurde sein Flugzeug zum US-Militärflugplatz Bagram umgeleitet. Zusammen mit Ban Ki Moon habe er mehrere Stunden gewartet. Um vier Uhr morgens wurden beide mit Hubschraubern der US-Streitkräfte nach Kabul geflogen.
Das Flugzeug mit der dänischen Außenministerin Lene Espersen wurde nach Kasachstan umgeleitet. Nach Angaben aus Kopenhagen konnte die Ministerin die rechtzeitige Anreise zu der eintägigen Konferenz nicht mehr schaffen und will direkt nach Dänemark zurückkehren.
Am Dienstagmorgen waren in der Nähe des Flughafens in Kabul Raketen eingeschlagen. Bei dem Angriff sei aber niemand verletzt worden, teilte das afghanische Innenministerium mit. "Einige Raketen" seien abgefeuert worden, sagte ein Sprecher.
Unterdessen hat der afghanische Geheimdienst mehrere Aufständische festgenommen, die laut Polizei vermutlich einen Anschlag geplant haben. Die Verdächtigen hatten vor einem Haus kampiert. Die Festnahmen erfolgten wenige Stunden vor Beginn der Tagung am Montagabend. Nach Angaben der Isaf haben die Männer Angriffe gegen die Zivilbevölkerung sowie gegen internationale und afghanische Truppen geplant.
Seit Dienstagmorgen beraten die Nato-Außenminister zum ersten Mal in Afghanistan selbst über die Zukunft des Landes. Der afghanische Präsident Hamid Karzai sagte bei seiner Begrüßungsrede, er sei "entschlossen", dass die Sicherheitskräfte des Landes die vollständige Verantwortung 2014 übernehmen. In den kommenden Monaten sollten bereits erste Maßnahmen eingeleitet werden. Deutsche Delegationskreise zeigten sich zufrieden, dass im sich abzeichnenden Schlussdokument ein "konkretes Zeitziel" genannt wird. Bei seiner Ankunft in Kabul hatte Außenminister Guido Westerwelle bereits die Hoffnung geäußert, dass das von den Afghanen "selbstgesetzte Ziel" von der internationalen Staatengemeinschaft "gemeinsam vereinbart und bekräftigt" werde.
Die USA wollen Afghanistan nach den Worten von US-Außenministerin Hillary Clinton auch nach dem Abzug ihrer Soldaten unterstützen. Der für Juli kommenden Jahres geplante Beginn des Truppenabzugs sei "der Beginn einer neuen Phase, nicht das Ende unseres Engagements", versicherte Clinton auf der internationalen Konferenz. "Wir haben keinerlei Absicht, unsere langfristige Aufgabe aufzugeben, ein stabiles, sicheres und friedliches Afghanistan zu schaffen." Es dürfe jedoch nicht unbegrenzt der Zeitpunkt herausgeschoben werden, an dem die afghanische Regierung und die Behörden komplett die Verantwortung im Land übernehmen müssten.
Nach den Worten Clintons wollen die USA auch nach dem Abzug ihrer Soldaten weiter bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte helfen und den Aufbau der Wirtschaft in dem krisengeschüttelten Land unterstützen. Die Regierung in Kabul müsse trotz einiger "ermutigender" Fortschritte jedoch den Kampf gegen Korruption verstärken, forderte die US-Außenministerin.
anr/dpa/ddp
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