Paris - Nein, er werde nicht zurücktreten, erklärte der französische Arbeitsminister Eric Woerth am Dienstag erneut. Doch der konservative Politiker ist in die Bettencourt-Affäre verwickelt, eine Affäre, die Frankreich seit Wochen beschäftigt und in der es immer neue Informationen über Zahlungen und Gefälligkeiten gibt. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll Woerth nun vor Gericht aussagen. Sie beantragte das Verhör am Dienstag bei der französischen Regierung. Das Kabinett will sich am Mittwoch dazu äußern.
Woerth steht unter Verdacht, illegale Spendengelder für den Präsidentschaftswahlkampf von Nicolas Sarkozy in Empfang genommen zu haben. Es wird außerdem spekuliert, dass er in seiner Zeit als Haushaltsminister aus Gefälligkeit auf eine gründliche Steuerprüfung der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt verzichtet habe.
Pikanter wird dies noch dadurch, dass Woerth verdächtigt wird, seiner Frau einen Posten in der Vermögensverwaltung von Bettencourt verschafft zu haben. "Ich habe niemals gefordert, dass man meine Frau einstellt", widersprach er am Dienstag. Seine Gattin sei ganz normal zu dem Job gekommen, der zu ihrem beruflichen Werdegang passe. Auch alle anderen Vorwürfe bestreitet Woerth.
Der Vermögensverwalter der Bettencourts, Patrice de Maistre, hatte aber jüngst in einer Vernehmung ausgesagt, dass Woerth ihn gebeten habe, seine Frau "in Karrierefragen zu beraten". Wenige Wochen später wurde sie für ein Jahresgehalt von rund 200.000 Euro in der Vermögensverwaltung angestellt.
Tochter Bettencourt verklagte ihre Mutter
Dass nun so ausführlich über die Verstrickungen berichtet wird, liegt an einem Rechtsstreit zwischen der L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt und ihrer Tochter Françoise Meyers-Bettencourt. Die Tochter wirft ihrer Mutter vor, mit Geld um sich zu werfen. Allein ein mit ihr befreundeter Fotograf erhielt Geschenke im Wert von 993 Millionen Euro.
Die Seifenoper aus dem Kosmetikkonzern wurde schließlich zur peinlichen Polit-Affäre, als heimliche Mitschnitte von Unterhaltungen zwischen der Milliardenerbin und ihrem Vermögensberater de Maistre auftauchten. Den Bändern zufolge hinterzog die Milliardärin auch Steuern in Millionenhöhe und zahlte illegale Parteispenden. Genau diese Geldgeschenke soll der heutige Arbeitsminister Eric Woerth - damals Schatzmeister der Regierungspartei UMP - in Empfang genommen haben, um Sarkozys Wahlkampf zu finanzieren.
400.000 Euro für die Hauptbelastungszeugin
Besonders die Ex-Buchhalterin Claire Thibout belastete ihre frühere Arbeitgeberin Bettencourt bei der Polizei schwer. Thibout ist nicht nur Hauptbelastungszeugin in der Affäre - sie erhielt bei ihrem Ausscheiden aus dem Dienst bei Bettencourt 400.000 Euro, meldeten französische Zeitungen am Dienstag. Die Tochter Françoise Meyers-Bettencourt habe das Geld bezahlt, sagte deren Anwalt Antoine Gillot der Nachrichtenagentur AFP in Paris und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Canard enchaîné". Der Hintergrund der Zahlungen ist noch unklar. Sie könnten aber die Glaubwürdigkeit Thibouts beschädigen.
Die Zahlung gehe auf ein Schriftstück von Meyers-Bettencourt vom Juli 2007 zurück, also auf die Zeit vor den juristischen Auseinandersetzungen mit der Mutter, versicherte der Anwalt. Nach Angaben des Anwalts der Tochter ging es dabei darum, den "letzten Willen" des im November 2007 verstorbenen Mannes von Liliane Bettencourt für den Fall einer Entlassung von Thibout zu respektieren. Die Buchhalterin war im Jahr 2008 entlassen worden.
Kleinaktionär von L'Oréal erstattet Anzeige
Die Finanzaffäre im Hause Bettencourt wirft auch einen Schatten auf den L'Oréal-Konzern. Derzeit besitzt Liliane Bettencourt als Hauptaktionärin gut 30 Prozent der Aktien, Nestlé steht mit knapp 30 Prozent an zweiter Stelle. Bettencourt fürchtet nichts mehr, als dass das Unternehmen, das sie "ihr Leben" nennt, der Kontrolle der Familie entzogen werden könnte.
Ein Kleinaktionär erstattete inzwischen wegen möglicher Veruntreuung von Gesellschaftsvermögen Anzeige gegen unbekannt. Dabei geht es um einen hochdotierten Zehn-Jahres-Vertrag für den Vertrauten der alten Dame, François-Marie Banier. Der 63-Jährige soll seit 2002 jährlich 405.000 Euro dafür bekommen, dass er L'Oréal in Mode- und Kunstfragen berät.
kgp/dpa/AFP
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Ob die EZB die Griechenanleihen der französischen Banken so schnell aufgekauft hätte, ohne ihn, wage ich zu bezweifeln. Welche Alternative hätten Sie denn zu Sarkozy anzubieten ? Royal wäre viel katastrophaler gewesen, [...] mehr...
Hätte nie gedacht, dass ich mich mal im Vergleich zu Sarkozy und Berlusconi, über eine Frau Merkel richtig froh sein kann. Bei uns wird jemand wegen eins der Dinger von Sarkozy in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Und der Mann [...] mehr...
daß sich Journalisten von Politikern aus Opposition und - erst neulich bei der Hatz auf die Meinungsfreiheit - auch der Regierung instrumentalisieren lassen. Mitunter merken sie nicht einmal, wie durchschaubar sie dabei sind - und [...] mehr...
Nun ja, das fahrende Volk zählt wohl eher zu den geringeren Problemen Neustriens, das Hauptproblem ist nicht fahrend und sitzt in den Vorstädten, manchmal zündelt es dort auch – und da es die Regierung versäumt hat, unter [...] mehr...
Weiso sollte Sie? Diese Frau hat - weil sie von ihrer Tochter enttäuscht ist - einen Teil ihres Vermögens dem gegeben, der ihr zur Seite stand - das kann sie doch - woist denn da die Affäre? mehr...
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